SHAUN THE SHEEP MOVIE

Zitat entfällt.

Shaun The Sheep Movie (Shaun das Schaf – Der Film) ~ UK/F 2015
Directed By: Mark Burton/Richard Starzak

Schaf Shaun hat die gloriose Idee, den Farmer für einen Tag schlafen zu schicken und mit seinen Freunden auf dem Bauernhof mal so richtig die Kuh fliegen zu lassen. Dabei kommt es jedoch zu einem unvorhergesehen Malheur, das bei dem Farmer nicht nur eine schwere Amnesie hinterlässt, sondern ihn auch noch zum gefragtesten Starcoiffeur in der großen Stadt macht. Zusammen mit den anderen Schafen muss Shaun den alsbald schwerstens vermissten Farmer zurück von der Urbanität auf den Hof befördern und dabei der vielen unausweichlichen Tücken sowie eines selbstherrlichen Tierfängers Herr werden.

Im Rahmen einer Matinee-Reihe für Duisburger Schulen habe ich mir „Shaun The Sheep Movie“ gestern mit meiner 3. Klasse im Filmforum angeschaut. Von den innerhalb des Programms vorgeschlagenen Filmen erschien dieser mir für als der für meine Truppe und mich attraktivste, obschon ich mit den Arbeiten von Aardman Animations (mit Ausnahme von „Chicken Run“) bis dato überhaupt nicht vertraut war. Offenbar ein Versäumnis, wie ich feststellen musste, denn der „Shaun“-Film erwies sich nicht nur als überaus komisch, sondern zudem als wirklich niedlich, herzig und vor allem von brillanter Machart.
Claymation also, etwas, zu dem mir gerade mal „Luzi, der Schrecken der Straße“, die Ompis aus der „Rappelkiste“ und vielleicht noch „Pingu“ einfallen und das ich insofern bislang stets unwillkürlich mit dem gewissen Ruch hausbackener Spontipädagogik assoziierte. Dass es auch ganz anders geht, zeigte mir dann gestern dieser hübsche, fürderhin mit vielen herrlichen Gags für erwachsene Begleiter angereicherte Film, der eine Masse Punkte infolge seines sagenhaften technischen Aufwandes, seiner erzählerischen Phantasie und seines cleveren, manchmal sogar messerscharfen Witzes sammelt. Ich werde wohl bald dazu schreiten müssen, mir auch den einen oder anderen „Shaun“-Kurzfilm zu Gemüte zu führen, denn ehrlich gesagt hat mir Burtons und Starzaks Werk, von dem ich persönlich mir aus den umrissenen Gründen eben nicht allzu viel erwartet hatte, ordentlich Appetit gemacht. Eine schöne Überraschung ergo und sehr fein!

9/10

MATCHSTICK MEN

„You waited too long. No prize for you.“

Matchstick Men (Tricks) ~ USA 2003
Directed By: Ridley Scott

Roy Waller (Nicolas Cage) ist nicht nur ein erfolgreicher Trickbetrüger, sondern auch ein Vollblutneurotiker, dessen Alltag durch eine nicht enden wollende Abfolge diverser Tics bestimmt wird. Als ihm eines Tages sein Psychopharmakum ausgeht, befolgt er den Rat seines Kumpanen Frank Mercer (Sam Rockwell) und sucht einen Psychiater (Bruce Altman) auf, der Roy dazu bringt, Kontakt mit seiner vierzehnjährigen Tochter aufzunehmen, die er nie kennengelernt hat. Die quirlige Angela (Alison Lohman) bringt dabei langsam aber sicher etwas Sonnenlicht in Roys depressionsnahe Existenz. Schließlich ist Roy sogar bereit, ihr zuliebe sein kriminelles Dasein aufzugeben. Doch da erweist sich Roys und Franks jüngstes Opfer (Bruce McGill) als rachsüchtiger als erwartet…

Als es vor gut 15 Jahren unter etablierten Regisseuren „in“ wurde, stilsichere Gaunerkomödien mit gewissen Retro-Ambitionen zu kreieren, biss auch Ridley Scott an. Seit seinem Debüt „The Duellists“ dürfte Scott keinen solch im positiven Sinne unspektakulären, minimalistischen Film mehr gemacht haben, einen, in dem Bildgewalt, Bombast und Genreanbindung so zweitrangig waren. Auf der Tonspur dudeln Bobby Darin, Sinatra und Herb Alpert anstelle von Hans Zimmers pathetischen Ethnorhythmen und Nicolas Cages gewohnt exaltiertes, in diesem Falle jedoch vortrefflich passendes Spiel übertüncht selbst Scotts inszenatorische Selbsträson. Wie Nic Cage seine ganze Reihe von Zwangsneurosen zum Besten gibt, das zählt wohl zum Besten, was man bis dato von ihm zu sehen bekommen kann. Dass am Ende die moralische Mär vom beschissenen Betrüger steht, der durch eine gewaltige, ihn aus den Angeln hebende Lebensenttäuschung zurück zu sich selbst und in die Solidität findet,- also ein wohlverdientes happy end -, macht „Matchstick Men“ dabei keineswegs über Gebühr säuerlich (wie es zu befürchten stand), sondern untermauert noch sein Bestreben, eine hübsche, kleine Charakterstudie zu formieren. Zudem beweist der Film, dass Scott auch andere Gangarten als die von ihm erwarteten und gewohnten eizulegen imstand ist und damit sogar reüssieren kann.

8/10

BLACK HAWK DOWN

„We just lost the initiative.“

Black Hawk Down ~ USA/UK 2001
Directed By: Ridley Scott

Somalia, 3. Oktober 1993: Eine Kombination aus US-Eliesoldaten der Abteilungen „Rangers“ und „Delta Force“ hat den Auftrag, mitten im bürgerkriegsüberlagerten Mogadischu diverse hochrangige Mitglieder aus Aidids Beraterstab zu entführen. Dazu werden Humvees auf dem Boden und bewaffnete Helikopter, so genannte „Black Hawks“, in der Luft eingesetzt. Als zunächst einer und bald darauf noch ein zweiter Hubschrauber von den Somalis abgeschossen wird, entwickelt sich die zunächst erfolgsversprechend angelaufene Operation zu einem Fiasko. Diverse Soldaten müssen sich notdürftig in der verwinkelten Stadt verbarrikadieren und viele Stunden auf Hilfe von außen warten, derweil der Gegner sie tausendfach belagert und angreift.

Der als „Schlacht von Somalia“ in die Militärgeschichte eingegangene, unrühmlich verlaufene Einsatz von US-Truppen gegen den somalischen Warlord Aidid konnte Ridley Scott als groß angelegten, betont naturalistischen, respektive realitätsverhafteten Actionfilm vor historischem Kriegshintergrund verfilmen, nachdem sein Renommee infolge von „Gladiator“ und dem sicherlich in mancherlei Hinsicht streitbaren, in jedem Fall jedoch künstlerisch anerkennenswerten „Hannibal“ wieder deutlich an Gewicht gewonnen hatte. Die für „Gladiator“ bereits hinlänglich perfektionierte Technik, kombattante Aktion sozusagen ‚hautnah‘ und so unmittelbar zu inszenieren, wie die Abgeschlossenheit der Leinwand es eben zulässt, brachte Scott auch in „Black Hawk Down“ zum Einsatz, wenngleich zwischen den jeweiligen Kriegsszenarien knappe 2000 Jahre Zeitgeschichte liegen und hier mit modernstem Tötungsgerät und Feuerwaffen gegeinander gekämpft wird. Die bebende Kamera nebst tosendem Shutter-Effekt ist so dicht dran an den mitgenommen Soldatengesichtern, dass man jede Pore zählen kann. Entsprechend zwingend die durchweg bravourös eingelösten Erwartungen an die Darsteller: Die Allgegenwärtigkeit des gewaltsamen Sterbens, der Todesangst und des Mitleids mit den weniger glücklichen Kameraden äußert sich in Form etlicher in Qualen verformter Antlitze.
Mit seiner bis zur Spitze getriebenen Ästhetik wirft „Black Hawk Down“ somit vor allem die alte, aktualisierte Frage auf, wie gut aussehend und unterhaltsam ein sich authentisch wähnender Kriegsfilm überhaupt sein darf, um seine vorgeschobene, ethische Agenda nicht vollends zur Farce verkommen zu lassen. Auf der anderen Seite wäre zu diskutieren, ob nicht bereits jene filmische Gattung solcherlei Fragen obsolet macht: Wer sich gemeinhin als Rezipient einem hochbudgetierten, von namhaften Künstlern getragenen Kriegsfilm, zumal aus amerikanischer Produktion aussetzt, der sollte die naive Vorstellung, eine aufrichtige Kritik am institutionalisierten Sterben zu erleben, entweder längst beigelegt haben oder zumindest seine diesbezügliche Enttäuschung im Zaum halten. Auch um den kosmopolitischen Diskurs hinsichtlich der Berechtigung von internationalen Einsätzen des selbsternannten Weltpolizei USA drückt sich „Black Hawk Down“ weitgehend erfolgreich herum. In jedem Fall mochte auch der Engländer Ridley Scott ebensowenig darauf verzichten, Josh Hartnett gegen Ende des Films seinem gefallenen Kameraden etwas von „Heldentum“ vorfaseln zu lassen, wie hier und da die US-Flagge im Bildkader zentriert zu zeigen, geschweige denn darauf, die einheimischen Soldaten als amorphe Masse gesichtsloser Flitzezombies dastehen und die hiesigen Kriegstreiber (dies eine beliebte, traditionelle Ad-Absurdum-Führung der Tatsachen) von der Redundanz internationaler Militäreinsätze schwafeln zu lassen.
Am Ende ist „Black Hawk Down“ ganz gewiss kein philosophischer Film und auch keiner, dem ein strikt ideologische Herangehensweise allzu gut täte, dafür aber einer, auf den sein Regisseur als Zeugnis seines handwerklichen Könnens stolz sein darf.

8/10