CLOWN

„I’m no clown.“

Clown ~ USA/CA 2014
Directed By: Jon Watts

Um bei der Geburtstagsfeier seines Sohnes Jack (Christian Distefano) den kurzfristig ausgefallenen Clown zu vertreten, begeht Immobilienmakler Kent McCoy (Andy Powers) einen verhängnisvollen Fehler: Kurzerhand wirft er sich in das in einer Kiste aus einem der just zu verkaufenden Häuser gefundene Clownskostüm. Nach seinem gelungen Auftritt muss Kent jedoch feststellen, dass er das Kostüm nicht mehr ausziehen kann: Die Perücke wird zu seinem neuen Haupthaar, die weiße Schminke lässt sich nicht mehr abwaschen, die rote Rundnase bleibt haften und das goldene Clownsgewand wird zur neuen, oberen Hautschicht. Zudem fängt Kent sich bald auch psychisch zu verändern an. In seiner Not macht er den alten Karlsson (Peter Stormare) ausfindig, den Bruder jenes verstorbenen Arztes, in dessen Haus Kent die Kiste mit dem Kostüm entdeckte. Karlsson will ihn nicht nur sogleich umbringen, sondern eröffnet ihm Ungeheuerliches: Kent hat sich durch das Anziehen des Kostüms zum Opfer eines uralten Dämonenfluchs gemacht. Er wird bald unstillbaren Appetit auf das Fleisch von Kindern entwickeln und erst nach dem Delektieren von fünf unschuldigen Opfern wieder erlöst werden können. Bald beginnt Kent tatsächlich, Amok zu laufen und nur seine Frau Meg (Laura Allen) kann ihn noch aufhalten – zumal er als sein letztes Opfer den kleinen Jack ins Auge fasst…

Ich fand mich gestern in der ausnehmend glücklichen Situation, nach dem ebenfalls gelungenen „The Green Inferno“ gleich noch den mich nicht minder enttäuschenden „Clown“ sehen zu dürfen; einen weiteren erfreulichen Beitrag zum modernen Horrorfilm, der zeigt, dass mit dem Genre noch immer zu rechnen sein darf und es immer noch mehr zu bieten hat als die immergleichen James-Wan-Spukhausplots mit ihren ausgeklügelten Schockeffekten, die man neudeutsch gern als „jump scares“ bezeichnet. Rein zufällig war Eli Roth in beide Projekte involviert (im vorliegenden Falle allerdings „nur“ als Co-Produzent.
„Clown“ ist ein knackiges Gattungsstück alter Schule, das ebenso mit Grimm’s Märchenden wie mit alten EC-Comics und Kurzgeschichten-Anthologien liebäugelt, das auch (und nicht allein wegen „It“) die Adaption einer frühen Story von Stephen King hätte sein mögen und sich ganz dem entsprechenden Flair verschreibt. Watts inszeniert erfreulich traditionell, verzichtet darauf, seine Regie mit exaltierten Mätzchen in den Vordergrund zu stellen und verschreibt sich ganz der horriblen Geschichte der dämonischen Okkupierung des armen Kent McCoy, der alsbald zum bösen Kinderfresser mutiert (der seltsamerweise kleine Jungs bevorzugt). Diese wenig geschmackvolle Fügung teilt der Protagonist mit einer ganzen Ahnreihe klassischer Vorbilder, die sich, eigentlich ganz gutbürgerliche Unschuldslämmer mit vielversprechender Karrierezukunft, infolge von misslungenen Experimenten, außerirdischen Sporen oder eben ordinäres Dämonen- und Geistertreiben in besessene Monster verwandeln, die zur Plage für ihr makrosoziales Umfeld werden. Dabei trifft es Kent eben besonders hart als menschliche Spielwiese für einen uralten Winterdämon, der sich als ins wesentliche Gegenteil des lustigen Zirkusclowns wie wir ihn heute kennen, entpuppt: Er muss eben alles in allem fünf Kinder vertilgen, eines für jeden Monat des Winters, wie man uns fachkundig erläutert. Und weil dies ein harter, wenngleich nicht allzu expliziter Horrorfilm ist, tut er auch genau das. Wer solcherlei Geschmacklosigkeiten verknusen kann, der wird sich als Genreapologet gut mit „Clown“ befreunden können, denn hier läuft alles nach Plan und Maß, konzentriert, sauber, mit fein-latentem Humor versetzt und ohne bemerkenswerte Störfaktoren. Fein!

8/10

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