CISCO PIKE

„It ain’t your goddamn‘ body they’re after, man. It’s your soul.“

Cisco Pike ~ USA 1972
Directed By: Bill Norton

Cisco Pike (Kris Kristofferson), ehemaliger Starmusiker und Dealer, lebt abgebrannt, auf Bewährung und ohne rechtes Ziel im Leben mit seiner Freundin Sue (Karen Black) in einer kleinen, bunten Butze in Venice Beach. Eines Tages sucht ihn sein alter Intimfeind Sergeant Leo Holland (Gene Hackman) auf, der ihn dazu nötigt, binnen eines Wochenendes ein fettes Kontingent Marihuana loszuschlagen und ihm anschließend den Reinerlös auszuhändigen. Für Cisco beginnt eine 72-stündige Odyssee durch die Hipsterwelt von L.A., im Zuge derer er versucht, das Gras gewinnbringend abzustoßen. Während seiner Verkaufsaktion kommt ihn sein alter Freund Jesse (Harry Dean Stanton) besuchen, mittlerweile heroinabhängig und völlig abgedriftet. Als Jesse sich den Goldenen Schuss setzt, hat Cisco genug.

Wunderbares New-Hollywood-Kleinod, das den Liedermacher Kris Kristofferson in seiner ersten Hauptrolle zeigt. Als abgefuckter Slacker vegetiert Cisco Pike in der Bohéme-Halbwelt der kalifornischen Küste, würde gern wieder Musik machen und an alte Erfolge anknüpfen, ist aufgrund zwischenzeitlicher Pusher-Aktivitäten jedoch „down by law“, wie es so schön heißt. Selbst einem entspannenden Joint selten abgeneigt, lässt Cisco, der sich eigentlich alle Mühe gibt, mit Sue ein unauffälligeres Leben zu führen, sich hinab in den Orkus der schmierigen Nachtclubs und Bars, trifft auf alte Bekannte wie den notorischen Pothead Buffalo (Antonio Fargas) oder den erfolgreichen Bandleader Rex (Doug Sahm) und neue wie die aus reichem Hause stammende, schwangere Merna (Viva), die ihre Anti-Establishment-Haltung mittels der Suche nach Joints und schnellem Sex formuliert. Mit der Rückkehr des schwer heruntergekommenen Jesse wähnt Cisco ein mögliches, älteres Spiegelbild seiner selbst, das durch Jesses Herointod noch einen zusätzlichen, gewaltigen Sprung bekommt. Es gilt, die letzte, unfreiwillig auferlegte Mission zu erfüllen und den durch beruflichen Stress ebenfalls schwer gestörten Holland auszubezahlen, um irgendwo anders, am allerbesten möglichst weit weg von L.A. und auch weit weg von Sue, neu anfangen zu können.
Das zeitgebundene Kaleidoskop aus kreuzfertigen, entschleunigten „Hey, man!“-Typen ist es, das „Cisco Pike“ so sehenswert macht: Die 68er-Träume sind endgültig ausgeträumt, Vietnam nach wie vor im vollen Gange. Nixon ist Präsident, Hendrix, Joplin und Morrison allesamt Vollzeitmitglieder im himmlischen „27 Club“. Man erinnert sich der vergeigten Träume von gestern und hängt katzenjammernd verlorenen Idealen nach. Nunmehr ist alles bloß noch ein einziger, landesweiter Kater, wenngleich immerhin von brutal ehrlicher Ausgestaltung. Menschen wie Jesse, die nicht bereit sind, sich der Realität zu stellen, bleiben zwangsläufig auf der Strecke und auch Hollands finaler Amoklauf hat etwas von einem Suizid. Immerhin, für Cisco Pike gibt es noch Hoffnung, das ließ sich Kristofferson nicht nehmen. Ebensowenig wie den Einsatz einiger schöner Songs von seinem Album „The Silver Tongued Devil And I“, das ein paar Jahre später nochmal eine wichtige, filmische Rolle spielen wird – in Scorseses „Taxi Driver“ nämlich.

9/10

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