LES AVENTURIERS

Zitat entfällt.

Les Aventuriers (Die Abenteurer) ~ F/I 1967
Directed By: Robert Enrico

Die beiden Freunde Manu (Lino Ventura) und Roland (Alain Delon) sind unzertrennlich. Zwar jagen sie als Glücksritter stets dem Traum vom ganz großen Coup nach; dass dieser sich aber sowieso nie einstellt, gehört eben zum Alltagsmetier. Als sich auf Manus kleinem Schrottplatz eines Tages die Skulpturistin Laetitia (Joanna Shimkus) einfindet, ergänzt sich die Medaille um eine dritte Seite. Zwar empfinden sowohl Manu als auch Roland bald etwas für Laetitia; diese verhält sich jedoch neutral und so funktioniert die platonische Dreiecksbeziehung weitestgehend. Durch Zufall erfahren die Freunde etwas von einem vor der kongolesischen Küste abgestürzten Flugzeug, das einen millionenschweren Schatz beherbergen soll. Nachdem die jüngsten Pläne des Trios durch die Bank scheitern, begeben sie sich nach Afrika, wo es ihnen tatsächlich gelingt, das wertvolle Gut zu bergen. Es ist jedoch auch eine Gruppe Söldner hinter dem Vermögen her, die Manu, Roland und Laetitia bald unter schweren Beschuss nimmt.

Vom Haben und vom Nichthaben berichtet Enricos bittersüßer Abenteuerfilm, der seine Helden zunächst mit Scheuklappen versieht, um sie schließlich bilndlings in ihr Verderben laufen zu lassen. Für Manu, der an einem speziellen Dragster-Antriebssystem werkelt und Roland, der waghalsige Flugmanöver liebt, läuft zwar alles überaus suboptimal, doch sie haben sich und ihre Freundschaft. Mit der liebenswerten, vor Lebenslust sprühenden Laetitia tritt das bislang eigentlich nicht vermisste, weibliche Element in ihr Leben – und zugleich der Anfang vom Ende, gewissermaßen. Nachdem sich zunächst alle so neutral als möglich zueinander verhalten, kristallisieren sich während des eher dem überfälligen Tapetenwechsel dienenden Trips nach Afrika deutlich die Gefühlswelten heraus – Roland umgarnt Laetitia, die ihrerseits bereits in Manu verliebt ist, der wiederum auch sie sehr mag, jedoch um Rolands Gefühle für das Mädchen weiß und daher keine weiteren Avancen unternimmt. Mit einem an Bord ihres kleinen Schiffes kommenden Herumtreiber (Serge Reggiani), der sich als Pilot des abgestürzten Fliegers entpuppt, beginnen die Probleme allerdings erst richtig: Ihm auf den Fersen sind besagte Söldner, die nun auch die Freunde verfolgen – bis diese schließlich den Schatz geborgen haben. Bei einem ersten Feuergefecht kommt Laetitia ums Leben, der idyllische Traum, wie er auch hätte ausgehen mögen, ist ausgeträumt. Zurück in Frankreich machen Roland und Manu Laetitias Neffen (Jean Trognon), einen netten Knirps, ausfindig und machen ihm Laetitias Gewinnanteil zum Geschenk. Manu realisiert derweil Laetitias heimlichen Traum – er kauft ein vor der Atlantikküste liegendes Inselfort (das später immer wieder als Kulisse für kurzlebige TV-Gameshows dienende Fort Boyard) und will es zu einem Hotel umfunktionieren, derweil Roland vorübergehend zurück nach Paris fährt. Doch mit seiner Rückkehr zu Manu finden sich auch die Verbrecher ein und es kommt zum entscheidenden Kampf, bei dem auch Roland getötet wird. Manu ist nunmehr zwar reich an materiellem Gut, er hat jedoch die einzigen beiden Menschen verloren, die er geliebt hat. Damit wird das glückliche Leben, das er noch als armer Schlucker und Träumer geführt hat, einer luxuriösen, aber freudlosen, weil einsamen Existenz weichen. Enrico scheut nicht davor, uns nach fast zwei Stunden sympathischer Weltenbummlerei dieses traurige Ende um die Ohren zu hauen, wie der gesamte Film sich spielend zwischen den Genres bewegt. Er beginnt als typisch-luftige französische Komödie, widmet sich dann als pièce de romance den amourösen Verirrungen der Protagonisten, um schließlich in ein unbarmherziges Actiondrama umzuschlagen, in dem es für die vormalige Leichtigkeit kein Platz mehr gibt, nun, da die wenig faire Ernsthaftigkeit der Realität einmal in sie eingebrochen ist. Dahinter mag man existenzialistische Diskurse ausmachen, die um den unbewusst-unheilvollen Einfluss einer Frau auf gestandene Männerfreundschaften kreisen, um die Wertlosigkeit materiellen Wohlstands im Vergleich zur seelischen Zufriedenheit oder schlicht darum, nicht in die Ferne zu schweifen, weil das Gute längst nah ist, man es aus Gründen der Gewohnheit bloß nicht mehr wahrnimmt. In jedem Falle verzweifelt und weint man am Ende – gemeinsam mit Manu, dem gebrochenen, armen Neureichen.

8/10

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