HAIL, CAESAR!

„He didn’t see a Roman or a Slave, but a man.“

Hail, Caesar! ~ USA/UK/J 2016
Directed By: Joel Coen / Ethan Coen

Hollywood in den Fünfzigern. Eddie Mannix (Josh Brolin), beschäftigt bei Capitol Pictures, ist das, was man in eingeweihten Kreisen einen „Fixer“ nennt: Er sorgt dafür, dass all die kleinen und großen Exzesse der beim Studio unter Vertrag stehenden Stars und Sternchen nicht publik werden, treibt je nach Bedarf Karrieren voran oder zerstört sie und variiert Images. Als der mit einer Hauptrolle im Prestige-Projekt „Hail, Caesar“ betraute Baird Whitlock (George Clooney) von einer Gruppe Salonkommunisten entführt wird, ist dies nur eine von mehreren Baustellen, die Eddie Mannix zu managen hat.

Die Coens kehren zurück nach Hollywood und zu Capitol Pictures, exakt 25 Jahre nach ihrem größten Meisterwerk „Barton Fink“. In der filmischen Realität allerdings ist derweil bloß die Hälfte jener Zeitspanne, runde zwölf Jahre, vergangen. Von dem cholerischen Mogul Jack Lipnick ist weit und breit nichts mehr zu sehen, das Gefühl von zynischer Geschäftetreiberei hinter den Kulissen naiver Träume hat sich jedoch nicht verändert. Während Western, Musicals mit Matrosen und Badenixen sowie kitschtriefende Bibelepen aus der Taufe gehoben werden, um das nach Kintopp dürstende Publikum zu sättigen, gleicht das Geschehen jenseits der Ateliers dem in einem Tollhaus. Es scheint fast, als wollten die Capitol-Vertragsstars immer wieder aufs Neue Eddie Mannix‘ Befugnisradien austesten, jedenfalls bleibt dem armen Mann, der selbst nicht genau weiß, dass er seinen stressigen Beruf tatsächlich braucht wie die Spinne ihre Fliege (er liebäugelt heimlich mit einem Engagement bei dem Flugzeugunternehmen Lockheed), kaum eine Minute zum Durchatmen, geschweige denn die verdiente Zeit mit seiner Familie.
Die Coens haben bereits seit längerem ihren Zenit überschritten und es nach meinem Dafürhalten ohnehin nicht mehr geschafft, die kreative Energie, die sie in den achtziger und neunziger Jahren ihre größten filmischen Wundertüten aus der Taufe heben ließ, kontinuierlich weiter zu bemühen. Von dem Einbruch mit der seichten Komödie „Intolerable Cruelty“, einer mir bis heute nahezu unverzeihlich erscheinenden, künstlerischen Zäsur, haben sie sich nur stellenweise erholen können. Ihre letzten Filme boten gediegene, buchstäblich intelligente Unterhaltung, denen jedoch irgendwo zwischendrin der ganz große Irrsinn vergangener Tage abhanden gekommen ist. „Hail, Caesar!“ bildet diesbezüglich keine Ausnahme. Es gibt da noch das eine oder andere groteske Glanzlicht, etwa die Musical-Choreographien oder die Szenen mit dem situativ überforderten Whitlock/Clooney im Strandhaus der Kommunisten.
Insgesamt betrachtet ist den Brüdern somit zwar abermals ein sehenswerter, kluger und vor allem reichhaltig besetzter Film geglückt, der provenient Vergleichbares immer noch locker in den Schatten stellen dürfte, sich dem etwas trägen Gebahren ihrer anderen, jüngeren Werke jedoch nahtlos angleicht. Ob die alte Magie sich noch jemals wieder reaktivieren lassen wird, halte ich ehrlich gesagt mit jedem weiteren Coen-Film für zunehmend fraglich.

8/10

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