I AM WRATH

„Find ‚em, kill ‚em.“

I Am Wrath (Rage – Tage der Vergeltung) ~ USA 2016
Directed By: Chuck Russell

Der Angestellte Stanley Hill (John Travolta) kehrt von einem Bewerbungsgespräch zu seiner Frau Vivian (Rebecca De Mornay) in Ohio zurück. Noch am Flughafen wird Vivian ermordet – scheinbar im Zuge eines gewöhnlichen Raubüberfalls. Doch Stanley ahnt, dass dahinter viel mehr stecken muss. Allzu nachlässig die Polizeiarbeit bezüglich des Verbrechens, allzu verdächtig Vivians den Plänen des Gouverneurs Meserve (Patrick St. Sprit) entgegenstehendes Engagement als Umweltlobbyistin, den geplanten Bau einer teuren Pipeline betreffend. Für Stanley, ehemals Mitglied der Special Forces und entsprechend geschult und ausgestattet, gibt es von jetzt an nurmehr den privaten Weg: Gemeinsam mit seinem alten Freund Dennis (Christopher Meloni) und allerlei Feuerkraft pflügt er sich zielstrebig durch die Reihen der Unholde bis hin zu ihrem Kopf.

Ein trauriges Beispiel verkommen(d)en Talents. Dass ich den Travolta ab ’94, sozusagen den von Tarantino reaktivierten, kaum mehr leiden mag, ist ein rein privat gefärbtes Problem; was jedoch der spärliche Arbeiter Chuck Russell, der vor knapp drei Dekaden immerhin den grenzbrillanten „A Nightmare On Elm Street Part 3: The Dream Warriors“ inszenierte, hier nach einer abermals langen Pause vorlegt, das gefällt mir beinahe noch weniger. „I Am Wrath“ hängt sich an die jüngst recht erfolgreich gelaufene, kleine Selbstjustizler- und Vigilantenwelle, die mit Antoine Fuquas „The Equalizer“ sogar einen durchaus amtlichen Beitrag liefern konnte. Das Sujet, wie es hier aufbereitet wird, hat jedoch nurmehr was von einem in der hinteren Kühlschranksektion vergessenen Stinkkäse. Unter einem ernsthaft motivierten, engagierten Rächer stelle ich mir jedenfalls keinen nur Stunden nach dem Gewalttod seiner geliebten Frau angesichts erster Racheerfolge herumfeixenden Typen vor, der sich eigentlich bloß freut, einen Grund zu haben, in sein früheres, heißgeliebtes Metier als Attentäter zurückzukehren. Doch nichts Anderes präsentiert uns dieser Film. Die großen Rächerfiguren des Kinos der siebziger und achtziger Jahre hatten, bei all ihrer kontroversen Vorgehensweise, zumindest Eines stets gemeinsam: Sie waren destabilisierte, aus den Fugen geratene, traurige Einzelgänger, auf die nach „erfüllter Mission“ wahlweise der Tod, die große Leere oder zunehmend realitätsferne Sequels warteten. Nicht so Stanley Hill – der findet es ziemlich funky, was er da tun muss bzw. tut und hat jede Menge schlechten Spaß dabei. Der auslösende Faktor, also die brutal erdolchte Gattin, scheint relativ schnell der Bedeutungslosigkeit anheim zu fallen. Und diese penetrante Disharmonie findet sich wird weder als ironische Genrereflexion aufbereitet noch als clevere Drehbuchfinte, sondern verbleibt schlicht unangenehmer Subton.
Russell regiert den lückenhaften Film entsprechend ratlos und unbeteiligt und lässt seinen hamsterbackigen Alttänzer, dessen Antlitz mich nebenbei unentwegt auf sonderbar-unheilvolle Art an den Arnold-Dummy aus der Autoaugenoperationsszene in „The Terminator“ denken ließ, mal machen. Ich derweil war froh, als ich endlich durch war und mich endlich wieder Gehaltvollerem zuwenden konnte.

3/10

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