HOWL

„That animal was man-like!“

Howl ~ UK 2015
Directed By: Paul Hyett

Für den Londoner Zugschaffner Joe Griffin (Ed Speleers) fängt die Abendschicht im Überlandzug gleich schon bescheiden an, doch es kommt noch schlimmer: Nicht nur, dass die wenigen aber umso illustreren Fahrgäste ihm arg auf die Nerven fallen, fährt der Zug im dunklen Wald einen Hirsch an und wird an der Weiterfahrt gehindert. Damit noch nicht genug ist Vollmond und eine Rotte Werwölfe auf hungriger Jagd nach Beute…

Im im Booklet der BR-Veröffentlichung abgedruckten „Deadline“-Interview macht  der britische Nachwuchsfilmer Paul Hyett erst gar keinen Hehl daraus, welchen Vorbildern er mit seiner zweiten Regiearbeit nach dem Bürgerkriegsthriller „The Seasoning House“ vornehmlich Tribut zollt: Nicht etwa Allen Ginsbergs gleichnamiges Poem über die Beat-Ära ist es, sondern „The Howling“ und „An American Werewolf In London“, die ebenso zu Hyetts persönlichen Lieblingsfilmen zählten wie der von seinem vormaligen Kollaborateur Neil Marshall inszenierte, wesentlich jüngere „Dog Soldiers“. Aus diesem taucht nicht nur Hauptdarsteller Sean Pertwee in einem Cameo als Lokführer wieder auf, sondern zudem noch das Belagerungsmotiv. Natürlich bildet der liegen gebliebene Spätzug für die überschaubare Schar potenzieller Opfer das einzige Refugium vor den sie bald dezimierenden Nachtmonstren, die draußen in der bewaldeten, diffusen Dunkelheit ihr heulendes Unwesen treiben. Eine ältere Dame (Ania Marson) wird gebissen und verwandelt sich allmählich selbst in eine Bestie, andere haben mehr Glück und werden gleich zur Gänze von den haarigen Biestern erledigt. Erwartungsgemäß helfen alle Anstrengungen zur Flucht oder auch solche, den Zug wieder zum Laufen zu bringen, gar nichts und sorgen im Gegenteil nur dafür, dass die Zahl der Überlebenden imer weiter schrumpft. Als der Morgen graut, gibt es nurmehr drei Noch-Menschen, wobei einzig das obligatorische final girl (Holly Weston) auch die letzte Einstellung noch überlebt.
Außerordentliche Überraschungen hält Hyetts Mythen-Revitalisierung sicherlich keine bereit, dafür bewegt sie sich dann doch allzu sehr im bereitwillig bedienten, vorgesteckten Rahmen generischer Konventionalität. Dass „Howl“ dennoch ansehnlich geworden ist, verdankt er schlicht und einfach der Tatsache, dass ein ordentlicher Werwolffilm zur rechten Zeit eigentlich immer geht, so ihm zumindest Herzblut und Hingabe seiner Kreativköpfe zuteil wurden und er sich keiner überbordernden Dummheit zu schämen hat. Im Gegenteil weiß Hyett durchaus um den Wert einer ausgewogenen Balance von verschmitzten Einsprengseln und deftigen Augenblicken. Und jene bedient „Howl“ in reichhaltiger Weise.

7/10

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