10 CLOVERFIELD LANE

„I’m sorry, but no one’s looking for you.“

10 Cloverfield Lane ~ USA 2016
Directed By: Dan Trachtenberg

Nach einem Streit mit ihrem Verlobten setzt Michelle (Mary Elizabeth Winstead) sich in ihren Wagen und verlässt New Orleans ohne rechtes Ziel vor Augen. Mitten in der nächtlichen Provinz hat sie einen Unfall und erwacht bald darauf in einem verschlossenen Kellerraum des mysteriösen Farmers Howard (John Goodman). Zunächst ist Michelle der festen Überzeugung, dass es sich bei Howard um einen Psychopathen handelt, zumal dieser ihr etwas von „Angriffen“ berichtet, die die Außenwelt angeblich verseucht und unbetretbar gemacht haben. Howards Keller erweist sich als Notfallbunker, in dem sich mit dem ebenfalls mehr oder weniger zufällig anwesenden Emmett (John Gallagher Jr.) noch ein weiterer Mensch befindet. Das ungleiche Trio bildet bald eine funktionale Gemeinschaft, bis Michelle untrügliche Hinweise daraufhin entdeckt, dass mit Howard doch etwas nicht stimmt. Und tatsächlich zeigt dieser bald sein wahres Gesicht. Das ändert jedoch nichts daran, dass er in einem Punkt Recht hatte: An der Oberfläche spielt sich tatsächlich buchstäblich Ungeheuerliches ab…

Die formale Experimentierfreude des bereits acht Jahre alten Vorgängers „Cloverfield“ ad acta legend, gleicht sich „10 Cloverfield Lane“ diesem zumindest in einer narrativen Manier an: Der Rezipient wird fest an die Wahrnehmungswelt der Protagonistin gekettet und durchlebt und durchleidet zusammen mit ihr eine ganze Palette an Ängsten, Ungewissheiten, Rätselraten und schließlich Überlebenswillen. Dabei zeichnet sich nunmehr recht eindeutig J.J. Abrams‘ Konzeption ab, das Ganze zu einer Fortsetzungsserie – filmökonomisch „Franchise“ tituliert – auszubauen. Michelle erweist sich im doppelten Showdown nämlich als überaus wehrhafte Frau, von der in der „Cloverfield“-Welt künftig vermutlich noch zu hören sein wird. Auch über die über die Welt hereinbrechenden Vorkommnisse erfahren wir jetzt etwas mehr: Das Monster aus „Cloverfield“ war Teil einer extraterrestrischen Invasion, die noch ganz andere Wesen mit sich führt. Diese zeigen sich erst gegen Ende als eine Art „Drohnen“, die in den ruraleren Gegenden Überwachungs- und Vernichtungstätigkeiten auszuführen haben. Michelle wird mit jenen Kreaturen konfrontiert und geht aus dieser Begegnung als wehrhafte Siegerin hervor. Das eigentliche Spannungsfeld des Films ist zu diesem Zeitpunkt ironischerweise längst abgearbeitet, daher auch die obige Rede vom „doppelten Showdown“. Herz und Hirn von Trachtenbergs Werk liegen nämlich in der ungewissen Position des paranoiden Bunkerbauers Howard. Dass der Mann mit seinen Verschwörungstheorien und Untergangsvisionen, die ihn sein unterirdisches Sanktuarium haben errichten lassen, nicht ganz falsch lag, kann ihm am Ende niemand (mehr) absprechen. Leider ändert dies nichts an seinem psychotischen Wesen, das sich, als er sein verlogenes, subterranes Idyll verraten und verkauft glaubt, in ganzer Härte präsentiert. Gelegenheit für John Goodman, abermals in der Rolle eines furchteinflößenden Maniac zu brillieren, wie er in seiner ihm eigenen Intensität nicht von ungefähr an den diabolischen Charlie Meadows / Carl Mundt erinnert. So prallt die kammerspielhafte Atmosphäre der ersten fünf Sechstel recht hart auf das genreüblichen Spektakel des letzten Teils und hinterlässt den nicht ganz glücklichen Beigeschmack einer Zäsur zugunsten handelsüblicher Alienaction. Ich kann nicht genau sagen, ob „10 Cloverfield Lane“ ohne jene letzten 15 Minuten und parallel dazu eben auch ohne Anbindung an ein größeres Ganzes wesentlich besser dran gewesen wäre, hege diesbezüglich aber gewisse Vermutungen. Höchstwahrscheinlich wird die Zukunft mehr darüber verraten.

8/10

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