CRASH!

„Noone will pursue me!“

Crash! (Draculas Todesrennen) ~ USA 1976
Directed By: Charles Band

Nach einem von seiner Frau Kim (Sue Lyon) verursachten Autounfall, der ihn auf den Rollstuhl angewiesen macht, ist der Altertumsforscher Marc Denne (José Ferrer) nicht nur wahnsinnig eifersüchtig, sondern auch ansonsten wahnsinnig geworden. Daher will er die lebenslustige und vor allem viel jüngere Kim zu Hause einsperren und richtet Dobermann Boy ab, sie im Falle einer ungenehmigten Ausfahrt sofort zu stellen. Das brave Hündchen tut, wie ihm geheißen und Kim landet mit ihrem schwarzen Chevy auf dem Kopf neben einer Bergstraße. Danach kommt sie, halbtot und amnesisch, ins Krankenhaus, in der Hand fest umkrallt einen Talisman vom Trödel. Dieser stellt die Inkarnation des hetitischen Marsgottes Acasa dar und verleiht Kim unheimliche, telekinetische Kräfte, die sie für die Rache an Marc gebraucht.

Schaut man sich „Crash!“ vom späteren Full-Moon-Mitbegründer und Albert-Sohn Charles Band an, dann sollte man sich zuvor zweierlei versichern: Dass man seinen gesunden Menschenverstand für eineinhalb Stunden in die Besenkammer sperrt nämlich und gleich noch ein paar Bier im Kühlschrank deponiert hat, die die bevorstehende kognitive Ochsentour erleichtern. „Crash!“ beginnt mit einem führerlosen, schwarzen Auto, das auf Südkaliforniens Straßen Jagd auf unschuldige Highway-Benutzer macht, die dann aus nicht immer ersichtlichen Gründen allesamt mit ihren eigenen Karossen wo runterfallen und explodieren. Dazu zählen besonders Polizisten, die versuchen, das schwarze Höllengefährt zum Anhalten zu zwingen. Währenddessen entspinnt sich zugleich die oben umrissene Geschichte um das beziehungskränkelnde Ehepaar Denne. Ungefähr im letzten Drittel erweist sich der schwarze Chevy Camaro dann als der telekinetisch ferngelenkte Wagen der Protagonisten. Man hat also zuvor die ganze Zeit Vorausblenden gesehen, die dann im umnebelten Zeitraffer allesamt nochmal wiederholt werden. Was Band und seinen Scriptautor Marc Marais dazu getrieben hat, so behende auf jede Art klassisch-chronologischer Narration zu scheißen und dem Zuschauer stattdessen eine infolge jener Missachtung sämtlicher Drehbuchregeln völlig wirre Erzählung aufzutischen, kann nur gemutmaßt werden. Fest steht: Hätte Band den herkömmlichen Weg irdener Stringenz gewählt, auf Reprisen und übertriebene Zeitlupen verzichtet, wäre der Film nur halb so lang geworden. Vermutlich war es das, was ihn veranlasst hat, die mentale Gesundheit seiner Zuschauer so rigoros fahrlässig zu gefährden. Abseits der Tatsache, dass man all den Blödsinn sowieso in Kauf nehmen muss, setzt die – eigentlich unerlässliche – deutsch synchronisierte Fassung dem Gesamtkunstwerk noch den letzten Zacken in die Krone: Der Titel lehnt sich nämlich in weiser Erfolgsvoraussicht an den von Cormans knackigem „Death Race 2000“ an, der, wie man vielleicht weiß, zu deutsch „Frankensteins Todesrennen“ geheißen ward. Wo ein Frankenstein ist, ist im Kino zumeist ein Dracula nicht weit und daher diese überaus sinnige Anlehnung. Um den Titel noch weiter zu beschweren, tauft die deutsche Vertonung den Wagen von Sue Lyon (dereinst Titelcharakter in Kubricks „Lolita“-Adaption) kurzerhand ‚Dracula‘ und untermauert die Dialoge mit entsprechend herbeifabulierten Hinweisen.
Wer knittrige und hässliche alte Kerle mit Säuferantlitz mag, kommt an „Crash!“ sowieso nicht vorbei, denn neben Ferrer geben sich in Nebenrollen noch Reggie Nalder und John Carradine ein Stelldichein, und das will bekanntermaßen grundsätzlich etwas heißen!

5/10

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