CLOSE RANGE

„What the hell is all this about?“

Close Range ~ USA 2015
Directed By: Isaac Florentine

Der desertierte Elitesoldat Colton „Colt“ MacReady (Scott Adkins) huscht mal eben kurz über die mexikanische Grenze, um seine gekidnappte Nichte Hailey (Madison Lawlor) aus den Händen der Drogenmafia zu befreien. Dabei tötet er nicht nur den Neffen (Ray Diaz) des Kartellchefs Fernando Garcia (Tony Perez), sondern entwendet zudem noch einen USB-Stick mit allerlei brisanten Daten, wodurch MacReady sich selbst, seine Schwester Angela (Caitlin Keats) sowie Hailey zum Freiwild für Garcias Killer deklariert. Diese verfolgen dann auch gleich den neuen Todfeind bis zum Landhaus seiner Familie und nehmen dortens alle unter Beschuss. Ein weiteres Gerechtigkeits-Hindernis ergibt sich durch den korrupten Sheriff Calloway (Nick Chinlund), der auf Garcias Lohnliste steht…

Was Isaac Florentine anbelangt, habe ich noch einigen, dringenden Nachholbedarf. Allerdings wurde meine Schaulust betreffs früherer Regiearbeiten durch „Close Range“ etwas ausgebremst. Anders als mein Co-Betrachter Oliver, bekanntermaßen ohnehin großer Genre-, Florentine- und Adkins-Enthusiast, konnte ich dem jüngsten Werk des umtriebigen Regisseurs nämlich nicht das zuvor Erhoffte abgewinnen. Oftmals wähnte ich mich tatsächlich weniger im Angesicht dessen, was man gemeinhin als „Film“ zu bezeichnen pflegt, sondern einer Nummernrevue beiwohnend, deren einziger Zweck die Ausstellung Adkins‘ ehrfurchtgebietender MMA-Moves ist, respektive, welche Kameratricks Florentine aus dem Hut zaubert, um jene Bewegungsfreude möglichst unmittelbar und dynamisch einzufangen. Beides gelingt mit absolut punktgenauer, unfehlbarer Weltklasse. Allein die Eingangssequenz, in der Macready seine Nichte aus dem Hauptquartier der Mexikaner raushaut, wirkt physikalisch geradezu enthebelt und verspricht für die folgenden eineinhalb Stunden grandioses Fach. Doch soll „Close Range“ eben keine bloße Kompilierung pittoresker Nahkampfbewegung und deren Dokumentationsmöglichkeiten sein, sondern auch eine Geschichte erzählen. Und hier beginnen seine Probleme: er hat nämlich gar keinen wirklichen Plot, respektive ist dessen Rudiment so dörr und unmotiviert, dass es sich für die Habenseite des Films geradezu beschädigend auswirkt. In den kurzen Plotstrecken kristallisiert sich nämlich auf tragisch entlarvende Weise heraus, dass sich hinter dem Jagd- und Belagerungsszenario von „Close Range“ eine gähnende Leere aus dreister Ideenlosigkeit bis hin zu offenherziger Verblödung verbirgt, die selbst einen kurzen Achtzigminüter nicht zu tragen vermag. Wehe, wenn es im Zuge dieser Geistesödnis zu Dialog oder gar Narration kommt, dann übernehmen in Windeseile Albernheiten und Stereotypen das Ruder und relativieren alle Bemühungen Florentines/Adkins‘, ihr jeweiliges Können zu demonstrieren. Schade. Außerdem empfand ich die dreist bei Ry Cooder geklauten, uninspirierten Westerngitarrenzupfereien als bisweilen grausam enervierenden Störfaktor.
Subsummierend und mit wachsendem Abstand zur Betrachtung hinterlässt „Close Range“ bei mir den Eindruck, sein ursprüngliches, hehres Ziel verfehlt zu haben, und am Ende halbherzig konzipiert und bloß für ein paar schnelle Bucks gemacht worden zu sein, mit heißer Nadel gestrickt und einzig gedacht für den garantiert sättigungsfreien Verzehr.

5/10

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2 Gedanken zu “CLOSE RANGE

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