PLEM, PLEM – DIE SCHULE BRENNT

„Ätzend!“

Plem, Plem – Die Schule brennt ~ BRD 1983
Directed By: Sigi Rothemund

Dieses Jungen-Gymnasium ist wirklich der letzte Heuler! Der Rektor (Jacques Herlin) ein bornierter Spießer, das Kollegium (Helga Feddersen, Harald Effenberg, Günther Meisner, Werner Röglin) durch die Bank verspleent, die Schülerschaft, allen voran die berüchtigte Oberprima, ein verdorbener Sauhaufen. Ein Trio spezieller Lehrkräfte (Helmut Krauss, Joachim Kerzel, Horst Pinnow), angesichts der bevorstehenden Inspektion durch den Schulrat (Gunther Philipp) eigens herbeibeordert, soll’s richten, doch schon auf der Anfahrt zur Lehranstalt begegnet man drei zufällig aus der benachbarten Irrenanstalt entflohenen Geisteskranken (Herbert Fux, Andreas Mannkopff, Eberhard Cohrs), die mit den Beamten kurzerhand die Plätze tauschen. Glücklicherweise ist mit dem duften Jürgen (Thomas Ohrner) just auch ein neuer Eleve am Start, der sich als wahrer Tausendsassa entpuppt.

Immer, wenn man denkt, grotesker geht’s nicht mehr, kommt eine angeweste deutsche Komödie daher. „Plem, Plem – Die Schule brennt“ gehört dabei wohl zum mental Gewagtesten, dessen man als furchtloser Forscher in Sachen einheimischer Psychotronik überhaupt ansichtig werden kann. Rothemund, der um diese Zeit als Filmschaffender in Kino und TV praktisch dauerpräsent war, arbeitete in diesem Falle ausnahmsweise einmal nicht für Karl Spiehs‘ Lisa-Film, sondern für die Berliner CCC, die natürlich nichts Anderes im Sinn hatte, als der dauerbrennenden bayrischen Disco-Komödie scharfe Konkurrenz zu machen. Trotz der fürderhin nahezu deckungsgleichen Schauspielprominenz und trotz eines adäquat windschiefen Dialogscripts von Rainer Brandt ging dieser Plan nicht auf. „Plem, Plem“ versagt sich nämlich weithin die üblichen Frechheiten der Konkurrenz und versucht mit einer Reanimation des Konzepts des sich längst totgelaufenen Pauker-Films das von vornherein Unmögliche. Die vermeintlich „zündende Idee“, einen Verwechslungsklamauk zu entfesseln, indem man drei Verrückte gegen drei Lehrer substituiert, ist ja eigentlich gar keine und verdient noch nichtmal jene Bezeichnung. Man nehme bloß das Entflohenentrio: Herbert Fux muss zwanghaft jedes Paar weiblicher Brüste kneten, dessen er gewahr wird; Andreas Mannkopff dreht durch, sobald er den „Ententanz“ hört und Eberhard Cohrs ist in Wahrheit ein Alien namens E.T., das unentwegt „nach Hause telefonieren“ will. Die NDW-Eintagsfliege Ixi führt die Besetzungsliste an und ist mit ihrem damaligen Schlager „Mach‘ mir doch kein‘ Knutschfleck“ sowie einem weiteren Stück Dauergast auf der Tonspur. Peter Kuiper, als Kredithai Shark in „Otto – Der Film“ kurz darauf zu erhöhtem Popularitätsgrad gelangt, spielt den sadistischen Hausmeister von Gymnasium und (!) Klapsmühle, der in Abwesenheit des Chefarztes Schock-Therapien durchführen soll; Günther Meisner kopiert Peter Sellers‘ „Dr. Seltsam“, Röglin und Feddersen liefern die üblichen komödiantischen Repräsentanzien als hässliche Altjungfer respektive erzschwule Supertucke. Das ist genau so handverlesen umgesetzt, wie es sich hier liest. Angesichts eines derartigen Ausbundes eklektischer Elemente ist Rothemunds Film tatsächlich, wenn überhaupt, nur schwer zu ertragen und will lediglich unter einem gehörigen Zoll an Blut, Schweiß, Tränen und Hirnschmalz durchlitten sein.
„Plem, Plem – Die Schule brennt“ – ich habe ihn überlebt!

4/10

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