MIDNIGHT SPECIAL

„Good people die every day believing in things.“

Midnight Special ~ USA 2016
Directed By: Jeff Nichols

Das FBI sucht einen Mann namens Roy Tomlin (Michael Shannon). Dieser soll einen Jungen namens Alton Meyer (Jaeden Lieberher) aus dem Schoße einer in Texas ansässigen, religiösen Sekte, deren Kopf, ein gewisser Calvin Meyer (Sam Shepard), gleichfalls Altons Adoptivvater ist, entführt haben und nun mit ihm auf der Flucht sein. Offenbar beten die Sektierer Alton als eine Art kommenden Messias an und tatsächlich besitzt das Kind außergewöhnliche Fähigkeiten. Es kann etwa Radiowellen empfangen und replizieren oder gewaltige Energiestöße aus seinen Augen abgeben. Tatsächlich ist Roy Altons leiblicher Vater und handelt keinesfalls entgegen den Wünschen des Jungen. Gemeinsam mit dem ihn unterstützenden State Trooper Lucas (Joel Edgerton) und Altons Mutter Sarah (Kirsten Dunst) fährt Roy einem unbekannten Ziel in der Provinz Floridas entgegen, die Sektierer und die Polizei stets dicht auf den Fersen.

Was genau ich mir von „Midnight Special“ erhofft habe, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr recht eruieren, zumal ich vor der Betrachtung praktisch nichts über den Film wusste. Etwas ernüchtert stehe ich nun da, gelinde enttäuscht vielleicht. Was „Midnight Special“ wohl in allererster Instanz werden sollte, ist eine Hommage des Regisseurs und Autors Jeff Nichols an die Welle von Filmen um freundliche Aliens, besondere Kinder und/oder künstliche Entitäten wahlweise auf der Flucht oder mit einem bestimmten Reiseziel vor Augen, mit denen „unsere“ Generation in den Achtzigern aufgewachsen ist. Man erinnere sich an „E.T.“, „Starman“, „Cocoon“, „D.A.R.Y.L.“, „Short Circuit“ oder auch die beiden Sheriff-Filme mit Bud Spencer. Wo allerdings vor rund dreißig und mehr Jahren familiengerechtes, regelmäßig stark emotional besetztes und vor allem vitales Affektkino von oftmals großartigen Geschichtenerzählern entstand, lässt Nichols die noch junge Schule des stillen, verhaltenen „Indie-Filmes“ walten, wie man sie aus seinen vorherigen Filmen kennt.
Obschon Jeff Nichols seine Storys gern um zentralisierte Kinderfiguren herum konstruiert, macht er dezidiert Filme für junge Erwachsene, was zumindest in seinem Falle bereits einen wesensimmanenten Widerspruch in sich trägt. In „Midnight Special“ wird diese Eigenheit erstmals zu einem veritablen Manko. Rund um das formale Bestreben, möglichst wenig narrativen und dramaturgischen Ballast spazieren zu führen und seinem Publikum an dessen Statt das gerade notwendigste Mindestmaß an Hintergrundinformation, kargem Dialog und möglichst ausdrucksstarke Halbtotalen zu unterbreiten, verdeutlicht der Film nicht nur seine unvereinbaren Ansprüche, sondern macht diese darüber hinaus zu einer beinahe schon eklatanten Fehlleistung. Nicht nur, dass Nichols es versäumt, bei seinem Publikum aufrichtiges Interesse zu evozieren, sperrt er es gar vorsätzlich aus und verdammt es zum Status völlig unbeteiligter Außenstehender, denen das wechselvolle Geschehen infolge dessen alsbald geflissentlich gleichgültig werden muss. Aller technischen Professionalität und formalen Geschlossenheit zum Trotze: Möglicherweise ist „Midnight Special“ eine verpasste Chance, möglicherweise auch bloß gehobene filmgewordene Redundanz.

5/10

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4 Gedanken zu “MIDNIGHT SPECIAL

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