BONNIE E CLYDE ALL’ITALIANA

Zitat entfällt.

Bonnie E Clyde All’Italiana (Bonnie und Clyde auf italienisch) ~ I 1982
Directed By: Stefano Vanzina

Der einsame Pechvogel und Scherzartikel-Vertreter Leo Gavazzi (Paolo Villaggio) und die kurzsichtige Flughafen-Ansagerin Rosetta Foschini (Ornella Muti) sind, ohne voneinander zu wissen, Nachbarn in einem seelenlosen Tranbanten-Hochhaus-Vorort Roms. Durch Zufall kreuzen sich mehrfach ihre Wege, bis sie schließlich gemeinsam bei einem Banküberfall als Geiseln genommen werden. Von nun an sind ihre Schicksale untrennbar miteinander verbunden, wobei sie in ein Fettnäpfchen nach dem anderen geraten, bald selbst polizeilich gesucht werden und sich irgendwann ihrem neuen Los als Gangster wider Willen fügen. Und dann ist da noch die Liebe.

Stenos bezaubernde Komödie mit Musik von den Onion-Olivers habe ich als Kind geliebt und etliche Male gesehen, bis der Lauf der Zeit und die mangelnde Verfügbarkeit mich ihn für viele Jahre aus den Augen verlieren ließen. Jetzt habe ich ihn wiederentdeckt und finde ihn gleich noch schöner als dunnemals. Ich muss dazu sagen, dass ich eine besondere Schwäche habe für Geschichten, in denen grandios scheiternde Verlierertypen ihre Herzdame treffen und dann auch noch bei dieser landen dürfen. Ein größerer outcast als Italiens Slapstick-König Paolo Villaggio (dessen „Fantozzi“-Filme in ihrem Heimatland gigantische Erfolge erzielten, der jedoch bei uns nie den Popularitätsgrad diverser anderer Italo- und Frankoexporte erklomm) ist kaum vorstellbar, zumal in der Rolle des Leo Gavazzi. Gavazzi ist einer, der morgens gewohnheitsmäßig der Regenschirm aufspannt, weil ihm regelmäßig ein Straßenköter durch das Fenster seiner Kellerwohnung schifft. Er hat kaum Geld, ist dicklich und äußerlich wenig attraktiv, trägt eine billige Frisur und einen schlecht sitzenden Anzug spazieren. Sein Auskommen verdient er mit Scherzartikeln von anno Asbach, darunter fünf verschiedene Sorten künstlicher Scheiße, die beim Draufdrücken quietschen. Soziale Kontakte scheint er keine zu pflegen, dennoch ist er ein steter Ausbund an Fröhlichkeit, Nachgiebigkeit, Empathie und Ehrlichkeit, kurzum: einer mit einem goldenen Herzen. Ihm gegenüber steht Rosetta Foschini, die mit Ornella Muti eine der medial hochkultivierten Traumfrauen dieser Zeit als kongeniale Interpretin fand. Auch Rosetta, genannt Giada, ist nicht eben vom Glück verfolgt. Jeder Mann, dem sie begegnet, interessiert sich lediglich für ihre körperlichen Attribute, hält sie ansonsten jedoch für ein naives Dummerchen und übersieht die Frau hinter dem Dekolleté. Durchaus vorteilhaft für Leo, dass im Zuge der Kidnapping-Aktion, die ihn und sie zusammenführt, ihre Brille kaputtgeht und sie ihn nur verschwommen sehen kann, denn so hat sie Gelegenheit, ihn wirklich kennenzulernen und sich aller Wahrscheinlichkeiten zum Trotze auch in ihn zu verlieben. Der unschlagbare Beweis kommt schließlich in Person von Jean Sorel, der als schmieriger Superbulle (mit anfänglicher Gangstertarnung und wundervoll synchronisiert von Wolf Martienzen) bei Giada zu landen versucht, von ihr zugunsten des bereits resignierenden Leo (und der sträflich ungesicherten Diebesbeute) jedoch eiskalt abserviert wird. Am Ende darf eines der schönsten Liebespaare mindestens der Achtziger ins wohlverdiente Happy End abzwitschern, nachdem dem Zuschauer eine neunzigminütige tour de force von nicht immer geschmackssicheren bis oftmals infantilen (nichtsdestotrotz meistz witzigen) Gags zwischen Erwachsenenmärchen, Road Movie, Romantik und Actionkomödie kredenzt wurde.
Wunderhübsch!

8/10