HURLYBURLY

„The guy who dies in an accident understands the nature of destiny.“

Hurlyburly ~ USA 1998
Directed By: Anthony Drazan

Eddie (Sean Penn), Phil (Chazz Palminteri), Mickey (Kevin Spacey) und Artie (Garry Shandling) sind vier Freunde in den Vierzigern, die ihr Auskommen als Autoren, Manager und Schauspieler im alltäglichen Wahnsinn der Hollywood-Studios gefunden haben. Eddie verliert sich im fast permanenten Kokainrausch und verlernt darüber hinaus, sich in seinem Emotionsleben zurechtzufinden, Phil ist ein etwas tumber, aggressionsaffiner Choleriker, der sich nicht in der Gewalt hat, Mickey lenkt all seinen Hass in grinsenden Sarkasmus und Artie ist ein misogyner Misanthrop. Eddies Freundin Darlene (Robin Wright) ist eher aus Gewohnheit mit ihm zusammen denn aus wahrer Liebe. Als Phils Freundin Susie (Gianna Palminteri) sich nach diversen Krisen endgültig von ihm samt Baby verabschiedet, kommt es zur Katastrophe.

„Hurlyburly“ bedeutet soviel wie Aufruhr, Durcheinander, Tohuwabohu. Der Film basiert auf einem bereits um die Mitte der Achtziger entstandenen Theaterstück von David Rabe, das zunächst in Chicago und später Off-Broadway aufgeführt wurde und regelmäßig glorios besetzte Wiederaufführungen erlebt. Die Urbesetzung umfasste unter anderem William Hurt, Christopher Walken, Harvey Keitel, Jerry Stiller und Sigourney Wever. Große Fußstapfen also, in die Tony Drazan mit seiner 98er-Kino-Adaption zu treten hatte. Immerhin konnte er auf ein von David Rabe eigens umgeschriebenes Script sowie auf eine wiederum brillantes Ensemble zurückgreifen. Doch trotz allem fehlt es „Hurlyburly“ an etwas Wesentlichem: Am Filmischen. Das Ding ist und bleibt ein Bühnenstück, auch auf Zelluloid. Die Akteure spielen wie auf einer Bühne, es gibt mit wenigen Ausnahmen nur ein Set (Eddies und Mickeys Haus in den Hills, das variabel auch von den anderen Freunden mitbewohnt wird), die gesamte Emotionalität der Protagonisten muss sich im Dialog exponieren. Dabei verbleibt das Ganze inhaltlich irgendwo zwischen Vulgärphilosophie und Luxusproblemen. Einen potenziellen Sympathieträger sucht man ebenso vergeblich wie eine mögliche Identifikationsfigur und auch wenn Eddie als eine Art stabiles Bindeglied zwischen den Vieren und zumindest scheinbar Intelligentester im Klub den Rezipienten durch jede einzelne Szene begleitet, ist er mit seiner dauerverschneiten Nase und beinahe unentwegtem Gejammere über die Schlechtigkeit der Welt kein minder armes Würstchen als seine Kompagnons. Anders als ein ähnlich zynischer Generationschronist wie etwa Bret Easton Ellis, der die Erbärmlichkeit seiner Zeitgenossen vehement auf die mentale Entleerung ihrer Erzeuger und die notorische Oberflächlichkeit des (damaligen) Jetzt zurückführt und damit konsequente Analytik betreibt, verortet Rabe deren allumfassende Schwächen in ihrer jeweiligen, individuellen psychischen Beschaffenheit. Damit sitzt „Hurlyburly“ zwischen den Stühlen im Prinzip bester Voraussetzungen und einer dem Medium geschuldeten Verlorenheit, was sich vor allem durch seine nicht immer ausgewogene, exponenzielle Geschwätzigkeit äußert und ihm letzten Endes nicht allzu gut bekommt. Schade drum.

6/10

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