REVOLVER

Zitat entfällt.

Revolver (Eine perfekte Erpressung) ~ I/BRD/F 1973
Directed By: Sergio Sollima

Anna (Agostina Belli), die junge Frau des Mailänder Gefängnisdirektors Vito Cipriani (Oliver Reed), wird gekidnappt. Um den Preis ihrer Freilassung erhält Vito den anonymen Auftrag, den Häftling Milo Ruiz (Fabio Testi) aus seinem Knast zu schleusen und den Entführern zu übergeben. Weder Vito noch der von ihm wutentbrannt befragte Milo selbst ahnen, was die ganze Aktion bezweckt. Mehrere Versuche der Übergabe und der Identifikation der Gangster schlagen fehl, bis die beiden ungleichen Männer sich schließlich zur Zusammenarbeit entschließen. Die Spur führt nach Paris und zu dem Popstar Al Niko (Daniel Beretta), der offenbar mehr weiß, als er zugibt. Nachdem Vito Granier (Frédéric De Pasquale), dem Drahtzieher des Ganzen, begegnet, wird ihm klar, dass er trotz allen Widerstands keine Chance gegen seine Übermacht hat…

Diese wutenbrannte Anklage gegen das marode, von Koruption durchdrungene justizielle und politische System des Italiens der 1970er Jahre nimmt sich als Variation von Sollimas eigenem, sieben Jahre zuvor entstandenen „Resa Dei Conti“ aus, der die linkspolitische Agenda des Regisseurs und Autors wie im Falle vieler anderer italienischer Filmemacher auch, vor dem orts- und zeitversetzten, symbolträchtigen Hintergrund des Western vortrug. „Revolver“, dessen Plot bei etwas geringerer, gesellschaftskritischer Beschwerung ebensogut auch als Vorlage für einen Hitchcock-Film hätte herhalten mögen, ist da schon weniger verklausuliert. Die Initiallösung der Ereignisse, die dem eigentlich makellos arrangierten Mord an einem unbequemen Lobbyisten folgen, stellt die geflissentlich übersehene Tatsache dar, dass es da noch einen kleinen Gauner gibt, der durch die private Kenntnis des als Sündenbock auserwählten, vorgeschobenen Attentäters (Alexander Stephan) das ganze Komplott zusammenbrechen lassen könnte. Ebenjenen, von Testi gespielten Milo Ruiz,  gilt es daher aus dem Weg zu schaffen. Bis er und sein Schicksalspartner Cipriani allerdings hinter jene Wahrheit blicken, wird es eine kleine Odyssee lang dauern. Eine Odyssee, an deren Ende ein geschlagener Vito Cipriani stehen wird, der zwar seine Frau wiederhat, dieser jedoch nie mehr in die Augen blicken können wird. Denn Cipriani, down by law, ist an der Erkenntnis, dass das vermeintlich demokratische Rechtssystem, dem er jahrelang vertraute und sogar als Zahnrädchen diente, zerbrochen. Er wird zum Judas, zum Freundesmörder und zum Leugner aus Angst. Die ungeschönte Tatsache, dass am Ende hinter Ciprianis gequälten Augen im Angesicht seines multiplen Verrats kein Fünkchen Lebenslust mehr zu erahnen ist, sondern bloß noch der reine Selbstekel, entlässt den von Sollima vortrefflich manipulierten Zuschauer im höchsten Unwohlsein angesichts unseres von den Gangstern der Hochfinanz gelenkten, kapitalistischen Schicksals. Starkes, sozialistisches Kino und sauspannend und bewegend noch dazu.
Die später von Sollima und Testi unterfütterte Legende will es, dass Reed sich während des Drehs vornehmlich von Alkoholika ernährte und deswegen ab der Mittagszeit zunehmend unzuverlässig wurde. Dass er seine Figur trotzdem so meisterhaft in den Griff bekommt, kann man da nurmehr als nachhaltig begeisternd einordnen.
Etwas verworren noch die deutsch-deutsche Veröffentlichungsgeschichte des Films: Obwohl „Revolver“ von Dieter Geissler coproduziert wurde und mit Reinhard Kolldehoff und Peter Berling zwei famose Darsteller in Schlüsselgastrollen zeigt, wurde er erst elf Jahre nach seiner Entstehung in der DDR synchronisiert. Ob (oder wann) er dort jemals zur Aufführung gelangt ist, entizeht sich meiner Kenntnis; der MDR strahlte ihn dann Mitte der neunziger Jahre  in einer um gute acht Minuten gekürzten Fassung aus. Der cineastische Romantiker in mir führt das auf die bittere Ächtung westeuropäischer Staatssysteme aus, die den Film trägt. Es wäre höchst interessant, einmal mehr darüber zu erfahren, vielleicht von Berling, der ja um viele Anekdoten dieser Art reich ist.

9/10

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