SCHWARZER NERZ AUF ZARTER HAUT

„Jetzt aber raus!“

Schwarzer Nerz auf zarter Haut ~ BRD 1969
Directed By: Erwin C. Dietrich

Ein Geheimdienstmitarbeiter mit dem schönen Namen Professor Doktor Max Hergarten (Erwin Strahl) erhält den Auftrag, streng geheime Dokumente, die irgendwas mit Raketenantrieben zu tun haben, auf einem Kreuzfahrtschiff über den Atlantik in die Staaten zu schmuggeln. Auf der Überfahrt bekommt es Hergarten, ein waschechter Filou, nicht nur mit diversen ominösen Playern der Gegenseite zu tun, sondern auch mit allerlei willigem Weibsvolk.

Man stelle sich den größtmöglichen Zelluloidblödsinn vor und subtrahiere dessen Intelligenzgrad um den Dremelfaktor 2000 – dann hat man eine ungefähre Vorstellung von der kognitiven Leistung, die die Betrachtung von „Schwarzer Nerz auf zarter Haut“, der auch unter dem kaum weniger irreführenden Titel „Mord an Bord“ veröffentlicht wurde, beansprucht. Diese offenbar als Bond-Spoof „konzipierte“, filmgewordene Vollidiotie stammt aus dem Hause Urania, einem kurzlebigen Baby des Schwyzers Erwin C. Dietrich, aus dem später die Elite-Film erwuchs und das in eingeweihten Kreisen verschmitzerdings als „Urinia“ verballhornt wird (okay, okay, Letzteres habe ich mir eben ausgedacht). Die Vorlage – tatsächlich, eine solche gibt es – stammt von Heinz G. Konsalik, der jenen Erguss seinerzeit unter dem Pseudonym „Jens Bekker“ als Fortsetzungsroman im Tittenblättchen „Neue Revue“ veröffentlichte. Erwin C. Dietrich, nicht minder umtriebig, was die Findung personaverschleiernder Aliasse anbelangt, reduzierte das letzte bisschen Komplexität des Krimis bis hin zur absoluten geistigen tabula rasa und verfilmte sein Script dann der Einfachheit halber gleich selbst. Das Endresultat, wie es sich noch heute von emsigen Konservenschatzfahndern und mentalen Elendstouristen begutachten lässt, ist von verblüffender, bald dadaistischer Frappanz. Im Grunde genommen gibt es im Rahmen des Films nichts, was dem Rezipienten jedwede weltliche Anhaltspunkte böte. Über eine etwaige Motivation der einzelnen Charaktere erfährt man null, sie sind einfach da und tun irgendwas oder bewegen sich von A nach B. Dennoch mag ein Jeder, der sich traut, seine persönliche Lieblingsfigur suchen und finden: In meinem Falle ist es der oberschmierige, von Elio Crovetto gespielte Schiffskapitän.
Montage und Szenenwechsel sind wiederum von einer Willkür, die man sonst nur in avantgardistischen Kurzfilmen vermuten würde. Kommt es zu einem dialogischen Austausch, bleibt dessen Inhalt trotz Bemühung der deutschen Sprache von sakrosankter Kryptik. Im Prinzip wäre es auch jederzeit möglich, dass ein Ufo ins Bild geflogen kommt oder der handlungsortspendende Ozeandampfer von einem urplötzlich auftauchenden Leviathan verschlungen wird – den sich nach einiger Kürze einpendelnden Verwunderungsfaktor des Betrachters könnte auch solcherlei nicht mehr steigern. Der ohnehin akuten Verwirrung nicht eben abträglich ist zudem das leider (nicht jedoch in der denkwürdigen Titelsequenz) falsche, gecroppte Seitenverhältnis der Pidax-DVD, das dafür sorgt, dass von sich an den Bildrändern gegenüber stehenden Personen (zumindest, bis jene sich näherkommen, harhar) oftmals nur Nasen oder Brustspitzen zu sehen sind. Ein weiterer, zusätzlicher Irritationsfaktor (hier täte dringend eine Restauration nebst neu abgetaster Blu-ray  und einer zweistündigen Herstellungsdoku von Laurent Bouzereau Not)!
Tatsächlich winkt am Ende die Freiheitsstatue und man darf sich überaus glücklich schätzen, wenn man „Schwarzer Nerz auf zarter Haut“ körperlich und vor allem psychisch wohlbehalten hinter sich gebracht hat. In Guantanamo soll übrigens ein Kopie lagern, die zwecks Gefangenenfolter und Gehirnwäsche missbraucht wird… (erwischt – auch das entspringt lediglich meiner diabolischen Phantasie. Man verzeihe mir Schelm. Und Erwin C. gleich mit.)

4/10

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3 Gedanken zu “SCHWARZER NERZ AUF ZARTER HAUT

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