DEADPOOL

„Deadpool. Sounds like a franchise.“

Deadpool ~ USA 2016
Directed By: Tim Miller

Als der frisch verliebte Söldner Wade Wilson (Ryan Reynolds) erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, geht er auf die Offerte eines mysteriösen Dunkelmannes (Jed Rees) ein und lässt sich als Versuchskaninchen für ein fieses Experiment einspannen: Infolge unsäglicher Tortur sollen seine Mutationsgene aktiviert werden und die körperliche Vorherrschaft übernehmen, so dass auch die Krebszellen absterben. Nach einigen Umwegen gelingt die Verwandlung, hat jedoch dummerweise zeitgleich zur Folge, dass seine Haut das Aussehen einer Pizza Margherita annimmt und Wade darum bei seiner Verlobten Vanessa (Morena Baccarin) nicht mehr vorstellig werden mag. Nun fordert ‚Deadpool‘, wie sich Wade jetzt nennt, Rache und Wiedergutmachung von seinem Folterknecht Ajax (Ed Skrein). Unterstützt wird er dabei von den beiden X-Men Colossus (Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand).

Was sich vorab vielleicht den Anstrich eines dekonstruktivistischen Superheldenfilms gegeben haben mag, – zumindest war es in meiner Wahrnehmung so -, erweist sich schlussendlich doch bloß als ein gängiger, leidlich unterhaltsamer Nerdgipfel für all jene, die glauben, die Strukturalismen von MCU und DCEU gänzlich durchblickt zu haben und sich stattdessen mit halbgaren Witzchen und mäßig cleveren Reminiszenzen fühlen wie der kleine Prinz beim Begreifen der Welt. R-Rating? Boah, Mega. Dabei ist „Deadpool“ alles andere als ein innovativer oder gar intelligenter Genre-Beitrag, daran ändern auch seine (der Vorlage entlehnten) steten Durchbrechungen der vierten Wand nichts. Millers Film kettet sich an Fox‘ leider nach wie vor zum filmischen Marvel-Rest lediglich parallel laufendes X-Franchise an und kann seinen selbstreferenziellen Humor ergo auch nur darauf projizieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Mutanten des „X-Men“-Universums ist Wade Wilson nun also kein geborener, sondern ein nachträglich „gemachter“ homo superior, wobei seine spezifischen Kräfte in der Schärfung seiner Reflexe sowie der unendlichen Fähigkeit zur Regeneration liegen. Entsprechend schwer ist es, ihn zu nageln und entsprechend hartnäckig verfolgt er seine Ziele. Die Figur des bereits in drei „X-Men“-Filmen aufgetauchten Mutanten Pjotr Rasputin alias Colossus, der seine Haut auf Wunsch in Stahl verwandeln kann, weicht hier der CGI-animierten, ironisch angehauchten Inkarnation eines gutmütigen, aber etwas tumben Kolchosebauern. Seine junge Begleiterin Negasonic Teenage Warhead trägt zwar den Namen einer bereits installierten Figur aus den Comics (der wiederum auf dem gleichnamigen Song von Monster Magnet fußt), ist jedoch charakterlich stark modifiziert worden. Solcherlei Anpassungen mögen ihre Berechtigung haben und sind im Grunde auch den „Deadpool“-Comics inhärent, in diesem Falle fand ich sie mäßig komisch. Wie eben der ganze Film einen fern jeder Subtilität befindlichen Holzhammerhumor transportiert, der darauf angelegt ist, sein gezielt junges Publikum zum Jubilieren und Applaudieren zu bewegen. Ältere Zuschauer überstehen den Film zumindest unbeschadet, aber auch garantiert um kein Gran Weisheit bereichert, es sei denn um das neuerliche Bewusstsein der Mechanismen, die ein Filmstudio braucht, um anno 2016 einen „frechen“ Film zu generieren.

5/10

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3 Gedanken zu “DEADPOOL

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