KNOCK KNOCK

„I’m glad we knocked on your door.“

Knock Knock ~ USA/CL 2015
Directed By: Eli Roth

Evan Webber (Keanu Reeves) hat fast alles, was sich ein gesellschaftlich etablierter Mann Anfang 40 nur wünschen kann: Einen ordentlich bezahlten Job als Architekt, eine schöne, intelligente Gattin (Ignacia Allamand), die als Skulpturistin erfolgreich ist, zwei reizende Kinder (Dan Baily, Megan Baily), einen hübschen Bungalow in Malibu. Nur mit dem ersehnten regelmäßigen Sex hapert es etwas, aber der glückliche Rest wiegt diesen kleinen Makel hinreichend auf. Als die Familie zu einem Wochenendtrip aufbricht, bleibt Evan in arbeitsseliger Erwartung daheim allein. Gleich am ersten Abend klingeln dann zwei vom Regen durchnässte, junge Damen, die sich angeblich verirrt hätten und sich als Genesis (Lorena Izzo) und Bell (Ana de Adams) vorstellen, bei Evan und bitten ihn um Hilfe. Evan präsentiert sich als galanter und freundlicher Kurzgastgeber, sieht sich jedoch umgehend mit immer offensiveren und aufreizenderen Anmachversuchen der Mädchen konfrontiert, denen er bald nicht mehr standhalten kann. Doch schon der folgende Morgen erweist sich als Beginn eines zerstörerischen Albtraums.

Auf dem Sektor der bitterbösen Gesellschaftssatire mit teils derben Horroreinschüben ist Eli Roth gegenwärtig wohl marktführend. Sein jüngster Streich führt ihn allerdings weg vom zunehmend exzessiver werdenden Splatter seiner ersten vier Regiearbeiten und stattdessen hin zu einem gepflegt installierten Suspensefaktor, wie er dem Subgenre des Home-Invasion-Thriller üblicherweise zu eigen ist.
„Knock Knock“, ein Remake des kleinen Thrillers „Death Game“ aus dem Jahre 1977, bereitet beinahe liebevoll eine eher private Horrorvision des typischen, vornehmlich abendländischen Familienvaters um die 40 auf: Ein Sexabenteuer mit Folgen nämlich.Trotz seiner diversen attraktiven sozialen Errungenschaften beklagt Evan Webber den akuten Mangel an etwas, das vielen seiner Zeitgenossen fehlt – den an regelmäßigem Sex nämlich. Da kommen ihm Genesis und Bell gerade recht: Zwei superattraktive, naturgeile, probierfreudige Häschen, die keiner von uns Herren von der Bettkante stieße; zumal nicht angesichts solch offenherziger Überredungskünste und Anpreisungen der entsprechenden Qualitäten. Es kommt also, wie es kommen soll und damit gerät die leichtsinnige Fliege Evan, der wie wir alle nur Sklave seiner evolutionären Triebe ist, den gefräßigen Spinnen Genesis und Bell auch schon gänzlich ins unentwirrbare Netz. Wie erfahren, dass die beiden längst eine Profession daraus entwickelt haben, sexuell notdürftigen Strohwitwern eine lange Nase zu drehen. Allein das Finale ihres perfiden Aktionismus bleibt geheimnisvoll – sollte auch bei Evan, der den Mädels aber auch gar nichts entgegenzusetzen hat, am Ende tatsächlich die Todesstrafe greifen? Nicht genug, dass er für ein nächtliches Abenteuer all seine Existenzpfeiler ansägt, eröffnen ihm Bell und Genesis auch noch, dass sie entgegen vorheriger Angaben minderjährig sind und sich Evan mit seiner nächtlichen Koitalkaskade nicht nur moralisch, sondern auch noch gesetzlich strafbar gemacht hat. Der Gute hat offenbar noch nie etwas von Roman Polanski gehört, dessen unschönes Beispiel uns graumelierte Herren lehren sollte, sich doch bitte vor jedem Bettenclinch mit knackigen, jungen Hüpfern erstmal einen gültigen Personalausweis zeigen zu lassen.
Also, mit Verlaub: Die Satire hinter „Knock Knock“ ist mir zu gewollt, misandrisch, reaktionär. Mag ja sein, dass dem einen oder anderen Wesensgenossen von Evan Webber das Herz in die Hose rutscht angesichts seiner ausweglosen Lage; dann ist er aber auch nicht minder anfällig für dessen Unbill. Im Übrigen bin ich einmal mehr darin übereingekommen, dass Keanu Reeves ein unfassbar schlechter Schauspieler ist, und strampele er noch so sehr an gegen sein Nulltalent. Dass eine Situation, wie sein filmisches alter ego, dieser arme Tropf, sie erlebt, tatsächlich jeden Sechser im Lotto schlägt und vermutlich alle späteren Qualen der Hölle nebst Seelenverkauf vorwegnehmen könnte, dem scheint unterdessen niemand beipflichten zu wollen. Abgesehen von – gut, das muss man einräumen, – der Sache mit der Schallplattensammlung. Hier gehörten dann aber doch ein paar Hintern gehörigst versohlt. Ich hätte sowieso an Evans Stelle erst gar nicht so lange gefackelt. Aber bei mir klopfen leider auch keine Lorena Izzos und Ana de Adams, schon gar nicht zu zweit. Irgendwas mache ich (wohl) falsch. Andererseits bin ich ja auch weder verheiratet, noch sind bislang Kinder vorhanden. Vielleicht habe ich doch was richtig gemacht, jedenfalls könnte mir an Keanu Reeves‘ Statt im Nachhinein nichts passieren. Für den Fall, dass die beiden Damen aber vielleicht doch mal eines verregneten Abends… ich wäre dann jedenfalls hier.

5/10

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