RISEN

„What frightens you?“ – „Being wrong.“

Risen (Auferstanden) ~ USA 2016
Directed By: Kevin Reynolds

Jerusalem, 33. Statthalter Pontius Pilatus (Peter Firth) fürchtet, die Leiche des just gekreuzigten und in einer versiegelten Höhle bestattete Yeshua (Cliff Curtis) alias Jesusus Christus könnte von seinen Anhängern gestohlen werden zum Zwecke der Nährung des ihn umgebenden Mythos. Pilatus betraut seinen bodenständigen Tribun Clavius (Joseph Fiennes) mit dem Fall. Dieser muss schon bald feststellen, dass er seine Aufgabe allzu lax genommen hat, denn tatsächlich ist das Höhlengrab am nächsten Morgen aufgebrochen und der tote Nazarener spurlos verschwunden. Clavius setzt alles daran, den Leichnam ausfindig zu machen, doch vergebens. Seine Recherchen führen ihn schließlich zu Jesus‘ Jünger Bartholomäus (Stephen Hagan) sowie zu Maria Magdalena (María Botto) und über diese zu einem geheimnisvollen Mann, der nicht nur dem Hingerichteten zum Verwechseln ähnlich sieht, sondern wundersamerweise auch noch dessen charakteristische Wunden trägt. Clavius desertiert kurzerhand, um dem Geheimnis des vermeintlich Auferstandenen auf die Spur zu kommen.

Eigentlich ein dreister Anachronismus, erinnert „Risen“ hinsichtlich Plot und Botschaft an den pompösen, hollywoodschen Christus-Trash der Fünfziger: Technisch prachtvolle und inhaltlich schmalbrüstige Filme wie „Quo Vadis“, „The Robe“ und „Ben-Hur“ begegnen dem willfährigen Betrachter hier plötzlich in all ihrer längst verloren geglaubten Naivität wieder, ergänzt freilich um den seit „Gladiator“ etablierten Neoauthentizismus, in dem für die blitzsauber gefegten Ateliers, den hochglänzenden Marmor und die leuchtend bunte Kostüme von anno Plüsch kein Platz mehr ist. Stattdessen bemüht man sich um ein möglichst realistisches (oder zumindest oberflächlich realistisch wirkendes) Zeit- und Lokalkolorit, was einen Film wie „Risen“ zumindest schonmal um ein wesentliches Element des klassischen Bibelfilms erleichtert – das des Campigen nämlich. Zugleich enthebt jenes hehre Bestreben um Historizität damit allerdings auch jedwede ästhetische Angleichung des Films an seine Ahnherren. Wo „Risen“ wirklich hätte bestehen können – nämlich im Einsatz von Form und Frische – da versagt er. Leider, denn ansonsten bietet er ein durchaus unterhaltsames, nettes Wiederaufflackern der alten Mär um den harthgerzigen, polytheistisch geprägten Besatzer, der Zeuge christlicher Wunder wird, daraufhin sein Schwert und allen materiellen Tand niederlegt und demnächst vermutlich Blumen, Liebe und Fischerei predigen wird, statt wie ehedem seine (zuvor natürlich mehrfach im Bild belegte) kombattante Manneskraft in den Dienst des römischen Imperiums zu stellen. Anyway, ganz sympathisch fand ich den Film dann zugegebenermaßen doch irgendwie. Mein altes Faible für Geschichtsträchtiges aus Tinseltown lässt mich ja ohnehin regelmäßig leise frohlocken, wenn in dieser Richtung was Neues kommt. Und anders als just die sperrig-finsteren „Noah“  und „Exodus: Gods And Kings“ kultiviert „Risen“ sogar das kindgerechte Bild vom „lieben Gott“, so dass man das Teil sogar im Reliunterricht der Grundschule zeigen könnte. Ist doch prima.
Dass Jesus und seine Jungs eine Clique von bewusstseinserweiterten, knorken Hippies waren, daran lässt „Risen“ jedenfalls keinen Zweifel. Zwar sieht man Joseph Fiennes als Clavius kein aramäisches Kraut rauchen, man kann aber zumindest davon ausgehen, dass die selbst permanent gut drauf befindlichen Jünger ihm offscreen irgendwas Stärkeres untergejubelt haben. Vielleicht glaubt Reynolds ja auch selbst an seinen filzigen Fantasystoff, wer weiß. Gegönnt sei’s ihm.

6/10

 

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