IL BOIA SCARLETTO

Zitat entfällt.

Scarletto – Schloss des Blutes (Il Boia Scarletto) ~ I/USA 1965
Directed By: Massimo Pupillo

Schundromanverleger Daniel Parks (Alfredo Rizzo) ist ständig auf der Suche nach schicken Motiven für die effektreich gestalteten Cover seiner Trivialkunst. Gemeinsam mit einem Tross bestehend aus Models, Fotografen und seinem Hauptautoren Rick (Walter Brandi), reist Parks überland und stößt auf ein altehrwürdiges Schloss. Das Gemäuer gehört dem Ex-Schauspieler Travis Anderson (Mickey Hargitay), der sich hierher zurückgezogen hat und dem Wahn anheim gefallen ist, die legitime Reinkarnation des scharlachroten Henkers zu sein, der hier vor rund drei Jahrhunderten seinem blutigen Gewerbe nachgegangen ist und der aufgrund seines grenzenlosen Sadismus‘ dereinst selbst hingerichtet wurde. Anderson legt sich Gewand und Maske über und beginnt, seine „Gäste“ rigoros zu dezimieren…

Neben dem nicht minder bananigen, sieben Jahre jüngeren „Delirio Caldo“ von Renato Polselli bildet der gloriose „Il Boia Scarletto“ Mickey Hargitays filmische Sternstunde. Zwar bleibt der im späteren Werk rekurrierende À-la-mod-Nonsens hier noch zugunsten des Versuches, Gothic- und Pulp-Elemente zu einem effektiven Genrebeitrag zu verquirlen, verlustig, dafür hagelt es in „Il Boia Scarletto“ anderweitige Unpässlichkeiten und Absurditäten, dass es eine Lust ist. Bereits die Storyprämisse – eine zehnköpfige Mischpoke von Groschenromankreativen bricht in ein entlegenes Schloss ein, um dort Fotos zu schießen, wird vom Hausherrn ertappt und bittet höflichst um Unterbringung, derweil besagter Immobilieninhaber sich in rotes Ringertuch hüllt und durch den verlieseigenen Folterkeller jagt – verrät mancherlei über die Wohldurchdachtheit dieses bunten, italienischen Abenteuerfilms von psychotronischen Graden.  Der Rest erledigt sich dann, nach einem sich etwas ziehenden, mit tumbem Situationsklamauk angereicherten ersten Drittel, von selbst; sei es in Person und/oder Form zweier verblödeter, matrosenförmiger Faktoten (Gino Turini, Roberto Messina), einer künstlichen Folterspinne mit giftgetränkten Beinen oder, in tutto, dem selten dämlichen Dialogbuch, das sich in der deutschen Synchronfassung erst recht als unverzichtbar herausstellt. Wenn Hargitay, chargierend wie der völlig bekloppt gewordene Gott aller Schaucatcher, sich genüsslich vor dem Spiegel einölt und dabei von der psychischen und physischen Unreinheit des gesamten Menschengeschlechts daherfaselt (freilich nur „echt“ mit der samten-serlösen, sonor-salbadernden Stimme von Christian Marschall, der selbst ein Rezept für Salzkartoffeln klingen lassen konnte wie die Deklaration einer Globalverschwörung), dann wähnt man sich unversehens im Olymp derart kuleurierter Filmkunst. Oder, vielmehr: man wähnt sich nicht, man ist!

6/10

3 Gedanken zu “IL BOIA SCARLETTO

  1. Wenn Hargitay, chargierend wie der völlig bekloppt gewordene Gott aller Schaucatcher, sich genüsslich vor dem Spiegel einölt und dabei von der psychischen und physischen Unreinheit des gesamten Menschengeschlechts daherfaselt […]

    Vielleicht hat er dabei ja in Jayne Mansfield gedacht, von der er sich im Jahr zuvor hat scheiden lassen …

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