BATTLE OF THE BULGE

„Lunch is over! Grab your rifles!“

Battle Of The Bulge (Die letzte Schlacht) ~ USA 1965
Directed By: Ken Annakin

Im Winter 44 bereitet die Wehrmacht unter General Kohler (Werner Peters) eine letzte große Offensive in den Ardennen vor, mittels derer man hofft, die weit vorgerückten Alliierten doch noch in die Schranken weisen und das Ruder herumreißen zu können. Ein sorgsam ausgearbeiteter Plan soll dafür Sorge tragen, dass die längst siegesgewissen, im Städtchen Ambleve stationierten Amerikaner völlig unvorbereitet überrascht und überrannt werden. Einzig Lt. Col. Kiley (Henry Fonda) rechnet unentwegt mit einer Blitzattacke und soll Recht behalten: Unter dem Kommando des Panzerobersten Hessler (Robert Walsh) gelingt den Deutschen die Einnahme von Ambleve und das Vorrücken bis zur Maas. Einzig die Treibstoffknappheit der beteiligten Divisionen könnte Hessler noch das Rückgrat brechen…

Wenn ein Kriegsfilm sich noch vor dem Abspann schriftlich beim Publikum für seine historische Inakkuratesse entschuldigt und angibt, er habe aus dramaturgischen Gründen die tatsächlichen Ereignisse zusammengestrichen und verändert, dann sind die Kritiker aus verständlichen Gründen nicht weit. „Battle Of The Bulge“ bietet eines der wohl vordringlichsten und repräsentativsten Beispiele dafür, wie Hollywood vor allem in den oftmals von Größenwahn gekennzeichneten Sechzigern zugunsten seines Ausverkaufs produktionstechnischer Machbarkeit Geschichte zur Fabel zu machen pflegte und Krieg zum Abenteuer. Sogar der einstige General und spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower meldete sich angesichts der Filmpremiere zu Wort und tat seinen Unwillen über den verfehlten Realismus von „Battle Of The Bulge“ kund. Ich kann und will an dieser Stelle gar nicht auf all die Klitterungen eingehen, die das von vier Autoren (darunter Philip Yordan) zusammengeschusterte Script vornimmt, das überlasse ich lieber geschulteren und interessierten Zeitgenossen.
Tatsächlich dürfte „Battle Of The Bulge“ sich aber sowieso schwerlich als Kriegsdrama kategorisieren lassen, sondern vielmehr als Actionfilm mit Panzern. Für einen solchen erweist sich seine schiere technische Perfektion jedoch als blendend: Mit militärischer Unterstützung war es den Produzenten möglich, ein regelrechtes Panzerballett zu inszenieren, das gegen Ende den Höhepunkt eines überlangen, jedoch zu keiner Sekunde langweiligen Spektakels markiert. Ironischerweise sind ja gerade jene Kriegsfilme, deren Wurzeln eher in Trivialität und Pulp fußen denn in der möglichst adäquaten Wiedergabe historischer Geschehnisse und Kausalketten, häufig die spannenderen, sprich: betrachtungsfreundlicheren, da sie wesentlich mehr filmisches Potenzial im Sinne der behandelten Kunstform bereit- und beinhalten. Dass dann im Gegenzug kaum mehr Raum bleibt für ideologische Lippenbekenntnisse, die ein ernstzunehmender (Anti-)Kriegsfilm im Sinne des Feuilletons aufzufahren habe, geschweige denn in den meisten Fällen für die gewissenhafte Berücksichtigung von Authentizität stellt eine immerwährende Einbuße dar, die man als Zuschauer entweder akzeptieren oder verdammen kann.
Im erstern Falle erhält man formal brillantes, breites und klassisches Edelkino mit Starbesetzung und immensen Entertainmentqualitäten. Im zweiten mag man sich mit Schaudern abwenden angesichts der Dreistigkeit, mit der Krieg hier einmal mehr zum Männerabenteuer stilisiert wird. Vielleicht eine Frage der Abstraktionsbereitschaft.

8/10

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2 Gedanken zu “BATTLE OF THE BULGE

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