THE TWO JAKES

„In this town I’m the leper with the most fingers.“

The Two Jakes (Die Spur führt zurück) ~ USA 1990
Directed By: Jack Nicholson

Los Angeles, 1948. Nach seinem Kriegseinsatz in Übersee arbeitet Jake Gittes (Jack Nicholson) wieder als Privatdetektiv mit dem bewussten Spezialgebiet Ehebruchsaufdeckung. Aktuell verhilft er seinem im Parzellenverkauf tätigen Namensvetter Jake Berman (Harvey Keitel) dazu, Beweise für die Untreue seiner Frau Kitty (Meg Tilly) zu sammeln. Ein sorgsam arrangiertes „In flagranti“ endet jedoch anders als geplant: Berman erschießt seinen Nebenbuhler, allem Anschein nach im Affekt. Wie Gittes hernach herausfindet, handelte es sich bei dem Getöteten um Bermans Teilhaber Bodine (John Hackett), was die Tat in einem neuen Licht erscheinen lässt. Offenbar sollte Gittes designierter Zeuge bei einem gut getarnten Mord werden, der Berman und seiner Frau sämtliche Anteile an der gemeinsamen Firma zuschustert. Tatsächlich liegt der Fall jedoch noch weitaus komplizierter: Unter Bermans Land liegen nämlich gewaltige Ölvorkommen, für die sich der Magnat Rawley (Richard Farnsworth) interessiert…

Nicht nur der New-Hollywood-Klassiker „The Godfather“ wurde 1990 (abermals) fortgesetzt, auch Polanskis neo noir „Chinatown“ ging in die Sequelrunde. Während Robert Evans (Produktion), Robert Towne (Script) sowie einige der Nebendarsteller des Originals auch für die Fortsetzung gewonnen werden konnten, blieb Roman Polanski dem Projekt fern. Dessen Realisierung dauerte am Ende über fünf Jahre: Tatsächlich hatte Robert Towne zunächst eine Trilogie um P.I. Jake Gittes geplant mit jeweiligen Abständen von elf Jahren, was auch erklärt, warum „The Two Jakes“, der bei tatsächlicher chronologischer Wahrung 16 Jahre nach „Chinatown“, also 1953 hätte spielen sollen, fünf Jahre zuvor angesiedelt ist. Auch sollte der Film bereits 1985 in Produktion gehen, jene verzögerte sich jedoch durch eine Vielzahl mehr oder minder bizarrer Zwischenfälle. Zu einem weiteren Nachfolger kam es aufgrund der vielen Querelen erst gar nicht mehr.
Tatsächlich kommt der von Nicholson selbst recht ordentlich inszenierte Film nicht über ein solides Brauchbarkeitsmaß hinaus, geschweige denn ansatzweise an das übermächtige Original heran. Die allseitige Leidenschaft, die „Chinatown“ auszeichnete, vor allem sein anklagendes, resignierendes Wesen, weicht, passend zur Entwicklung des Protagonisten, einer unaufgeregten Gleichförmigkeit. Dem gealterten Gittes ist die Dynamik des einstigen Schnüfflers mittlerweile völlig abhold, er ist ein gesetzter, manchmal melancholischer Mann mittleren Alters, der sich nurmehr selten aus der Reserve locken lässt und längst zur Genüge um die Schlechtigkeit der Welt weiß. Die Entschlüsselung von Kathryn Mulwrays tatsächlicher Identität ist keineswegs die große Überraschung, als die sie Towne gern dargestellt hätte und überhaupt stellt sich die Frage, ob die inhaltliche Anbindung an „Chinatown“ durch ihre Person nicht ein wenig zu forciert, um nicht zu sagen, weit hergeholt daherkommt.
Als kleine Detektivgeschichte in bewusster Tradition nimmt „The Two Jakes“ sich vor allem als Ausstattungsstück und pereiod piece mit natürlich erlesener Besetzung gut aus. Gittes‘ L.A. der Spätvierziger ist jetzt nicht mehr der weichgezeichnete Schleiermoloch auf Wüstengrund von dereinst, sondern wird von Vilmos Zsigmond bei erfrischenden, kräftig-starken Farben gezeigt. Die Sonne strahlt über stahlblauem, kalifornischen Himmel, die Stadt darunter wirkt hübsch angeordnet und sauber, auch wenn die Story eigentlich etwas ganz anderes suggeriert. Obschon man, zumal als Liebhaber des Originals, einen Blick auf Nicholsons Baby riskieren mag, manifestiert sich hier, ebenso wie beim oben gennanten „The Godfather Part III“, der nicht unähnliche Schwachpunkte aufweist, konsequent die Unwiederbringlichkeit einer der schönsten amerikanischen Filmepochen. Große Kunst ist immer auch ein Kind ihrer eigenen Zeit.

6/10

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5 Gedanken zu “THE TWO JAKES

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