CREED

„I have to prove it!“

Creed ~ USA 2015
Directed By: Ryan Coogler

Erst im Alter von dreizehn Jahren erfährt der in Heimen aufgewachsene Adonis Johnson (Alex Henderson), dass er das Ergebnis eines Seitensprungs des einstigen Schwergewichtsweltmeisters Apollo Creed ist, der noch vor Adonis‘ Geburt starb. Apollos Witwe (Phylicia Rashad) nimmt Adonis schließlich bei sich auf. Jahre später entscheidet sich der seit eh und je vom Boxsport infizierte Adonis (Michael B. Jordan), das Erbe seines Vaters anzutreten und seinen erfolgreichen Job als Büroangestellter gegen eine Profikarriere im Halbschwergewicht einzutauschen. Da ihn an der Westküste niemand coachen mag, geht Adonis nach Philadelphia, um sich Rocky Balboa (Sylvester Stallone), dem besten Konkurrenten und besten Freund seines Vaters, vorzustellen. Der alternde und einsame Gastronom ist zunächst nicht daran interessiert, einen Nachwuchsboxer zu trainieren, lässt sich dann aber doch von Adonis‘ Hartnäckigkeit überzeugen. Als publik wird, dass Adonis Spross eines berühmten Hauses ist, soll er einen Titelkampf gegen den Briten Ricky Conlan (Tony Bellew) bestreiten. Emsig beginnt Rocky, sein neues Mündel auf den anstehenden Kampf vorzubereiten, da erhält er eine verhängnisvolle Diagnose…

Mit dem jüngsten Kapitel der „Rocky“-Saga, die jetzt in ihr vierzigstes Jahr geht, erscheint der Titelheld erstmals nicht mehr selbst im Titel. Es ist Zeit, die Fackel weiterzureichen, nachdem Rocky Balboa der Welt vor rund neun Jahren ein letztes Mal und höchst eindrucksvoll beweisen konnte, dass stets mit ihm zu rechnen sein würde. Die Plotidee, einen unehelichen Sohn von Rockys ehedem totgeprügeltem Freund Apollo Creed, damals, wie wir alle wissen, liebevoll interpretiert von Carl Weathers, in den Fokus zu setzen und ihn nicht nur um sportlichen Erfolg, sondern vor allem um seine Identität und sein Erbe kämpfen zu lassen, erweist sich schonmal als goldrichtig. Michael B. Jordan, der mir just aus „Fantastic Four“ als Johnny Storm/Human Torch in nicht eben allerbester Erinnerung war, macht seine Sache hierin großartig. Mit viel Herzblut changiert er zwischen dem frustrierten Waisenkind auf der Suche nach echter Zugehörigkeit und dem erfolgshungrigen Athleten; die ergänzend hinzugedichtete Romanze mit der halbtauben Sängerin Bianca (Tessa Thompson) ist reizend und sein Zusammenspiel mit Stallone rührend. Dass in narrativer Hinsicht zumindest teilweise der in vielerlei Hinsicht katastrophale fünfte Teil wieder aufgegriffen wird, sollte niemanden scheren; „Creed“ wirkt tatsächlich wie eine überfällige Wiedergutmachung desselben. Ansonsten beschwört Ryan Coogler die alte Magie, ohne sie einfach zu wiederholen: Ein Underdog muss sich nach oben kämpfen und schafft dies, indem er street credibility und Selbstvertrauen gewinnt, freilich nicht ohne die eminente Unterstützung und Freundschaft des väterlichen Freundes. Stallone bedient dabei den Part, den anno 76 noch der bravouröse Burgess Meredith zu bekleiden hatte und macht – phantastischerweise – seine Sache keineswegs schlechter. Die Szenen mit ihm, der darstellerisch in dieser Rolle ohnehin stets das Beste von sich preiszugeben wusste, sind ohne Frage die schönsten des Films. Selten war das Altern eines großen Kinohelden schmerzlicher mitzuverfolgen als in jenen Momenten, in denen Rocky, bleich und schütter geworden von der ihn arg zermürbenden Chemotherapie, gegen den Krebs und für seinen Quasi-Ziehson einstehen muss. Das Ende des Films ist dann ein offenes Versprechen – ob wir Rocky noch ein weiteres Mal zu sehen bekommen werden (was in jedem Falle wünschenswert wäre), steht in den Sternen – für Adonis Creed stehen die Türen nunmehr allerdings ganz weit offen.

8/10

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