MANSION OF THE DOOMED

„Why should someone remove a person’s both eyes?“

Mansion Of The Doomed (Das Haus mit dem Folterkeller) ~ USA 1976
Directed By: Michael Pataki

Seit einem von ihm verschuldeten Autounfall, bei dem seine Tochter Nancy (Trish Stewart) erblindete, sucht der Augenchirurg Dr. Leonard Chaney (Richard Basehart) nach einem Weg, ihr das Sehen wieder zu ermöglichen. Eine neue Methode aus Übersee scheint für Abhilfe zu sorgen: Die Transplantation von intakten Augäpfeln und deren Kopplung an die Sehnerven des blinden Patienten sollen diesem das Augenlicht zurückverschaffen. Da es für einen solchen Eingriff erwartungsgemäß keinerlei willfährige Probanden gibt, benutzt Chaney kurzerhand Nancys Verlobten und seinen Kollegen Dan Bryan (Lance Henriksen), indem er ihn betäubt und nach erfolgter Augenentnahme und -verpflanzung kurzerhand in seinem Keller einkerkert. Zunächst glückt das Experiment, doch bereits nach wenigen Tagen stößt Nancys Körper die fremden Augen wieder ab. Neue „Spender“ müssen her, und davon nicht zu knapp…

Les visages sans yeux: Ein formvollendetes Stück Grand Guignol aus der für derlei klarlackversiegelten Schund ausgezeichneten Filmschmiede von Vater und Sohn Band, nominell Albert und Richard. Man muss sich auf deduktivem Wege nicht sonderlich bemühen, um relativ flink zu verzeichnen, dass „Mansion Of The Doomed“ natürlich nichts Anderes ist als ein Remake von Georges Franjus erhabenem „Les Yeux Sans Visage“, in dem Pierre Brasseur als wahnsinniger Chirurg seiner entstellten Tochter Edith Scob ihre vergangene Schönheit in Form eines neuen Antlitzes zurückzugeben versucht und dazu junge Frauen als unfreiwillige Spenderinnen missbraucht. Gleichermaßen schmierig und lustvoll in seiner Präsentation, wählte „Mansion Of The Doomed“ den überaus cleveren Weg, diese Storyprämisse kurzerhand „umzudrehen“, indem er seinen mad scientist anstelle eines kompletten Gesichtes nach neuen Augenpaaren für seine Tochter suchen lässt. Dafür ist ihm irgendwann jede noch so absurde Situation Recht und er betäubt und operiert bald jeden, der, aus welchen Gründen auch immer, mit ihm in Interaktion tritt. Die Drehbucheinfälle, wie Richard Basehart an neue Opfer gerät, werden dabei zusehends spektakulärer. Hauptattraktion des Films ist allerdings das Kellergefängnis, in dem Dr. Chaney seine augenoperierten Opfer einsperrt – immerhin ist er ja kein Mörder, sondern Humanmediziner! Bald tummeln sich in Chaneys Verlies diverse augenlose Zeitgenossinnen und -genossen (leider habe ich vergessen, mitzuzählen, aber um die sieben oder acht werden’s am Ende wohl sein) unterschiedlichster Provenienz und machen aus nur allzu verständlichen Gründen ein Heidentrara. In der Scheiße sitzend sind wir alle gleich. Einmal kratzt „Mansion Of The Doomed“ sogar kurz am wirklich Unangenehmen, als der immer irrer werdende Chaney auf die Idee kommt, seiner Tochter die unverbrauchten Augen eines kleinen Mädchens einzusetzen, das er prompt auf dem nächsten Spielplatz kidnappt. Glücklicherweise hat die junge Dame den häuslichen Warnungen vor den Unholden dieser welt doch besser zugehört, als es zunächst den Anschein macht und kann Chaney noch rechtzeitig entfliehen. Spätestens nach dieser Sequenz wünscht man dem Unhold dann auch wirklich die Pest an den Hals; insofern funktioniert sie als durchaus gelungenes Suggestivum.
„Mansion Of The Doomed“ macht jedenfalls eine Menge Freude, wenn er im Vergleich zu Franjus Kunstwerk auch zwangsläufig zu Staube kriechen muss. Von einem jungen Andrew Davis photographiert, verfügt er darüberhinaus mit Richard Basehart und einer aufgrund misslungener Kosmetikoperationen mimisch eigenartig erstarrten Gloria Grahame (in Alida Vallis vormaliger Rolle als Erfüllungsgehilfin) über zwei längst vom Verlöschen bedrohte Hollywood-Sterne und erhält so einen zusätzlichen, feinmatten Glanz.

7/10

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