TRUE DETECTIVE: SEASON 2

„I’m not gonna make it.“

True Detective: Season 2 ~ USA 2015
Directed By: Justin Lin et. al.

Vinci, Kalifornien ist ein Industriestädtchen, dessen verwerfliche Tradition aus Korruption, organisierter Kriminalität und Umweltzerstörung bis ins vorletzte Jahrhundert zurückreicht. Heute ist der ehemalige Gangster Frank Seymon (Vince Vaughn) einer der einflussreichsten Männer der Stadt. Er plant, in den milliardenschweren Bau einer neuen Bahnlinie zu investieren, doch mit dem bizarren Mord an seinem Verbindungsmann Ben Caspere verschwindet auch sein gesamtes Vermögen spurlos. Rasch gründet die Polizei eine Task Force, in der Ani Bezzerides (Rachel McAdams), Ray Velcoro (Colin Farrell) und Paul Woodrugh (Taylor Kitsch), der Casperes Leiche entdeckt hat, ermitteln sollen. Alle drei Beamten tragen entweder schwere Traumata mit sich herum oder entpuppen sich auf eine andere Art als psychisch derangiert. Dennoch gelingt es ihnen, ihren Fall der Lösung immer näher zu bringen, wobei sie mehr und mehr in ein weitgefächertes Wespennest aus Lügen und Intrigen vordringen.

Wer mich und meine Sehgewohnheiten kennt, der weiß, dass die Betrachtung einer Fernsehserie innerhalb meiner Gestaden eine höchst rare Ausnahme bildet. „True Detective“ bietet sich dennoch mit am Ehesten für einen entsprechenden Exkurs an, weil einer der Ansätze der Reihe vorsieht, jede Staffel gänzlich autark und ohne inhaltliche Bezüge zu einer anderen dastehen zu lassen. Beide bisher erschienenen Staffeln nehmen sich somit jeweils eher wie ein längerer Spielfilm aus, nach dessen durch die Heimmedien ermöglichter, kompakter Betrachtung man nicht erst gezwungen ist, ein Jahr auf mögliche Weiterführungen zu warten. Zudem bieten sie den Vorteil, dass sie nach guten acht Stunden wirklich abgefrühstückt sind und dem Rezipienten gestatten, sich wieder anderen Dingen zuzuwenden.
Die zweite Season fällt insgesamt nicht ganz so herausragend aus wie die erste, deren Vorteile in dem texanischen Setting, dem latent bedrohlichen, roten Faden der sich zunehmend verdichtenden Serienmörder-Geschichte und vor allem der reizvollen Kombination McConnaughey/Harrelson zu finden sind. Der aktuelle Storybogen nimmt sich trotz einiger inhaltlicher Volten und komplexerer Nebenplots alles in allem deutlich konventioneller und gewohnheitsmäßiger aus. Wie ehdem in „Twin Peaks“ geht es um ein scheinbar beschauliches Städtchen, hinter dessen geordneter Fassade es beträchtlich brodelt, hinter deren wenig Aufsehen erregendem Auftreten Dünkeleien, Perversion und etliche Sündenfälle die lauen Nächte füllen. Diese omnipräsente Ambivalenz macht auch vor den vier Hauptfiguren nicht Halt, die allesamt dunkle Geheimnisse mit sich herumtragen und sich längst daran gewöhnt haben, dass sie selbst in ihren jeweiligen sozialen Zirkeln die Letzten sind, die sich noch von ihnen belügen lassen.
Viele Hommages an das klassische Hollywood-Kino lassen sich entdecken; die letzte Episode erinnert hinsichtlich ihres erweiterten Finales sogar ein wenig an das von Zinnemanns „From Here To Eternity“. Trotz der geringfügigen Abstriche, die man „Season 2“ vorwerfen kann, aber nicht zwangsläufig muss, eine gelungene Weiterführung des sich nunmehr als erfolgreich profilierenden Serienkonzepts.

8/10

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