LA VITTIMA DESIGNATA

Zitat entfällt.

La Vittima Designata (Der Todesengel) ~ I 1971
Directed By: Maurizio Lucidi

Für Stefano Argenti (Tomas Milian), Chef einer Werbeagentur, läge der Herzenswunsch darin, die kleine Firma zu verkaufen und den Erlös mit seiner Geliebten, dem Fotomodell Fabienne (Katia Christine), zusammen auszugeben. Es gibt jedoch einen gewaltigen Haken: Sämtliche Besitzanteile an der Agentur fallen Stefanos Gattin Luisa (Marisa Bartoli) zu, einer hartherzigen, verbitterten Frau, die genau um Stefanos geheime Sehnsüchte weiß und sich weigert, ihm die Zustimmung für die Veräußerung des Unternehmens zu geben. Auf einer Liebesreise mit Fabienne nach Venedig lernt Stefano dann den seltsamen Grafen Matteo Tiepolo (Pierre Clémenti) kennen. Der exzentrische junge Mann erscheint nun wie zufällig immer wieder auf Stefanos Bildfläche, bis er den verhängnisvollen Gedanken vom „perfekten Verbrechen“ ausspricht – wenn Matteo Stefanos Frau umbrächte und Stefano im Gegenzug Matteos verhassten Bruder – könnte ihnen niemand etwas nachweisen. Ohne dass Stefano der Sache je zustimmte, steht er bald im Verdacht, Luisa erdrosselt zu haben – natürlich steckt Matteo hinter dem Mord und erpresst ihn nun. Dabei lässt er die Marionettenfäden, an denen Stefano baumelt, nicht mehr aus der Hand…

Vorab: „La Vittima Designata“ ist ein ausgereiftes, absolut hervorragendes Stück Film, dem kein elementarer Vorwurf zu machen ist. Das einzige Problem, das sich für mich persönlich mit ihm ergab, lag einzig darin, dass meine (ohne jegliche Vorkenntnis des Plots) dräuenden Vermutungen, wie die inhaltliche Entwicklung fortschreiten könne, permanent zutrafen. Eine luxuriöse Schwierigkeit, die sich später dann auch wieder in buchstäbliches Wohlgefallen auflöste. Mit Clémentis zweitem Auftreten im Zuge der abendlichen Gondolafahrt wusste ich, wohin der Hase laufen würde und auch die finale Auflösung mit ihrer letzten Konsequenz ahnte ich spätestens nach der Hälfte des Films. Dass „La Vittima Designata“ zunächst eine Variation von Hitchcocks beziehungsweise Patricia Highsmiths „Strangers On A Train“ darstellt, in dem ein psychopathischer junger Mann versucht, einen anderen, psychisch möglicherweise unbelasteteren in ähnlicher Lebenslage zu einem reziproken Mord anzustiften, geht nicht zuletzt insoweit völlig in Ordnung, als dass jener Topos im literarischen und filmischen Kriminalfach immer wieder aufgegriffen und abgewandelt wird. Gelingt ferner die Transponierung in die jeweilige Kunstform derart elegant und formvollendet wie hier bei Lucidi, stellen sich sowieso kaum mehr kritische Fragen und bleibt ihr finales Ankommen wie immer dem höchsten subjektiven Gericht der Privatperzeption anheim gestellt. Dass nun die verhängnisvolle Geschichte um Stefano und Matteo ihren „designierten“ Verlauf in der schließlich ausgestalteten Form nehmen wird, daran besteht spätestens mit der Einführung von Pierre Clémentis Figur des blaublütigen Matteo Tiepolo kaum mehr Zweifel: Der venezianische Aristokratenspross trägt ganz offensichtlich diverse Bürden altehrwürdiger, inzestiös geprägter Adelsdynastien mit sich herum – von gut sichtbarer Blutarmut über ein zartgliedirig-fahle Physiognomie nebst tieftraurigen Augen, über existenzielle Langeweile und paraphile Neigungen bis hin zu tiefen Depressionen und möglicherweise zersetzendere Störungen des Geistes. Matteo selbst empfindet die Verlockungen eines Mordes, des ultimativen Gewaltverbrechens als unwiderstehlich und verpflichtend für den Rest seiner ansonsten sinnentleerten Existenz. Dass er für den entsprechenden Akt sogleich noch die moralische Quittung in der Person seines persönlichen Henkers mitausersieht, ist lediglich auf den ersten Blick perfid, denn mit Stefano (von Tomas Milian beinahe ungewohnt zurückgenommen gespielt) sucht er sich für just jene Aufgabe einen Mann aus, dessen Moral höchstselbst eine verlogene, selbsträsonistische ist. Insofern erhält hier Strafe, wem sie gebührt. Ein vorzüglich zu Ende gedachter Plan und damit am Ende doch noch mindestens so komplex wie Highsmith und Hitchcock.

9/10

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