TRUMBO

„I’m in this for the money and the pussy and they’re both falling off the trees!“

Trumbo ~ USA 2015
Directed By: Jay Roach

Scriptautor Dalton Trumbo (Bryan Cranston) ist, wie viele seiner Arbeitskollegen in Hollywood, Mitglied der kommunistischen Partei, der CPUSA. Mit den Vorladungen und Verhören durch das HUAC hebelt die Regierung gegen Ende der vierziger Jahre kurzerhand das öffentliche Recht auf Meinungsfreiheit aus und sorgt dafür, dass Männer wie Trumbo, einer der bald berüchtigten „Hollywood Ten“, nicht nur als Verräter an den Grundfesten der Demokratie eingestuft und großflächig diffamiert werden, sondern zudem auch ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. Trumbo beginnt, nach einem elfmonatigen Gefängnisaufenthalt wegen Verweigerung einer Aussage vor dem HUAC unter Berufung auf den fünften Verfassungszusatz, kurzerhand, als Ghostwriter oder unter Preudonymen zu schreiben, was ihm in den folgenden Jahren zwei Oscars für beste Drehbücher einbringt. Zwar versucht seine Erzfeindin, die einflussreiche Klatschkolumnistin Hedda Hopper (Helen Mirren) mit allen Mitteln, weiter gegen Trumbo vorzugehen, doch zwecklos: die beiden Indie-Produzenten Frank (John Goodman) und Hymie King (Stephen Root) lassen Trumbo für sich arbeiten. Gegen Ender der Fünfziger holt Kirk Douglas (Dean O’Gorman) ihn persönlich für die Drehbuchfassung zu „Spartacus“ und Otto Preminger (Christian Berkel) lässt ihn parallel dazu „Exodus“ schreiben. Mit der offenen Nennung seines Namens in den Vorspännen der Filme ist Trumbo rehabilitiert und die beschämende Ära der Hollywood Ten beendet.

Dass mir „Trumbo“ gefällt, hatte ich angesichts seines Themas, respektive angesichts seines Themenkonvoluts bereits erwartet, nicht jedoch unbedingt, dass mir mit ihm einer der schönsten Filme des Jahres begegnen würde. Ich mag Biopics im Regelfalle immer gern und bin zumeist auch sehr großzügig, offenherzig und wohlwollend unkritisch, was deren oftmals nicht wenig „freigiebigen“ Interpretationsraum der betreffenden Biographie und der sie begleitenden Ereignisse anbelangt. Wer nun eine Geschichte über Dalton Trumbo erzählt, der erzählt damit jedoch automatisch zugleich die Geschichte des HUAC, des Kommitees zur Aufdeckung unamerikanischer Umtriebe.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand den USA gleichfalls der nächste weltweite Konflikt ins Haus, der Kalte nämlich, bei dem es bekanntermaßen nachgerade um den globalen Machtwettkampf der beiden Großmächte UdSSR und USA beziehungsweise um den zwischen Kommunismus und Kapitalismus ging. Um gleich vor der eigenen Haustür Großreine zu machen, suchten die USA im ganzen Land nach möglichen Kommunisten, ehemaligen oder gegenwärtigen Mitgliedern der amerikanischen kommunistischen Partei und witterten in jedem von ihnen einen potenziellen Sowjetspion, Schläfer, Landesverräter oder Terroristen. Unter lautstarker, populistischer Unterstützung diverser beliebter Filmgrößen und Stars (allen voran Gary Cooper, John Wayne und Robert Taylor) durchkämmte das HUAC bald auch Hollywood als urtypischen, großen und vor allem öffentlichkeitsträchtigen Wirtschaftszweig. Wo viele Schreiber und Literaten sitzen, so die bezwingende Logik der Kommunistenjäger, das sitzen oftmals auch viele Linksliberale und somit mögliche Staatsfeinde. Mit den „Hollywood-Ten“, unter ihnen Dalton Trumbo, hatte das HUAC seine hiesigen Feindbilder bald eingekreist und konnte seine Hexenjagd vor Ort erfolgreich abschließen. Eine beispiellose Ära der Denunziationen, der zerbrechenden Freundschaften, der Paranoia und des Misstrauens folgte mit Trumbo als eines ihrer prominentesten Opfer. Allein diese Auseinandersetzung lohnt den Genuss von Roachs Film, der nebenbei auch noch brillant geschrieben und bespielt ist. Bryan Cranston in der Hauptrolle nimmt sich bravourös aus; das ikonische Bild des in der Wanne auf seine Schreibmaschine hämmernden Trumbo, die Zigarettenspitze in der einen und das Whiskeyglas in der anderen Hand, das Benzedrin stets griffbereit, interpretiert er unnachahmlich. Für Daltons Zeit- und Wirkungsgenossen von der notorischen Hedda Hopper über Trumbos Gattin Clea, Sam Wood, Louis B. Mayer, Edward G. Robinson, Duke Wayne bis hin zu Kirk Douglas findet der Film ebenfalls großartige Pendants, nur Christian Berkel als Otto Preminger wirkt leicht deplatziert. Doch hindert solcherlei Makulatur diesen herrlichen Film nicht daran, einen erstklassigen historischen Abriss über das Babylon Hollywood zu liefern. Famos.

9/10

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