FLIGHT INTO HELL

„Excuse me, but I don’t know you. I want you to go.“

Flight Into Hell (Flug in die Hölle) ~ BRD/AU 1985
Directed By: Gordon Flemyng

Surabaya, 1932: Der junge deutsche Pilot Hans Bertram (Helmut Zierl) und sein Mechaniker Adolf Klausmann (Werner Stocker) sollen im persönlichen Auftrage Chiang Kai-sheks wohlhabende chinesische Geschäftsleute im Ausland dazu bewegen, als Sponsoren für die geplante staatliche Luftfahrt zu fungieren. Der nächste Trip geht nach Australien. Für den Sechs-Stunden-Flug über die Timorsee wählt Bertram die Nachtzeit, um pünktlich zum Frühstück in Darwin anzukommen. Eine dichte Nebelbank zwingt Betram und Klausmann jedoch zum zwischenzeitlichen Blindflug und treibt sie weit vom Kurs ab. Sie landen, ohne es zu ahnen, an der menschenleeren Wyndham-Küste, während Bertram glaubt, dass sie sich auf der nördlich gelegenen Insel Melville befänden. Entsprechend zwecklos verlaufen ihre folgenden Versuche, auf Menschen oder Ansiedlungen zu stoßen. Währenddessen starten ein von der Journalistin Kate Webber (Anne Tenney) couragierter Lokalpolizist (Gerard Kennedy) und mehrere Missionare eine verzweifelte Suchaktion. Kurz vor dem Verdurstungstod nach über 30 Tagen in der Einöde entdeckt ein fischender Aborigine die beiden geschwächten Männer in ihrer Strandhöhle und rettet ihnen das Leben.

Menschen meiner Generation werden bestätigen können, wie prägend einzelne, spezifische TV-Erlebnisse während unserer Kindheit und Frühjugend waren und welchen manchmal geradezu magisch anmutenden Nachhall sie in unserer weiteren Biographie hinterließen. Einen Teil dazu beitragen wird sicherlich die wesentlich selektivere, begrenztere Art des damaligen Fernsehens, wo heutige 9, 10-jährige sich in dreißig Jahren vermutlich nurmehr an einen formlosen Wust inhaltsloser, bunter Farben und Blitzmontagen erinnern werden. Aber ich wollte ja gar keinen Kulturpessimismus betreiben.
„Flug in die Hölle“ wurde im Januar/Februar 1986 in sechs etwa fünfzigminütigen Folgen erstausgestrahlt, die ich allesamt fieberhaft gemeinsam mit meinem Opa angeschaut habe. Welchen tiefen Eindruck die Bilder und auch Klaus Doldingers wunderbare Musik bei mir hinterlassen haben, konnte ich jetzt, nach dem über dreißig Jahre auf sich warten lassenden Wiedersehen, feststellen: Etliche Details der Miniserie klebten immer noch fest in mir. Die Wiedergabe der authentischen Ereignisse fußt auf einem Tatsachenbericht des Luftfahrtpioniers Hans Bertram, der mehrere Erst- und Rekordflüge unternahm und der jene viereinhalb Wochen in tropischer Hitze und fast vollständig ohne feste Nahrung durchlitten hatte. Im Gegensatz zu seinem an einem Nervenzusammenbruch leidenden und zwischenzeitlich amnesischen Kopiloten Klausmann verlor Bertram auch nie das Interesse an der Fliegerei und blieb sein Leben lang bei diesem Leisten. Dass die spätere Biographie Bertrams auch Schattenseiten aufwies – er wurde nur zwei Jahre nach den Ereignissen in Australien und zurück in Deutschland Mitglied der SA und arbeitete im Auftrage Goebbels‘ als Drehbuchautor und Filmregisseur für die unter den Nazis verstaatlichte UFA, bis er 1942 aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen wurde, weil er Parteinahme für den der „Jüdischstämmigkeit“ verdächtigen Schauspielers Harry Baur ergriff – ist vielleicht für ein umfassenderes Verständnis seiner Person ganz interessant, spielt für die Rezeption von „Flight Into Hell“ jedoch keinerlei Rolle. Stattdessen lässt sich das Ganze kompakt als fünfstündiges Spielfilmstück genießen, das durch die großzügige Erzählzeit hinreichend Gelegenheit hat, nicht nur den Leidensweg Betrams und Klausmanns (vor allem der leider allzu früh verstorbene Stocker vollzieht hier ein Bravourstück) höchst empathisch nachzuzeichnen, sondern auch die immer globaler werdenden, politischen Begleitumstände der Suche nach dem Duo detailliert auszubreiten. Eine grandios zupackende, spannende Abenteuergeschichte erwuchs unter der unauffälligen Inszenierung des Briten Femyng daraus, heute noch genauso sehenswert wie vor drei Jahrzehnten und höchstens durch kleinere technische Lässlichkeiten minimalst anachronistisch wirkend.

9/10

 

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