WHITE SQUALL

„You can’t run from the wind.“

White Squall ~ USA/UK 1996
Directed By: Ridley Scott

Florida, 1961: Skipper Chris Sheldon (Jeff Bridges) besitzt eine Schulyacht, die „Albatross“, auf der Jungstudenten im Zuge eines mehrwöchigen Karibiktörns ein Seemannsexamen ablegen und nebenbei ein paar Scheine für Literatur oder Naturwissenschaft erwerben können. Zu Sheldons pädagogischem Konzept gehört vor allem, dass die jungen Männer lernen, ihre Individualismen abzulegen und zu einer verschworenen Gemeinschaft heranwachsen. Obschon sich nicht jeder der höchst unterschiedlichen Mitreisenden fügen mag, trägt Sheldons Rezept gemeinhin Früchte: Die psychisch teils schwer vorbelasteten Einzelgänger bilden bald eine funktionierende Crew, die sich alle möglichen Hindernissen erfolgreich entgegenstellt – bis ein gewaltiges Unwetter nebst einer gefürchteten „weißen Bö“ die Albatross zum Kentern bringt und vier Todesopfer fordert – darunter Sheldons Frau Alice (Caroline Goodall). In einem nachfolgenden Prozess wird verhandelt, ob Sheldon sein Kapitänspatent behalten darf.

Trotz seines fantastischen „Thelma & Louise“ bildeten die neunziger Jahre Ridley Scotts kreativ streitbarste und wohl tatsächlich schwächste Schaffensphase. Das „Loch“ deutete sich bereits in Form des von mir persönlich zwar geschätzten, weithin jedoch wenig respektierten Entdeckerepos‘ „1492: Conquest Of Paradise“ an und fand dann in den folgenden beiden Arbeiten eine art antizipierter Befürchtung: Der einstmals große Stilist, der ehedem das SciFi-Genre um zwei seiner bedeutsamsten Beiträge bereichern konnte, schien in die Beliebigkeit der routinierten Solidität abzurutschen. Der sich auf eine authentische Begebenheit berufende „White Squall“ trägt davon eindrucksvoll Zeugnis. Schon bei seiner Premiere oftmals als maritimer „Dead Poet’s Society“ belächelt, wirkt „White Squall“ in seiner Gesamtheit tatsächlich derart zerfasert, dass er am Ende keine klare Richtung mehr erkennen lässt. Zu Beginn erliegt Scott noch allzuoft der Faszination, seine hübschen jungen Männer in der sonnendurchfluteten, salzluftigen Takelage abzulichten, während dann später die höchst laienpsychologisch dargelegte Charakterisierung der Studenten hinzukommt, die so ziemlich kein vorstellbares Klischee unberührt lässt (fehlt eigentlich nur der unsportliche Dicke, aber der hätte wohl nicht gut zu dem ästhetischen Konzept des Films gepasst) bis hin zu der unausweichlichen Konsequenz, dass der zuvor hartärschige Skipper am Ende gebrochen dasteht und sich nun auf die Loyalität „seiner Jungs“ verlassen kann. Das alles ist schon recht schwer zu schlucken. Eine wirklich denkwürdige, an die Nieren gehende Szene gibt es immerhin, als einer der Mitfahrenden (Jeremy Sisto) seinen pathologischen Vaterhass an einem unschuldigen Delfin auslässt. Da erreicht „White Squall“ dann zumindest einmal jene emotionale Unmittelbarkeit, die der ganze Film benötigt hätte. Zwei Rocksteady-Nummern und Stings final eingespieltes „Valpariso“ erfreuen auf der Tonspur das Musikliebhaberherz – das war’s aber auch an Besonderem. Jeff Ronas bittersüßer Flötenscore klingt verdächtig danach, als habe James Horner für „Titanic“ vorgeprobt und der gute Jeff Bridges, als schmucker Schönling noch in seiner Prä-Lebowski-Phase, verkauft sich harsch unter Wert.
„White Squall ist so dermaßen medioker, dass er erst gar keines weiteren Ereiferns bedarf.

5/10

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