MY COUSIN RACHEL

„There’s no room in me for anything else. And never will be again.“

My Cousin Rachel (Meine Cousine Rachel) ~ USA 1952
Directed By: Henry Koster

Cornwall, um die Mitte des 19. Jahrhunderts: Kurz nachdem Philip Ashleys (Richard Burton) von ihm verehrter Vetter und Vormund Ambrose (John Sutton) im fernen Florenz geheiratet hat, verstirbt er – an einem Hirntumor, wie die Diagnose lautet. Zuvor sorgte jedoch noch eine merkwürdige Briefkorrespondenz dafür, dass Philip die Witwe Rachel (Olivia de Havilland) zumindest einer Mitschuld an Ambroses Tod und darüberhinaus als Erbschleicherin verdächtigt. Dennoch fällt Philip testamentarisch das gesamte Hab und Gut des Vetters zu, ohne dass Rachel es anfechtet. Als sie persönlich in Cornwall auftaucht, rückt Philip rasch von seinen Vermutungen ab, im Gegenteil verfällt er der um einiges älteren Frau selbst mit Haut und Haaren und plant bald, sie zu seiner Gattin zu machen. Voll von blindem Überschwang überschreibt er Rachel nachträglich den gesamten Besitz. Doch die ebenso stolze wie libertinäre Frau lässt Philip abblitzen und weigert sich, ihn zu ehelichen, woraufhin Philips alter Argwohn wieder erwacht, und sich noch viel extremer äußert.

Eine erlesen photographierte gothic romance, basierend auf einem erst kurz zuvor veröffentlichten Roman von Daphne Du Maurier, die sich in bester Gesellschaft mit zeitgenössischen Filmkunstwerken wie „Rebecca“, „Gaslight“, „The Spiral Staircase“ oder „Dragonwyck“ befindet. England, gern Cornwalls wilde, zerklüftete Küste, ein einsames, sturmumtostes Herrenhaus auf einer Steilspitze, die Vorhängen wehen, die Türen knarren, man kennt und liebt das. Und über allem schweben häufig furchtbare Verdachtsmomente im Wechsel mit schleichendem Wahn; die Geister von Toten sind allgegenwärtig und bemächtigen sich der Seelenwelt der Lebenden. „My Cousin Rachel“ ist voll von solchen Motivkreisen; analog zu Richard Burtons Philp Ashley weiß man nicht recht, was man von dieser merkwürdigen Cousine halten soll. Gemeinsam mit dem jungen Mann hegt man zunächst den dringenden Verdacht, dass es sich bei ihr um eine lustige Witwe handelt, die nur allzu gern ihre bereits bei der Hochzeit physisch maroden Gatten überlebt, um hernach deren Vermögen durchzubringen. Dann, nachdem man sie kennenlernt, weicht der erste Eindruck recht flugs dem einer liebenswürdigen, ehrbaren Dame und Philip beginnt stattdessen, sich zu seinem Nachteil zu entwickeln. Der naive Jüngling und die selbstbewusste, sexuell freigiebige Kokotte, das passt nie und nimmer. Umso idiotischer nimmt er sich aus, als er ihr zunächst sein komplettes Vermögen überschreibt und später Fiebeträume mit der Realität verwechselt – wer, stellt der Film die Frage, ist denn nun wirklich irrsinnig? Und dann kocht Rachel wieder ihren seltsamen Kräutertee. Möglicherweise ist sie ja doch eine Art Hexe… Nunnally Johnsons hervorragend bearbeitetes Script schlägt derlei Volten gleich mehrfach mit größtem Suspense-Vergnügen und verunsichert den Zuschauer, der am Ende selbst die letzte Wahrheit entbehren muss, denn diese stirbt mit einem der beiden Protagonisten. Der andere bleibt trauernd und bedauernd an Cornwalls sturmumtoster Küste zurück…

8/10

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