BLACK MASS

„Well, what’s Bulger done?“ – „What’s he done? Everything!“

Black Mass ~ USA 2015
Directed By: Scott Cooper

James „Whitey“ Bulger (Johnny Depp) ist wohl das, was man als ein „Bostoner Original“ bezeichnen könnte: Seine irischen Wurzeln in Kombination mit einem psychopathischen Charakter prädestinieren ihn geradezu, in seinem Viertel die Rolle des Alpha-Tierchens anzunehmen, sprich: Herr über sämtliche krummen Geschäfte zu sein, die innerhalb seiner Ethnie abgewickelt werden. Sein jüngerer Bruder Billy ist derweil in der Politik erfolgreich und bringt es sogar zum allseits angesehenen Senator. Um die Mitte der Siebziger Jahre wendet sich Bulgers mittlerweile beim FBI beschäftigter Jugendfreund John Connolly (Joel Edgerton) an ihn. Whitey soll Information über die Angiulo-Brüder, Mitglieder der Mafia, beschaffen. Nach anfänglichem Zögern erkennt Bulger die Vorteile einer „Allianz“ mit den Gesetzeshütern. Fortan kann er als inoffizieller Informant seine Geschäfte faktisch von der Polizei abgeschirmt durchziehen. Erst Jahre später werden die Beamten gewahr, dass sie mit Whitey Bulger über eine viel zu lange Distanz einen Schwerstkriminellen gedeckelt haben…

Dass Boston mit seiner weitflächig irischstämmigen Einwohnerschaft sich im Gangsterfilm gut macht, pfeifen spätestens seit Scorseses Hong-Kong-Remake „The Departed“ die Spatzen von den Dächern. Auch Ben Afflecks „The Town“ machte sich das traditionsreiche Ostküstenstadtbild zunutze, um die Geschichte einer destruktiven Romanze im Kriminellenmilieu zu erzählen. Scott Coopers „Black Mass“ nun zeigt den in jüngerer Zeit etwas aus dem Rampenlicht geratenen Johnny Depp bei der Porträtierung eines abermals authentischen Charakters, gewohnt exaltiert zwar, aber zur Abwechslung von grimmigem Ernst geprägt und unter völliger Aussparung augenzwinkernder Albernheiten. Tatsächlich trägt seine bedrohliche Präsenz „Black Mass“über weite Strecken, ganz so, wie es sich für einen figurenzentrierten Genrefilm ziemt. Glücklicherweise begeht das Script zudem nicht den Fehler, falsche Heldenverklärung zu begehen: Wo andere Filmkriminelle oftmals zu Sympathieträgern verklärt werden oder das Publikum zumindest für sie eingespannt wird und hofft, dass sie am Ende irgendwie davonkommen, gönnt man Whitey Bulger zu keinem Zeitpunkt irgendetwas Gutes. Der Film lässt keinerlei Zweifel daran, dass der Mann ein gemeingefährlicher, sadistischer Gewaltverbrecher war, der hinter weiß Gott wie vielen Morden steckte und jeden über die Klinge springen ließ, der auch nur im Verdacht stand, sein wachsendes Imperium zum Bröckeln zu bringen. Selbst mit der IRA macht Bulger Geschäfte. So kreist die Story auch und vor allem um die sich nach und nach auf den FBI-Beamten John Connolly übertragenden Faszination des Bösen: Connolly avanciert über die Jahre vom vornehmlich an der Verhaftung von Mafiosi interessierten Karrieristen hin zu Bulgers privatem Handlager, der für seinen vermeintlichen Freund sämtliche berufsethischen Grundsätze missachtet, dessen Zuwendungen mehr und mehr genießt und mit Ausnahme seiner Loyalität zu Bulger nach und nach alles verliert.
So weit, so gut, bereichert Coopers Film seine Gattung um einen abermals interessanten, zumal aufgrund seiner authentischen Anbindung sehenswerten Beitrag. Allerdings kann „Black Mass“ (dessen mehrdeutiger Titel mir besonders gut gefällt) dem Gangsterfilm substanziell nichts Neues hinzufügen. So präzis er seine Sache auch macht, so eindrucksvoll belegt er einmal mehr, dass in diesem Genre eigentlich längst alles Wesentliche gesagt worden ist und sich die alten Topoi nurmehr variieren lassen. Kann man sich mit dieser Prämisse arrangieren, wird man an „Black Mass“ sicherlich Gefallen finden.

7/10

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