CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR

„We fight.“

Captain America: Civil War (The First Avenger: Civil War) ~ USA/D 2016
Directed By: Anthony Russo/Joe Russo

Ein Einsatz der Avengers in Nigeria gegen den Terroristen Crossbone (Frank Grillo) endet abermals mit gewaltigen Zerstörern und etlichen toten Zivilisten – „Kollateralschäden“, wie sie der Diplomatenjargon zu bezeichnen pflegt. Grund genug für die UN, allen voran General Thunderbolt Ross (William Hurt), der Heldentruppe ein Dekret aufzuerlegen, dem zufolge sie ab sofort nurmehr in „offiziellem“ Auftrag, und nicht wie bisher nach eigenem Gutdünken agieren sollen. Jedes einzelne Avengers-Mitglied soll das durch seine Unterschrift bestätigen. Während jedoch Tony Stark (Robert Downey Jr.), noch immer bewegt von den Ereignissen in Sokovia, dem Erlass zustimmt, fühlt sich Steve Rogers (Chris Evans) durch ihn in seiner freien Entscheidungswahl eingeschränkt und fürchtet, zu einem weiteren Instrument militärischer Willkür degradiert zu werden. Parallel zu diesen Ereignissen intrigiert der rachsüchtige Baron Helmut Zemo (Daniel Brühl), der in Sokovia seine Familie verloren hat, gegen die ohnehin vom Bruch bedrohten Avengers, indem er einen alten HYDRA-Geheimbefehl, der Rogers‘ besten Freund Bucky (Sebastian Stan), alias „Winter Soldier“ als Attentäter reaktiviert, ausfindig macht und diesen bei einer Ratifizierungssitzung der UN in Wien zuschlagen lässt. Die Aktion entzweit Stark und Rogers endgültig und beide scharen eine Gruppe jeweils Gleichgesinnter um sich, um gegen den anderen vorzugehen. In Leipzig kommt es zur Konfrontation, die teils unentschieden, jedoch mit der Arretierung von Rogers‘ Kameraden ausgeht. Als Stark schließlich herausfindet, dass Bucky für die 25 Jahre zurückliegende Ermordung seiner Eltern verantwortlich ist, kommt es zum letzten Gefecht gegen Rogers.

Emotional aufgeladener und sehr viel involvierender als der letzte nominelle „Avengers“-Film ist die Bezeichnung von „Civil War“ als zweites Sequel der „Captain America“-Reihe und dreizehnter Beitrag zum MCU-Franchise eigentlich eher unglücklich. Zwar wird die Geschichte von Steve Rogers‘ ehemaligem Sidekick Bucky Barnes, der ja ein ziemlich unerfreuliches Schicksal als Schläfer für die Terrororganisation HYDRA führen musste, weitererzählt, andererseits bietet dieser jüngste Film der Gebrüder Russo allerdings ein solch gewaltiges Superheldenaufkommen auf, wie man es bisher im Kino nicht zu sehen bekam. Ganze zwölf Marvel-Helden treten zum Gefecht an, Caps Freundin Sharon Carter und den in den späteren Comics zum „Red Hulk“ mutierenden General Ross noch gar nicht mitgezählt. Ein feuchter Traum für jeden MCU-Apologeten. Mit der 2006 in Printform erschienenen „Vorlage“ von Mark Millar hält dieses Aufgebot fraglos nicht (ganz) mit. Darin ging es auch um etwas Geflissentliches Anderes; die stark unorganisiert arbeitende Superheldengemeinde sollte nämlich dazu angehalten werden, sich öffentlich zu demaskieren, beziehungsweise, so nicht längst geschehen, ihre jeweiligen Geheimidentitäten preiszugeben – ein nicht minder pikantes Problem; für das MCU jedoch, in dem zumindest für die Avengers das Problem des verborgenen Privatlebens wenn überhaupt einen zweit- bis drittrangigen Diskurs darstellt, im Prinzip keine Option. Die vielen anderen Helden, die Millars „Civil War“ involvierte, darunter freilich Daredevil, die Fantastic Four oder die X-Men, muss der Film aus den altbekannten Gründen ebenso verzichten wie auf einige wesentliche dramatische Wendungen, darunter einen der Identitätslüftung als Pionier vorreitenden Peter Parker, oder einen von Stark erschaffenen Thor-Klon, der den Helden Goliath tötet. Man sollte „Civil War“, den Film, demzufolge weniger als eine Adaption der Mini-Serie betrachten, denn als notdürftig umfunktionalisierte Variation, die sich den Gegebenheiten und Beschränkungen des Kino-Universums anzupassen hat. Als solche ist das Werk jedoch ganz großes, sich selbst zelebrierendes Spektakel, das die Arschwangen jedes Superheldenanhängers zum Leuchten bringen sollte. Scott Lang aka „Ant-Man“ (resp. „Giant-Man“) und T’Challa alias „Black Panther“ kommen in größerem Rahmen zum Einsatz und gewiss wird die Integration von „Spider-Man“ ins MCU, rückdatiert als geschwätziger, unreifer Teenager, ordentlich abgefeiert. Dass Spidey nochmals als Generikum aufgestellt wird, nachdem die Figur in den letzten sechzehn Jahren ja bereits ganze zwei  (und jeweils hinreichend umfassende) Kino-Exegesen nebst Origin erlebt hat, mag sich geflissentlich redundant auswirken, ist jedoch allemal besser als ein gänzlicher Verzicht auf den ikonischen Charakter. Thor und Hulk, die für ein ziemliches Ungleichgewicht der Kräfte gesorgt hätten, werden praxishalber ausgespart.
„Civil War“ transportiert auch ein bisschen was von der beliebten Phrase ’nomen est omen‘. Er wird einmal mehr all jenen reichlich Studentenfutter geben, die in den fraglos unmenschlich hoch budgetierten Geschäftemachereien des MCU die Vorboten eines massenkulturellen Armageddon wähnen und eine Privatprofession daraus machen, ihnen demonstrativ gelangweilt die zwischen enerviert und unterkühlt befindliche Schulter zu zeigen. Caps Fraktion quasi. Dann gibt es aber eben auch noch uns, die anlässlich eines jeden neuen Superheldenfilms bereitwillig in infantilisierte Regression verfallen und sich damit ein kleines Stück vom Glück erobern (so es sich dabei nicht gerade um „Deadpool“ handelt zumindest). Die, die die Scheiße an festlich gedeckter Tafel fressen und sich dabei auch noch vorkommen wie Gourmets. Die Iron Men. Oder auch die cineastischen small-timer, die Schmeißfliegen. Bin ich eben eine von denen. Dafür hatte ich knappe zweieinhalb großartige Stunden lang meinen Spaß, und das nicht zu knapp.

9/10

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