ROLLOVER

„We’re just going with the tide.“

Rollover (Das Rollover-Komplott) ~ USA 1981
Directed By: Alan J. Pakula

Während der Dollarkurs an der Börse eine Talfahrt nach der anderen durchlebt, wird der Vorsitzende des darbenden Petro-Unternehmens „Winterchem“, Charlie Winters (Garrison Lane), eines Abends in seinem Büro ermordet – von einem überraschten Einbrecher, wie es heißt. Zeitgleich setzt der arrivierte Bankier Maxwell Emery (Hume Cronyn) den Finanzexperten Hubbell Smith (Kris Kristofferson) auf die Rettung der maroden „Borough National Bank“ an. Smith übernimmt kurzerhand den Firmenvorsitz und sichert sich Winters‘ Witwe Lee (Jane Fonda) als wichtigste Kreditnehmerin. Unabhängig voneinander stoßen sowohl Smith als auch Lee, die sich Hals über Kopf ineinander verlieben, auf ein geheim geführtes Konto bei der Borough National. Ihre Recherchen fördern zutage, dass es sich dabei um ein Schattenkonto handelt, über dass die besorgten Saudis mit Emerys Unterstützung inoffiziell ihre Dollars in stabile Goldreserven umsetzen. Weil auch Winters Wind von der Sache bekommen hat, musste er sterben. Emery beschwört Smith, dieses Wissen für sich zu behalten, um die Weltwirtschaft nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen…

Darüber, dass sich Ethik und Kapitalismus nicht gut vertragen, berichtet Pakulas achter Film. Dass er sich für sein ebenso hehres wie leidenschaftliches Anliegen einer recht umständlichen Narration sowie der Form einer zeitgenössischen TV-Serien-Episode bedient, verursacht angesichts bisheriger Regiearbeiten wie etwa der grandiosen Paranoia-Trilogie manches Stirnrunzeln. Zwischen der in den äußeren Plot wie in einen zu kleinen Schuh hineingepfropften Romanze zwischen Fonda und Kristofferson, der „Rollover“ allzu viel Zeit und Substanz widmet, und der sich schließlich erfüllenden Wirtschaftsdystopie entsteht im Laufe des Films eine nicht mehr umkehrbare Diskrepanz. Das ist schade, zumal mit der von Hume Cronyn gespielten Figur des (un-)heimlichen Hochfinanzkaisers Maxwell Emery oder dem besorgten, um die Wahrheit wissenden Familienvater Familienvater Fewster (Macon McCalman) Charaktere Einzug halten, die im Hinblick auf ihr Konfliktpotenzial und auch bezüglich der jeweiligen Entwicklung das Zuschauerinteresse deutlich intensiver zu schüren vermögen als die sich glanzvoll gebenden, letztlich jedoch hoffnungslos ausgehöhlten Protagonisten.
Pakulas immerhin konsequent zu Ende gedachter Botschaft stand mutmaßlich das offensichtliche Produktionsbestreben entgegen, die superattraktiven Fonda und Kristofferson als alles überstrahlendes, schickes Glamourpaar zu verkaufen. Die kleine, zum Abschluss dann doch noch stattfindende Weltwitschaftsapokalypse, wirkt nebst ihrer grundsätzlich interessanten moralischen Dimension angesichts des überformten Rests wie eine beinahe lästige Appendix. Das kann es natürlich nicht sein.
Dass aus „Rollover“ schließlich eine sich nicht immer ausgegoren ausnehmende Mischung aus „The Parallax View“ und einer x-beliebigen „Dallas“-Folge erwuchs, mag man dem von einem Studio-Rollover überfahren wirkenden Meister jedoch irgendwie am Wenigsten anlasten.

6/10

Advertisements

3 Gedanken zu “ROLLOVER

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s