BASKIN

Zitat entfällt.

Baskin ~ TR 2015
Directed By: Can Evrenol

Fünf Istanbuler Polizisten (Ergun Kuyucu, Muharrem Bayrak, Gorkem Kasal, Fatih Dokgöz, Sabahattin Yakut) verbringen ihre Spätschichtpause in einer kleinen Imbissstube, als sie ein Notruf aus dem abgelegenen Inceagac erreicht. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einem Unfall mit einer mitten auf der Straße umherirrenden Person; der Kleinbus des Quintetts landet in einem Tümpel, der Angefahrene verschwindet derweil spurlos. Zu Fuß macht man sich auf das letzte Stück Weg Weg zum Zielgebäude, einer uralten, verlassenen Polizeistation aus den späten Tagen des Osmanischen Reichs, das offenbar bereits von ein paar unauffindbaren Kollegen aufgesucht wurde. Innerhalb des Hauses führen etliche Signale die Polizisten hinab in die Kellergewölbe, wo sie die Hölle selbst zu erwarten scheint…

Seinen gleichnamigen Kurzfilm „Baskin“ von 2013 hat der Nachwuchsregisseur und Genre-Aficionado Can Evrenol komplett ohne staatliche Subventionierungen auf abendfüllende Länge gebracht und damit unter einiger internationaler Beachtung sein Feature-Debüt vorgelegt. Leider muss man angesichts der dezeitigen, offenbar auf die strikte Tilgung jedweder „systemschädigenden“ Denkart abzielenden, politischen Lage in der Türkei nicht unbedingt davon ausgehen, dass mit „Baskin“ ein Saatkorn für die Entfaltung einer neuen Horrorfilm-Welle vom Bosporus gesetzt wurde, was in Anbetracht des hübsch entfesselten Wahnsinns dieses Werks durchaus schade ist. Evrenol geht nämlich ordentlich in die Vollen, wenn er seine fünf nicht eben besonders intelligenten (oder gar symathischen) Exekutiven auf ihre unerbittliche Höllenfahrt schickt. Immer mehr zerfasert die zu Beginn noch herkömmlich daherkommende Narration in Elipsen und Irrealismen, es gibt chronologische Sprünge, bis hin zur Exerzierung einer reinen Albtraumlogik und einer ganzen Phalanx von apokalyptischen Phantastereien, die auf Protagonisten und Publikum herniederregnet, gefärbt freilich in knalligem Blutrot. Wieder einmal haben wir es mit einer Endzeitsekte zu tun, diesmal offenbar direkt aus Şeytans Schoße. Es gibt einen Zeremonienmeister, „Baba“, der von dem tatsächlich an einer entstellenden Krankheit leidenden Mehmet Cerrahoglu gespielt wird und zum finsteren Zentrum des Films avanciert, glücklicherweise ohne dass Evrenol der Versuchung erläge, Cerrahoglu wegen seines Leidens zu denunzieren. Dass Baba indes vielleicht ein Stellvertreter Erdogans oder Yildirims sein könnte, das obliegt bloß einer persönlichen Mutmaßung meinerseits.
„Baskin“ ist nun gewiss kein perfekter Film und wenngleich Evrenol bereits jetzt ein guter Regisseur voller formidabler audiovisueller Ideen ist, hat er doch noch einiges aufzuholen was die Evozierung dramaturgisch wirklich zupackender Spannkraft anbelangt. Zum einen ist „Baskin“ nämlich deutlich zu lang geraten und verfällt hier und da allzu gern in völlig unsubstanzielle, tarantioneske Schwafeleien; zum anderen zeigt sich Evrenol hinsichtlich diverser Einzelszenen und Story-Volten wenig subtil beeinflusst von klassischen und jüngeren Vorbildern; seien es Argentos „Drei-Mütter-Trilogie“ oder Vigalondos „Los  Cronocrímenes“ , um nur die offensichtlichsten zu nennen. Dennoch ein kleines Schmuckstück, gerade angesichts seiner Herkunft und Produktionsbedingungen. Möge Evrenol in Zukunft noch Manches vollbringen, ich wäre gern dabei.

7/10

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