BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE

„No one stays good in this world.“

Batman V Superman: Dawn Of Justice ~ USA 2016
Directed By: Zack Snyder

Seit der verwaiste Milliardär Bruce Wayne (Ben Affleck), der als Vigilant Batman seine Stadt Gotham City beschützt, in Metropolis Zeuge des zerstörerischen Kampfes zwischen Superman (Henry Cavill) und seinem Erzfeind General Zod (Michael Shannon) wurde und wie dieser die Leben diverser Unschuldiger forderte, ist er ein erklärter Gegner des außerirdischen Überwesens. Damit steht Wayne nicht allein; auch in der Senatorin Finch (Holly Hunter) und ganz besonders in Waynes Klassengenossen Lex Luthor (Jesse Eisenberg) hat Superman zwei leidenschaftliche Gegner. Es kristallisieren sich nach und nach zwei humane Fronten heraus. Die eine hält Superman für einen gottgleichen Beschützer und Messias, die andere für den Vorboten der Apokalypse. Nachdem Luthor in den Besitz von Kryptonit gerät – dem einzigen Material, das Superman verletzen und töten kann – gelingt es ihm, Bruce Wayne so zu manipulieren, dass er das Gestein stiehlt und als Waffe gegen Superman verwendet. Erst im letzten Moment erkennt Batman, dass er als Handlanger missbraucht wurde. Doch Luthor hat noch ein weiteres Ass im Ärmel: Das Genmonster Doomsday, ein aus kryptonischer und Luthors eigener DNA geklontes Wesen, das nichts als Zerstörungswut kennt. Gemeinsam mit dem jetzt mit ihm verbündeten Batman und der die Kampfesszenerie betretenden Amazone Diana Prince (Gal Gadot) versucht Superman, Doomsday aufzuhalten…

Dem Snyders neuesten Streich flankierenden, massenmedialen Geraune konnte man sich in den letzten Wochen kaum entziehen, selbst, wenn man dies noch so anstrebte. Kam dann noch die private Bürde des Comicliebhabers hinzu, wurde auch eine noch so intensiv exerzierte Ignoranz faktisch unmöglich. Die Stimmen sind ja bekannt und die Fronten wohl ähnlich verhärtet wie die der Pro- und Kontra-Superman-Bewegungen im Film: die einen verdammten „Batman V Superman“ als grotesk verplantes, inkohärentes und dramaturgisch unausgewuchtetes Stück Megalomanie, die anderen entdeckten in ihm derweil gar ein bis zwei Fünkchen möglicher Genialität und Meisterschaft. Wie zumeist liegt die Wahrheit, damit meine ich meine Wahrheit, irgendwo dazwischen. Der Regel, dass das MCU die besseren, goutierbareren Filme hervorbringt, verschafft auch „BVS“ keine unbedingte Ausnahme. Er nimmt sich ungeheuer ernst und existenzialistisch, gestattet sich, bis auf ein ein, zwei augenzwinkernd selbstreflexive Gags nicht das geringste Fünkchen Humor und nimmt den wagneresken Bombast des Vorgängers konsequent wieder auf. Das Script nimmt sich diverse kreative Freiheiten und trifft diverse modifizierende Entscheidungen, die angesichts einer Kinoadaption sinnhaftig erscheinen, dem langjährigen Kenner der Vorlagen jedoch mancherlei an goodwill abverlangen. Was soweit okay ist. Jesse Eisenbergs Lex Luthor etwa scheint in vielerlei Hinsicht bewusst diametral zu seinem gezeichneten Vorbild angelegt. Doomsday verkommt gewissermaßen zu einer Fußnote, ebenso Supermans Tod, der wirkt, als sei er mal eben so ans Ende des Films geklatscht worden. Wird ja eh demnächst wiederauferstehen, so what?
Die visuellen und ästhetischen Einflüsse, ohne die es bei Snyder niemals abgeht, speisen sich primär aus dem die Batman-Figur umwabernden, gewaltigen popkulturellen Referenzpool der letzten Jahrzehnte und gehen zurück bis auf auf Frank Miller (Comic) und Tim Burton (Kino). Es gibt einige merkwürdige Momente und Szenen wie den Auftritt eines offensichtlich auf Zeitreise befindlichen Flash (Ezra Miller), der Batman vor einem zukünftigen, wohl doch noch aus dem Ruder gelaufenen Superman warnt (das könnte auch etwas mit DCs Multiverse zu tun haben, man wird irgendwann mehr darüber erfahren). Hinweise auf die weiteren JL-Mitglieder Aquaman (Jason Momoa) und Cyborg (Ray Fisher) weisen recht eigennützig auf kommende Attraktionen hin. Ansonsten bestätigt der Film abermals Alan Moores kritische Anmerkungen hinsichtlich der vulgärphilosophischen, medialen Entwicklung von Superhelden und ihren Universen. „BVS“ betritt nämlich insofern filmisches Neuland, als dass er Supermans mythologische Wurzeln rigoros hinterfragt. Aus dem patriotischen Symbol, dem freundlichen Strahlemann und Systempräservierer des amerikanischen Lebensweges, den er über Jahrzehnte hinweg repräsentierte, wird hier eine potenzielle, globale Gefahr. Was mag geschehen, wenn ein Wesen mit solch grenzenloser Macht, das dazu noch nichteinmal irdischen Ursprungs ist, einmal einen „schlechten Tag“ hat? Könnte es schlimmstenfalls nicht einfach, einem trotzigen Kind gleich, die gesamte Welt wie ein Blatt Papier zerknüllen und in den nächsten intergalaktischen Mülleimer werfen?  Für einen gestandenen Paranoiker wie Bruce Wayne ist dies natürlich ein mehr denn willkommenes Gedankenspiel und, analog zu ihm, auch für den gesamten Film. Damit ist er deutlich unbequemer, facettenreicher und sicherlich weitaus weniger spaßig, als ihn sich viele Zuschauer gewünscht hätten. Das ist gut so, denn damit verteidigt „BVS“ seine einmal für sich gesetzten Prioritäten und verzichtet auf die sicherlich wesentlich verlockendere Option der massenhaften Anbiederung. Andererseits quittierten ihm dies etliche Zuschauer durch die Ausstellung eines negativen Zeugnisses, das dem Studio am Ende das „enttäuschende“ Ergebnis von einem sich knapp unterhalb der Milliarden-Dollar-Grenze einpendelnden Kino-Reingewinn bescherte. Vielleicht sollte man sich einmal lieber darüber Gedanken machen als über Ben Afflecks graumelierte Schläfen oder über Gal Gadots Brustumfang. Diese beiden machen ihre Sache nebenbei absolut tadellos und stimmen in erfreulicher Weise auf weitere Auftritte ihrer Figuren ein.
Die paar inszenatorisch bedingten Unausgewogenheiten erwarte ich mit der Veröffentlichung der verlängerten Schnittfassung weitestgehend ausgeräumt und freue mich daher schon jetzt auf sie. Es folgt dann eine kleine, ergänzende Revision auf diesen Seiten.

8/10

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