IN THE HEART OF THE SEA

„If we are to die, let us die as men.“

In The Heart Of The Sea (Im Herzen der See) ~ USA/UK/CAN/AU/E 2015
Directed By: Ron Howard

Auf der Suche nach einem geeigneten Stoff für sein neues Werk stößt der Literat Herman Melville (Ben Whishaw) auf den letzten Überlebenden des Walfängers Essex, den alten Tom Nickerson (Brendan Gleeson). Dieser ist als Schiffsjunge (Tom Holland) vor vielen Jahren Zeuge des Untergangs der Essex geworden, um den sich seither etliche Legenden ranken. Für ein großzügiges Entgelt lässt Melville sich Nickersons Geschichte auftischen, zugleich eine Lebensbeichte: Die Essex ist einst, nach ihrem Aufbruch vor Nantucket und einer eher erfolglosen Passage bis Kap Hoorn, im Südpazifik von einem gigantischen, weißen Pottwal angegriffen und versenkt worden, woraufhin die überlebenden Männer, allen voran Kapitän Pollard (Benjamin Walker) und der erste Maat Chase (Chris Hemsworth), sich gezwungen sahen, sich in Beiboote zu retten und auf Hilfe zu warten. Dabei waren sie zu Unaussprechlichem gezwungen, um überleben zu können…

„In The Heart Of The Sea“ ist ein reich bebilderter Abenteuerfilm, in dem Ron Howard in gelungener Weise mit Farben experimentiert. Die ohnehin latent vorhandenen Grün-Gelb-Töne dominieren gegen Ende hin, als die Aussichten auf ein Überleben der letzten Bootspassagiere immer unwahrscheinlicher wird, das gesamte Bild und ergeben eine seltsam eklektische Atmosphäre, die sich ihren Weg zwischen konsequenter Ästhetisierung und dem Darben der dem Tode geweihten Schiffbrüchigen bahnt.
Die Hauptthemen, die Howards Film anschneidet – die mangelnde Ehrfurcht des Menschen vor der Natur sowie das Ungleichgewicht zwischen moralischen Grundfesten und barem Überlebenswillen, ordnen sich derweil der dramaturgisch wesentlich klareren Linie unter. Von wirklichem, diskursiven Potenzial kann hier keine Rede sein. Das alte Motiv von einem sich gegen seine Ausbeutung wehrenden Ökokosmos, der durch einen symbolischen Leviathan zurückschlägt und Genugtuung fordert, kennt man  bereits zur Genüge und auch die hoffnungslose Lage der Gekenterten, die sich dazu hinreißen lassen müssen, die Toten zu essen, um nicht selbst zu verhungern, wurde anderswo bereits eindringlich dargestellt. Ebenso bleibt irgendwann der rein zwischenmenschliche Aspekt in Form des anfänglich noch stark geschürten Konfliktes zwischen dem standesdünkelnden, als Schiffskapitän faktisch unfähigen Pollard und seinem Konkurrenten Chase irgendwann auf der Strecke: Die zuvor ebenso suggerierte wie antizipierte klimaktische Explosion nebst sich anschließender Katharsis entfällt zugunsten einer eher nachlässig geschilderten Annäherung der beiden so unähnlichen Männer.
Was „In The Heart Of The Sea“ dennoch als sehenswert bestehen lässt, sind seine makellose Form sowie seine brillant ausgearbeitete Technik. Die Szenen etwa, in denen der weiße Wal die Essex zerlegt, das im Schiffsrumpf gelagerte Öl sich dabei entzündet und die abendliche See in lichterlohes Feuer setzt, sind von atemberaubender Schönheit.
Im Hinblick auf seine Groschenroman-Philosophie kein übermäßig intelligenter Film also, aber einer, der zumindest eine unschuldige Betrachtung rechtfertigt. Hätte ich als Jugendlicher bestimmt super gefunden.

7/10

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