FERIEN AUF IMMENHOF

„Ruhe! Du verscheuchst mir ja die Fischchen!“

Ferien auf dem Immenhof ~ BRD 1957
Directed By: Hermann Leitner

Das Pony-Hotel Immenhof ist eröffnet! Leider bleiben noch die Gäste aus, also kurbeln die findigen Youngster um Dalli (Heidi Brühl), Dick (Angelika Meissner), Ethelbert (Matthias Fuchs) und Ralf (Raidar Müller) das Geschäft mit einigen Guerillaaktionen an, darunter dem Entwurf eines hoffnungslos übertriebenen Werbeflyers, einem PR-Ritt mit den Kindern der Gegend durch Lübeck und gezielten Alkoholvergiftungen sowohl des Postboten (Herbert Weißbach) als auch des armen Hein Daddel (Josef Sieber). Trotz der berechtigten Schelte durch den zunächst ungehaltenen Jochen von Roth (Paul Klinger) bringt das Hotelgewerbe sich alsbald in Schwung. Besonders gespannt ist man auf die Bewertung durch den demnächst anreisenden Firmenmogul Westkamp (Hubert von Meyerinck)…

Mit „Ferien auf Immenhof“ fand die Ur-Trilogie um das gleichnamige Pony-Gestüt ihren verdienten Abschluss. Die Rezeptur des direkten Vorgängers – mehr Spaß, weniger Herzschmerz – fand sich nochmals intensiviert. Als einziges „dramatisches“ Story-Elemente finden sich ein (folgenloser) Streit zwischen Paul Klinger und Raidar Müller sowie ein kurzer Irr-Flirt des nach wie vor schmucken Ralf (wiederum Müller) mit einem aparten Fräulein Gisela (Christiane Jansen mit dem rotesten Lippenstift des gesamten Jahrzehnts), worauf die diesmal selbst verarschte Dick etwas bedröppelt reagiert („Das ist gemein!“). Jetzt weiß sie wenigstens mal, wie sowas ist. Etwas over the top kommt der damalige Kinderstar Roland Kaiser (nicht identisch mit dem unter Pseudonym arbeitenden Schlageraffen), der als zuckersüßer Waisenknabe Fritzchen alles und jeden auf Immenhof um den Finger wickelt. Da möchte man dann hier und da doch mal den Schmalztopf unter dem Fernseher drapieren.
Für Hans Nielsen fand sich leider kein Plätzchen mehr, dafür schenkt uns „Ferien“ den nochmals tolleren Hubert von Meyerinck. Der aus einer altehrwürdigen Militärdynastie stammende, ebenso begeisternde wie bekennend frontalschwule Akteur gehörte zum Allerbesten, was das klassische deutsche Schauspiel zu bieten hatte. Als (von den NS-Herrschaften als Paradiesvogel tolerierter und wohl nicht ganz ernstgenommener) Widerständler verzichtete von Meyerinck dereinst auf die Emigration nach 33, lebte seine Homosexualiät offenkundig und unbehelligt weiter aus und lief in der Reichskristallnacht über den Ku’Damm, um verfolgten Juden in seinem Hause Schutz zu gewähren. Von seinem individualistischen Schlage hätte es mehr gebraucht und braucht es sowieso immer. Als ewiger Meyerinck-Fan freue ich mich über jeden Film, in dem ich ihn genießen darf, eine Liebe, die im Grunde bereits mit „Ferien“, den ich wie die anderen „Immenhof“-Filme wohl zuvorderst dank meiner selbst seit Kindesbeinen von ihnen infizierten Mama bereits sehr früh kennengelernt habe, begann und die seither nie mehr abgeebbt ist. Den Typen hätte ich gern im wahren Leben kennengelernt. Wie viele ansonsten möglicherweise nicht ganz so gloriose Filme dieser Jahrzehnte adelt und beherrscht Meyerinck auch „Ferien“ in ganz besonderer Weise; umso bedauerlicher, dass er (wie mir just erstmals aufgefallen ist), erst im letzten Filmviertel auftritt.

6/10

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