FUKKATSU NO HI

„The United States had no particular monopoly on idiots.“

Fukkatsu No Hi (Overkill – Durch die Hölle bis zur Ewigkeit) ~ J 1980
Directed By: Kinji Fukasaku

Im Jahre 1982 wird eine kleine Probe des von US-Militärs unter strengster Geheimhaltung entwickelte Bio-Kampfstoff MM-88 gestohlen und entweicht infolge eines Unfalls. Bei MM-88 handelt es sich um eine tödliche Kombination verschiedenster Grippeviren, die ihr Opfer binnen Stunden dahinrafft. Die bald als „Italienische Grippe“ berüchtigte Pandemie rafft nach und nach alles globale tierische und menschliche Leben hinweg, nur ein paar Forschungsstationen in der Antarktis bleiben unbelastet, weil das Virus bei hohen Minustemperaturen inaktiv bleibt. Die letzten rund 850 Menschen schließen sich unter der Führung von Admiral Conway (George Kennedy) in der internationalen Forschungsstation Palmer zusammen und beginnen durch zufallsprinzipielle Paarung einen systematischen Wiederaufbau ihrer Gattung. Doch die Gefahr ist längst noch nicht gebannt: Ein in Washington D.C. zu erwartendes Erdbeben wird automatisch das nukleare Angriffssystem der Vereinigten Staaten und damit gleichfalls die sowjetische Verteidigungsmaschinerie auslösen, so dass sich  zu dem Virus noch der nukleare Holocaust gesellen würde, der auch die Forschungsstation Palmer am Südpol als taktisches Ziel miteinbezieht. Es ist nun an dem Wissenschaftler Yoshizumi (Masao Kusakari) und Major Carter (Bo Svenson), das letzte große Unheil zu verhindern…

Vom Kalten Krieg und wie er plötzlich und unbeabsichtigt heiß wird erzählt Kinji Fukasakus ehrgeizige Filmapokalypse, für die sich wie in den Vorbildern des US-Katastrophenfilms eine stattliche internationale Besetzung zusammentrommeln konnte. Ins Zentrum seiner Geschichte stellt der Filmemacher freilich einen strauchelnden japanischen Helden, nämlich den Wissenschaftler Shûzô Yoshizumi, der sich vor dem Ausbruch der globalen Seuche in Tokio von seiner schwangeren Freundin Noriko (Yumi Takigawa) distanziert hat und diesen Schritt nun, nun angesichts der katastrophalen Entwicklungen, bitter bereut. Yoshizumi wird schließlich zu einer Art Hiob, der, nachdem auch seine letzte Rettungsmiussion gescheitert ist, als vermeintlich letztes menschliches Wesen ziellos wandernd den öden Erdball durchmisst und sich dabei vom „lieben“ Gott auch noch erzählen lassen muss, er sei undankbar angesichts dieser Ehre. Natürlich bleibt noch ein letzter Funke der Gnade: Ein bereits in der Palmer Station entwickelter Impfstoff gegen die italienische Grippe zeigt Wirkung und ein kleines Häuflein Männer, Frauen und Kinder hat selbst den Großen Knall noch überlebt – darunter auch Yoshizumis große Ersatzliebe Marit (Olivia Hussey), die er mitsamt ihrem Baby seinerzeit vor dem sicheren Tode retten konnte. Unterdessen tummelt sich allerlei Hollywood-Alt- und B-Personal in Fukasakus Film, dem es wie stets eine Freude ist, bei der professionellen Arbeit zuzuschauen, seien es Glenn Ford als darbender US-Präsident, der nicht darauf verzichtet, würdevoll am Ende der Menschheit zu partizipieren, Henry Silva als kriegslüsterner Militär, der letztlich die Schuld an der ganzen Misere trägt und viele andere.
Obschon die bei uns kürzlich erschienene Blu-ray weit davon entfernt ist, ein qualitatives oder gar editorisches Optimum zu bieten, enthält sie dankenswerterweise zumindest Fukasakus im Vergleich zur internationalen Exportfassung fast eine Stunde längeren Director’s Cut, der sehr viele eminente Details enthält, besonders bezüglich der charakterlichen Entwicklung Yoshizumis und des Schicksals Norikos enthält, ohne die der Film massiv an Zugkraft einbüßt. Andererseits muss Fukasaku sich gefallen lassen, gegenüber einigen wirklich stark inszenierten Momenten immer wieder auf teils unnötig pathetische sowie auf diverse unglaubwürdige Hergänge zurückzugreifen, die sein sicherlich ehrgeiziges Werk nur deshalb nicht ruinieren, weil sie sich als dem (trivialen) Katastrophen- und Endzeitfilm gattungsinhärente Faktoren verschmerzen lassen. Für mich somit eben vor allem des personellen Aufgebots wegen sehenswert, als dystopische Beschreibung des nahenden Armageddon indes eher medioker.

6/10

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