D-DAY THE SIXTH OF JUNE

„Eventually I recognized myself what’s best for both of us.“

D-Day The Sixth Of June (Zwischn Himmel und Hölle) ~ USA 1956
Directed By: Henry Koster

Am 6. Juni 44, der Tag der Invasion der Alliierten in der Normandie. An Bord eines der Schiffe, die die Special Force Six geradewegs in die verheerende Schlacht befördern, begegnen sich zwei Bekannte wieder: Der amerikanische Captain Brad Parker (Robert Taylor) und der britische Lieutenant Colonel John Wynter (Richard Todd), der diesen Teil des Unternehmens leitet. Beide lieben dieselbe Frau, eine englische Krankenschwester namens Valerie Russell (Dana Wynter), die sich John dereinst als Verlobte versprach und dann während dessen Einsatzes in Algerien auf Brad traf und sich auch in ihn verliebte. Eine von stetem, gegenseitigem Respekt geprägte Dreiecksgeschichte war die Folge, an deren Ende sich Valerie schließlich für John entschied und Brad unter Tränen nahelegte, er solle nach seinem Einsatz zu seiner Frau in den Staaten zurückkehren. Am Omaha Beach wird Brad schließlich schwer verletzt und bekommt daher nicht mit, wie John auf eine Landmine tritt und stirbt. Als Valerie, die zu diesem Zeitpunkt längst um Johns Tod weiß, Brad im Lazarett besucht, sagt er ihr, dass er John den Vortritt lassen und nach seiner Genesung in die Heimat zurückkehren werde.

Nach den großangelegten, teuren Ausstellungsobjekten der letzten Tage bildete „D-Day The Sixth Of June“ eine beinahe schon geruhsame, romantische Abwechslung. Mit Ausnahme der – dafür recht heftig inszenierten – Landung an der Normandie-Küste gibt es so gut wie keine Bilder von Schlachten oder von aktiver kriegerischerer Auseinandersetzung. Stattdessen zeigt der Film, wie der große Moloch Krieg auch über seinen eigentlichen Zweck hinaus die Schicksale dreier Menschen affiziert: Durch bloßen Zufall begegnen sich Brad und Valerie (Taylor und Wynter trennen nebenbei ganze zwanzig Jahre) in England und verlieben sich ineinander, wobei sie nie einen Hehl daraus macht, längst einem anderen versprochen zu sein, der momentan seiner vaterländischen Pflicht in Nordafrika nachkomme. Für den mit einem Passivposten betrauten Brad, der seinem Vorgesetzten, dem karrieresüchtigen Alkoholiker Colonel Timmer (beste und interessanteste Darstellung des Films: Edmond O’Brien) als eine Art Vertrauensfaktotum untersteht, bleibt dieser John Wynter jedoch bloß ein diffuses Phantom, ein schattenhafter, kaum ernstzunehmender Störfaktor in unerreichbarer Ferne. Als John dann nach Monaten der glücklichen Zweisamkeit zwischen Brad und Valerie doch noch vorübergehend versehrt nach Hause kommt, lässt Valerie Brad ohne allzu großes Zögern fallen – ihr Pflichtbewusstsein obsiegt und John wird zum konkreten Zerstörer der vormaligen Harmonie. Schließlich lernt Brad John kennen – und achten, als ehrenhaften, sympathischen und aufopferungsbereiten Menschen, der Valeries Liebe voll und ganz würdig ist. Umso tragischer, dass, als auch Brad bereit ist, sie aufzugeben, dies für Valerie bedeutet, in Einsamkeit leben zu müssen. Der Krieg hat seinen kranken Sinn für Humor einmal mehr unter Beweis gestellt.
Von dem rechtzeitig emigrierten Berliner Juden und Fox-Vertragsregisseur Henry Koster war ein großes Spektakel eigentlich nie wirklich zu erwarten, selbst sein monumentaler CinemaScope-Klassiker „The Robe“ nimmt sich unter all den Bibelfilmen seiner Ära beinahe kammerspielartig aus. Eine entsprechende Position bekleidet „D-Day The Sixth Of June“ in der Phalanx des amerikanischen Kriegsfilms. In einer Melange aus hemingwayscher Observationdes Zeitkolorits und der triangulären Beziehungstragik eines „Casablanca“ bildet Kosters Werk eher ein mehrere Monate umspannendes, romantisches Drama vor entsprechendem historischen Hintergrund. Jenes ist freilich nicht ganz makellos: Robert Taylor will sich nicht recht in die ihm zugedachte Rolle einfügen; hier hätte es eines verletzlicheren Darstellers bedurft. Zudem ist er – wie gesagt – mit annähernd 45 Jahren schlicht zu alt. Dana Wynter und Richard Todd (der im Rang eines Captains seinerzeit tatsächlich an der Operation Overlord teilgenommen hatte) derweil passen hervorragend; sie eine ebenso charismatische wie emotionsoffene, hübsche, junge Frau; er ein netter englischer Kerl und außerdem der Typ Soldat, mit dem man einen Krieg gewinnt. Am schönsten sind noch immer die matte paintings mit dem zeppelinverhangenen, kriegsgeschüttelten Himmel über London. Besonders in diesen Momenten fühlt man sich genau dort, wo Koster einen haben will.

7/10

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