THE MEN’S CLUB

„You just open the door, and you’re out.“

The Men’s Club ~ USA 1986
Directed By: Peter Medak

Der ehemalige Baseball-Star Cavanaugh (Roy Scheider) befindet sich in dem, was man als regelrechte midlife crisis bezeichnen mag – er kann keiner Frau widerstehen, betrügt seine Gattin (Helen Shaver) unentwegt, zertrümmert damit sukzessive seine Ehe und ist doch kreuzunglücklich. Seine Idee: Einen „Männerclub“ ins Leben zu rufen, der sich regelmäßig treffen und garantiert ohne weibliche Einmischungen rein maskuline Themen diskutieren soll. Bereits das erste, siebenköpfige Meeting bei Cavanaughs Freund, dem Analytiker Kramer (Richard Jordan), endet im Exzess. Am nächsten Morgen, einen ausgiebigen Puffbesuch inbegriffen, sind immerhin die meisten der Teilnehmer um ein paar Antworten reicher.

Die Adaption von Leonard Michaels‘ Roman, der auch das Script zum Film verfasste, zeigt ein ziemlich armseliges Bild des wohlsituierten Mannes Mitte 40 in den Achtzigern. Das erste Mitglied des „Men’s Club“ ist bereits an einem Herzinfarkt verstorben, bevor überhaupt dessen Premiere stattfinden kann; die übrigen bewegen sich in einem Rahmen aus unterdrückter oder obsessiver Libido, programmatisch-ausweglosen Existenzen und Selbstverleugnung. Hier eine kaputte Familie, dort eine Scheidung; hüben ein höhepunktsentleertes Spießerleben, drüben die Unfähigkeit, eine erfüllte Beziehung zu leben. Im Men’s Club ist alles vertreten.
Was aufgrund des Sujets in den Siebzigern noch recht exklusives Cassavetes-Terrain darstellte oder möglicherweise auch ganz gut bei Altman aufgehoben gewesen wäre und man sich einige Jahre später ganz gut bei Ferrara vorstellen könnte, gerät Mitte der Achtiger unter der Inszenierung Peter Medaks ein klein wenig ratlos. Drogen sind, mit Ausnahme von ein, zwei ins Bild gerückten Joints, kein Thema im Film, und doch scheint ihr (heimlicher) Konsum allgegenwärtig in diesem Jahrzehnt des Kokains und der kalifornischen Überspanntheiten. Die dysfunktionalen Selbsttherapie-Versuche des Septetts münden jedenfalls allesamt in kleine Kataströphchen, die ein „klarer“ Kopf wohl als hoffnungslos grotesk und absurd einordnen würde: Zunächst plündert man – unter Anleitung des Hausherrn – Kramers sorgsam für den folgenden Damentreff seiner Frau bestückten Kühlschrank mit allerlei Leckereien, dann zerlegt man im Zuge von Messerwurfübungen und unter kollektivem Wolfsgeheul nach und nach die Einrichtung des Hauses. Eine auf Kramers grinsendem Kopf landende Bratpfanne bereitet seinem persönlichen Herrenabend ein verfrühtes Ende, derweil die anderen zu einem Exklusivbordell weiterziehen, wo am nächsten Morgen eine bizarre Hochzeit nebst anschließenden Flitterwochen eingeläutet wird. Immerhin machen sich drei der Kerle noch auf den (fußläufigen und somit wohl ernüchternden) Heimweg zu Frauen und Kindern. Es muss ja doch weitergehen, irgendwie.
Mir gefällt „The Men’s Club“ recht gut, wenngleich er auch nie die spezifischen Finessen eines der oben erwähnten Filmemacher aufweist, dafür zerfasert er dann hier und da doch etwas zu sehr. Dennoch trägt ihn sein erwartungsgemäß vorzügliches Ensemble; die räumliche und zeitliche Beschränkung verleiht Medaks Film eine im positiven Wortsinne theatralische Konzentriertheit. Unter den vielen, vielen kleinen und großen Klassikern der 1980er lohnt es sich jedenfalls immer mal wieder, hier und da etwas emsiger zu stöbern, um auch sperrigere, weniger zugängliche Sachen wie „The Men’s Club“ aus dem Trüben zu fischen und neu zu entdecken.

7/10

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4 Gedanken zu “THE MEN’S CLUB

  1. Habe den damals als Verleihtape gehabt. Medak gehörte nach ROMEO IS BLEEDING ja zum erweiterten Kreis der post-tarantinoesken Kultregisseure, auch wenn er schon viel länger im Geschäft war. Den Film fand ich höchst seltsam und nicht wirklich gut, es kam mir vor als sei der massiv gekürzt, aber vielleicht war ich nur zu jung. Habe jedenfalls nix mehr davon im Kopf, außer, dass ich ihn gesehen habe und sehr enttäuscht war.

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    1. Er ist wohl auch eher ungeeignet für ein jüngeres Publikum und tatsächlich recht eigenartig strukturiert. Aber das sollte ja gerade dich nicht davon abhalten, ihn dir bei Bedarf nochmal anzusehen, wobei ich nicht die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass er dir heute besser reinläuft. Es käme eben auf einen Versuch an.
      Was Medaks „Zugehörigkeit“ zum „erlauchten“ Taranteenie-Kreise anbelangt, so kann man nur laut protestieren. Zum Einen ist „Romeo Is Bleeding“ eher dem neo noir zuzurechnen und gerade ein Jahr nach „Reservoir Dogs“ entstanden, zum Anderen ist Medaks Œuvre viel zu interessant und zu heterogen, um ihn derart behelfsmäßig und simpel abzuqualifizieren. Kurzum: Wer sowas behauptet, hat keene Ahnung 😀

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