FLIC STORY

Zitat entfällt.

Flic Story ~ F/I 1975
Directed By: Jacques Deray

Paris, 1947: Der als Soziopath geltende Raubmörder Émile Buisson (Jean-Louis Trintignant) flieht aus der psychiatrischen Haft. Anstatt unterzutauchen, kehrt er jedoch nach Paris zurück und macht bald wieder durch brutale Raubmorde von sich reden. Der junge, ehrgeizige, zugleich jedoch humanistisch geprägte Polizeibeamte Borniche (Alain Delon) von der Sûreté heftet sich an Buissons Fersen, hat allerdings einige Schwierigkeiten, des geschickten Gangsters, der eine immer länger werdende Blutspur hinter sich her zieht, habhaft zu werden. Schließlich gelingt ihm doch noch die Festnahme.

Ein formal wie narrativ sehr konzentrierter, auf authentischen Wurzeln fußend. Der reale Émile Buisson brachte es nach einer Bilderbuchkarriere als unbelehrbarer Delinquenter sowie infolge seiner umfassenden kriminellen Aktivitäten schließlich zum „Staatsfeind Nr. 1“ im Jahre 1950. Von seiner Flucht aus dem psychiatrischen Gewahrsam bis zu seiner Hinrichtung unter der Guillotine vergingen rund neun Jahre, in denen Buisson wahre Leichenberge auftürmte und Raubüberfälle beging (er wurde über dreißig Morden und rund einhundert Raubüberfällen schuldig befunden). In der Tradition der Kriminalfilme Melvilles verzichtet Deray dabei fast stoisch auf eine emotionale Extrapolation der Ereignisse und beteiligten Personen und geht stattdessen streng faktengebunden und mit teils dokumentarischer Strenge vor. Die Anfertigung vollständiger Charakterbilder entfällt infolge dessen beinahe komplett auf den Rezipienten, dem es obliegt, die grundverschiedenen Antagonisten für sich einzuordnen. Erwartungsgemäß erweist sich die von Trintignant gewohnt vorzüglich gespielte Figur des Émile Buisson als die interessantere, schillerndere. Obgleich der Akteur darauf verzichtet, den klassischen, oftmals ödipal geprägten Gangsterwahn, wie ihn vor allem James Cagney in ganz analogen Rollen so denkwürdig zu perfektionieren verstand, in sein Repertoire aufzunehmen, bleibt Buisson durch seine oftmals reglosen Gewaltausbrüche von steter Bedrohlichkeit. Delon als sein Antagonist ist freilich ebenfalls sehenswert, belässt den Kriminaler in seinen durchaus widersprüchlichen Zügen jedoch ein wenig zu konturlos. Eine Minimalschwäche innerhalb eines ansonsten sehr sehenswerten Werks.
Von einigem gehobenen Interesse für das schließlich seines Katz-und-Maus-Status‘ enthobenen Wechselspiel zwischen Beamtem und Kriminellem sind dann nochmal die letzten Minuten, die Delons Borniche die letzten Jahre seiner Beziehung zu Buisson aus dem Off subsummieren lassen. Der Polizist berichtet darin von einem von gegenseitigem Verständnis und Respekt geprägten, bald freundschaftlichen Verhältnis zu dem Massenmörder, den er im Zuge regelmäßig stattfindender Verhöre über einen langen Zeitraum hinweg privat kennenlernen konnte. Allein diese, leider nur kurz angerissene Episode gäbe sicherlich nochmal hinreichend Potenzial her für einen eigenen Film.

8/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s