ACT OF PIRACY

„I just can’t bear that it’s all my fault…“

Act Of Piracy ~ SA/USA 1988
Directed By: John ‚Bud‘ Cardos

Der Vietnam-Veteran und Hobbyskipper Ted Andrews (Gary Busey) verkauft seine Luxusyacht ‚Barracuda‘. Zu einem letzten Törn nach Australien nimmt der geschiedene Familienvater nicht nur seine Verlobte Laura (Nancy Mulford) mit, sondern, unter größtem Protest seiner Ex-Frau Sandy (Belinda Bauer), auch die beiden Kinder Mark (Mathew Stewardson) und Tracey (Candice Hillebrand). Unterwegs stellt sich heraus, dass Laura ein doppeltes Spiel spielt: Sie ist in Wahrheit das Liebchen des Gangsters und Terroristen Jack Wilcox (Ray Sharkey), der die Barracuda mitsamt den Kindern auf hoher See kapert und Ted vermeintlich tot zurücklässt. Dieser kann sich jedoch retten und setzt alles daran, Tracey und Mark zurückzuholen. Mit Sandys Hilfe verfolgt er Wilcox und seine Leute von Simbabwe über Griechenland, bis hin zur unausweichlichen Konfrontation…

Um die Mitte der Achtziger versuchte der texanische Schauspieler Gary Busey, sich nach einer wechselvollen Karriere als Musiker und Nebendarsteller mit einigen markanten Eckstationen, in jener goldenen Dekade des Actionfilms zwischenzeitlich als Genregröße zu etablieren. Eine markante Nebenrolle in „Let’s Get Harry“ und der Part des sadistischen Killers Mr. Joshua in „Lethal Weapon“ verschafften ihm ein kleines Sprungbrett dazu und in der Folge einige wenige schöne Heldenengagements. Leider hielt diese Phase nicht lang an und brachte daher nur eine Handvoll Kostbarkeiten hervor – darunter den recht ruppigen „Act Of Piracy“. Dieser erzählt zunächst einmal eine klassische Kidnapping-Story, verpackt in eine zeitgemäße Gewandung. Bereits seit Hitchcocks Erstversion von „The Man Who Knew Too Much“ ist jenes Sujet aus den einschlägigen Filmgattungen  nicht mehr wegzudenken und wurde erst kurz zuvor mit Mark L. Lesters „Commando“ um eine quietschvergnügte Variation ergänzt. Auch „Lethal Weapon“ spielt ja bereits in Teilen mit jenem Muster, wobei Busey hier eben noch auf der Gegenseite stand.
Dahinter stecken mehrere evidente, die filmische Dramaturgie vor allem um emotionslastige Bestandteile anreichernde Formeln: Gangster, die bereit sind, Kinder als Geiseln zu nehmen, dürfen im Regelfall als besonders perfide und sinister agierende Vetreter ihrer Zunft gelten; sie bezwecken damit zumeist die gezielte Torpedierung eines der größten Schwachpunkte ihres Gegenübers. Da ihre Opfer sie am Ende immer und überall würden identifizieren können, impliziert ihr Vorgehen zudem allenthalben die Bereitschaft, sie schlussendlich nicht lebend davon kommen zu lassen. Gleichzeitig erhält der Rezipient, sozusagen frei Haus, eine auf basalste Emotionen reduzierte Projektionsfläche für seine private Involvierung in die Geschichte – entführte, unschuldige Kinder ergeben einen für jedermann nachvollziehbaren Motivationsfaktor, der auch das moralisch freigiebigste Vorgehen des Helden stets hinreichend rechtfertigt. Nun haben die Bösewichte aus „Act Of Piracy“ – allen voran der herrlich fiese Ray Sharkey (unterstützt unter anderem von den beiden Südafrikanern Ken Gampu und Arnold Vosloo) – eigentlich gar keinen triftigen Grund, Mark und Tracey, beide so um die zehn Jahre alt, überhaupt bei sich zu behalten, geht es ihnen doch eigentlich bloß um die Yacht. Sie sollen als eine Art Faustpfand herhalten, wenn es mal hart auf hart kommt. So bleibt der hauptsächliche Handlungskern leicht diffus. Eine (rigorose, aber dann doch straightere) Rachegeschichte war der Produktion dann vermutlich doch zu finster und am Ende findet sogar eine erfolgreiche Familienzusammenführung statt. Davor jedoch liegt eine etwas umständlich erzählte Story, die sich immer wieder an gezielt gesetzten, überradchenden und dann umso derber ausfallenden Gewaltspitzen orientiert. Deren Gipfel gibt es zum Showdown, als Teds Sohnemann, nach vorheriger kurzer Ausbildung am Mini-MG, aus der Entfernung (und nicht aus einer Notwehrsituation heraus!) einen der Mieslinge (Vosloo) mit regloser Miene abknallt. Da gewinnt ein noch zu Beginn geführter, intimer Dialog zwischen Vater und Filius über Vietnam und das erzwungene Töten von Menschen plötzlich eine ganz neue Konnotation.

6/10