SBIRRO, LA TUA LEGGE È LENTA… LA MIA… NO!

Zitat entfällt.

Sbirro, La Tua Legge È Lenta… La Mia… No! (Hunted City) ~ I 1979
Directed By: Stelvio Massi

Commissario Ferro (Maurizio Merli) ist ein Experte im internationalen Kampf gegen die Mafia, deren Arbeitsweise und Struktur er nicht zuletzt deshalb so umfassend durchblickt, weil der Mailänder Don Alfonso (Francisco Rabal) ein alter, väterlicher Freund Ferros ist. Von einem Einsatz in Marseille zurück in der Lombardei, macht sich Ferro daran, die Drahtzieher hinter einer Gruppe käuflicher Attentäter ausfindig zu machen, die, verkleidet unter Gesichtsmasken, ihre Opfer auf anonyme Zeitungsannoncen hin auf offener Straße erschießen. Zugleich ergibt sich für Ferro noch ein privates Problem: Er entdeckt, dass sein Neffe Stefano (Massimo Dapporto) mit Rauschgift dealt…

Was für die hiesigen Videotheken einmal mehr mit einem kurzen, zwar einprägsamen, aber eher ziellos „eingeenglischten“ Coverschriftzug versehen wurde, steht im italienischen Original ganz in der hauseigenen Tradition ellenlanger, aber vielsagender Preziosität: „Bulle, dein Gesetz arbeitet langsam, meines nicht!“ übersetzt sich der imposante Titel von Massis Film in etwa. Zwar würde der liebenswerte Padrone Don Alfonso die Bezeichnung „Sbirro“ gegenüber den von ihm hochgeschätzten Ferro nicht verwenden, ansonsten entspricht der Satz jedoch recht exakt einem gegen Ende des Films von ihm ausgesprochenen Zitat während einer Ausflugsfahrt über den Po: Ferro hat verloren. Er konnte er den Organisator hinter dem Killerkommando, den feisten Restaurantbesitzer Acampora (Mario Merola), just entlarven, ihm jedoch nichts nachweisen, geschweige denn, ihn zur Rechenschaft ziehen, eidieweil die justizialen Mühlen der Bürokratie – zumal in Italien – allzu langsam mahlen. Die Jagd auf Acampora hat ihn schließlich auch noch das Leben seines Neffen gekostet. Eines Tages werde er es Acampora heimzahlen, versichert Ferro Don Alfonso mit wütend mahlendem Unterkiefer, worauf der alte Patron nur erwidert, dies dauere im Hinblick auf seine Institution doch viel zu lange; Ferro solle am nächsten Morgen einfach die Zeitung studieren…
Selten stellte ein Polizittesco die Beziehung zwischen Polizei und Mafia – gemeint ist hier freilich die altehrwürdige, sizilianischstämmige Mafia, la famiglia, die mit ihren Dons vor allem Ehrbegriffe pflegt und die ihr Vermögen mit Glücksspiel, Prostitution und Schutzgeld, halbwegs „akzeptablen“ Verbrechen also, erwirtschaftet – als so symbiotisch und funktional heraus wie „Sbirro“. Ohne die immer wieder erfragte Unterstützung Don Alfonsos käme Ferro in seinem Bestreben, den jüngsten Fall zu lösen, überhaupt nicht weiter. Die Gründe dafür sind so offensichtlich wie eklatant. Nur so kann Ferro am Rande und vielleicht auch kurz mal jenseits der Legalität ermitteln und Druck ausüben; nur auf diese Weise kann er über nötige finanzielle Mittel verfügen. Zum festen Personeninventar klassischer Poliziottesci gehört ja für gewöhnlich auch der quäkende Vorgesetzte oder ein gesetzestreuer Staatsanwalt, die den aufmüpfigen, zur Selbstjustiz neigenden Bullen stets zu schassen versuchen, oder ihn doch zumindest perament rügen und zurechtweisen, wenn er wieder einmal zuoft Gebrauch von der Dienstwaffe gemacht hat. Eine solche Figur gibt es in „Sbirro“ nicht (mehr). Ferro untersteht quasi nur sich selbst und eben der Alterserfahrenheit des Don. So rückt Merli in einem seiner letzten Poliziottesci auch etwas ab von all den überharten Kommissaren, die er etliche Male zuvor gegeben hat. Als Ferro darf er – trotz dieses Namens – häufig lachen und grinsen, auch mal ein Witzchen machen und gibt sich um einen erstaunlichen Anwuchs wesentlich menschlicher und milder als gewohnt, bis hin zum schlussendlichen Versagen. Vormals hätte Merli sein Gegenüber ohne zu zögern abgeknallt. Jetzt ballt er nurmehr die Faust in der Tasche. Der alte Vigilant tritt zurück hinter das Leben.

7/10

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