HANGFIRE

„He can’t hear you. Assholes don’t have ears.“

Hangfire ~ USA 1991
Directed By: Peter Maris

Nex Mexico, in Grenznähe: Ausgerechnet am verkaterten Morgen nach dem Tag seiner Hochzeit erlebt Sheriff Isaac „Ike“ Slayton (Brad Davis) das Undenkbare. Zusammen mit einer größeren Gruppe Strafgefangener bricht der Serienmörder und Schwerverbrecher Kuttner (Lee de Broux) aus dem nahegelegenen Knast aus und nimmt Slaytons komplettes Städtchen nebst seiner frisch Angetrauten (Kim Delaney) in Geiselhaft. Daran, dass Kuttner keinen Spaß versteht, lässt er wenig Zweifel. Bald darauf rückt die Nationalgarde unter dem steifen Kommisskopf Colonel Johnson (Jan-Michael Vincent) an, dessen Inkompetenz führt jedoch mehr Schaden als Lösungen herbei. Slayton geht zusammen mit seinem besten Freund Billy (Ken Foree) schließlich auf eigene Faust gegen die Gangster vor – immerhin hat man noch die eine oder andere Kampftaktik aus Vietnam im Hinterkopf…

Der mir namentlich wenig geläufige Peter Maris hat eher Filme auf der Schattenseite der Popularität zu verantworten und wohl wenig hinterlassen, das ad hoc noch heute klangvoll erscheint. Dabei ist und bleibt sein „Hangfire“ eine absolute Prädikatsarbeit. Der Plot variiert das altbekannte Belagerungsthema mit wenigen Guten im unverhältnismäßigen Kampf gegen viele Böse. Was im Western bereits Jahrzehnte zuvor mehrfach und mit klassischem Nachhall abgefrühstückt worden war und mit John McTiernans „Die Hard“ auf ein postmodernistisches Level angehoben wurde, ist „Hangfire“ gerade zureichend, um mit einer Traumbesetzung einen schnörkellosen, kleinen Klopper abzuliefern, an dem vielleicht mit Ausnahme seiner nun mal eben innovationsentledigten Story im Prinzip alles stimmt. Der Besetzungsentscheidung, den bereits schwer von seiner HIV-Erkrankung gezeichneten Brad Davis als Actionheros zu veräußern, gebührt nicht nur äußerster Respekt, sie ist schlichtweg brillant. Die Chemie mit dem etwa doppelt so großen, vor Virilität derweil nur so strotzenden Ken Foree als best buddy und Veteranenkumpel passt wie Arsch auf Eimer und was ansonsten noch an (mitunter sehr kleinen) Auftritten aufgeboten wirkt, demonstriert, dass Maris‘ frühere Kollaborateure gern zu ihm zurückkehrten. Da wäre zunächst der hervorragende main villain Lee de Broux zu nennen, einem Typen, dem für seine Darstellung als unverbesserlicher Sauhund geringstmögliches understatement genügt und der trotzdem eine ersklassige und denkwürdige Performance hinlegt. Jan-Michael Vincent ist der unbelehrbare bis großkotzige Uniformträger und Berufspatzer, der als Hauptverantwortlicher für den verlorenen Vietnamkriewg herhalten muss; George Kennedy und Yaphet Kotto schauen für Minicameos herein und die Schurkenfront wird ergänzt durch James Tolkan (mit Gedenk-Augenklappe) und Lou Ferrigno. Wer angesichts solcher manpower noch was zu moppern hat, ist jawohl selbst schuld. Die auf 191 unzulänglichen Stimmen rekurrierende imdb-Wertung jedenfalls könnte danebener nicht sein. Möglicherweise haben die Jungs ja im Vorhinein auch bloß fehlantizipiert: Brad Davis ist dabei, also könnte man einen zweiten „Querelle“ erwarten. Keine Ahnung. Ich für meinen Teil seh‘ das jedenfalls ziemlich diametral. A bsolut gediegene, witzige, coole, astreine Sache, die wir hier haben.

8/10

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