NIGHT WARS

„This is a dream. And in dreams, everything’s possible.“

Night Wars ~ USA 1988
Directed By: David A. Prior

Neun Jahre nach ihrer Rückkehr aus Vietnam gehen die beiden Freunde Trent „Sarge“ Matthews (Brian Edward O’Connor) und Jim Lowery (Cameron Smith) ganz unterschiedlich mit dem Erlebten um. Während Trent einer geregelten Arbeit nachgeht und glücklich mit seiner Frau Susanne (Jill Foors) zusammenlebt, ist Jim schwer traumatisiert und dem Alkohol zugetan, zumal er und Trent damals ihren Freund Johnny (Chet Hood) im Stich lassen mussten, um ihr eigenes Leben zu retten. Plötzlich jedoch erscheint ihnen beiden der damalige Überläufer und Verräter McGregor (Steve Horton) permanent im Traum und fügt ihnen ganz reale Verletzungen zu, derweil der totgeglaubte Johnny sie anfleht, ihn endlich zu befreien. Während Susanne misstrauisch wird und den Veteran und Psychiater Campbell (Dan Haggerty) konsultiert, rüsten Trent und Jim sich zum letzten, alles entscheidenden Gefecht auf unbekanntem Terrain: dem Träumen.

Als allzu unbesungener Indie-Regisseur verdient David A. Prior es, dass sich der eine oder andere offenherzige Filmfreund zumindest mit Teilen seines Œuvres befasst. Ein absolutes Indiz für diese möglicherweise etwas waghalsig erscheinende These ist „Night Wars“, der in direkter Folge zu Priors ungeheuerlichem „Deadly Prey“ entstand. Auf seinen muskelbepackten Bruder Ted musste der Regisseur diesmal leider verzichten – zumindest vor der Kamera, denn Ted entblödete sich nicht, David A. bei der grenzgenialischen Ersinnung dieses Gipfels ausufernder Herrenphantasie zur Seite zu stehen. Zunächst muss folgende, weltbewegende Frage gestattet sein: Ist es möglich, die zwei markigen, auf den ersten Blick unvereinvar scheinenden Genre-Meilensteine „Missing In Action“ und „A Nightmare On Elm Street“ zu kombinieren und daraus etwas  völlig Neues zu kreieren? Ja, es ist, wie die momentan vor Selbstsicherheit srotzenden Briten antworten würden. Ja, es ist. Und wie es ist. Und was ist es, das man dazu braucht? Dan Haggerty, den Mann aus den Bergen (ohne Bär und Denver Pyle freilich), ein paar gute Freunde, eine Handvoll Dollars, ein kleines Waffenarsenal aus dem Vorgängerfilm, ein kalifornisches Wäldchen und 24 asiatische Kleinstdarsteller. Fertig ist die Laube. Dass mit solch augenscheinlich geringen Mitteln ein Kleinod des Billigfilms entstehen würde, hatten die Gebrüder Prior möglicherweise selbst nicht auf dem Schirm. Und dennoch: Die sich zunächst verschroben ausnehmende Idee, zwei Vietnam-Veteranen den Krieg nachträglich in der Traumwelt gewinnen zu lassen, funktioniert auf erstaunliche Weise und entgegen aller möglichen Ressentiments bravourös. Haggertys Rolle ist zwar, auch wenn er als bekanntester Darsteller an Platz 1 der Besetzung geführt wird, vollkommen überflüssig, O’Connor, Smith und Horton jedoch sind umso besser aufgelegt und mit Herz und Seele bei der Sache. Dass den Betrachter allenthalben unfreiwillige Komik und inszenatorische Unbeholfenheiten aus dem Kurs rupfen, ist der Natur der Sache geschuldet und verschmerzbar. Immerhin greift Prior sogar noch einem weiteren, phantastisch aufgearbeiteten Filmthema vorweg, dem der jenseitigen Erlösung nämlich, wie es später in „Flatliners“ ausgearbeitet werden wird, und schafft damit mancherlei poetische Augenblicke in diesem räudigen, kleinen Filmbastard. Die atmosphärische Synthie-Musik, im Besonderen das Hauptthema, erinnert stellenweise an Gary Numan und unterstützt die entrückte Bizarrerie dieses wohl unikalen Films nochmals vorzüglich.
Schön!

6/10

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