BRAINDEAD

„That’s my mother you’re pissing on.“

Braindead ~ NZ 1992
Directed By: Peter Jackson

Wellington in den fünfziger Jahren: Junggeselle Lionel Cosgrove (Timothy Balme) leidet unter der Knute seiner herrischen Mutter Vera (Elizabeth Moody), die ihn eifersüchtig an der kurzen Leine hält. Als Lionel die nette Krämerstochter Paquita (Diana Peñalver) kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Scheinbar heimlich trifft man sich zu einem Zoo-Besuch, den Vera aus der Entfernung verfolgt. Dabei wird sie von einem dort beherbergten Exemplar des sumatrischen „Rattenaffen“ attackiert, was Schreckliches verheißt. Denn wer von einer dieser Kreaturen gebissen wird, verwandelt sich binnen Stunden in einen menschenfressenden Zombie und jeden, den er (oder sie) beißt, gleich mit. Natürlich bleibt die bald verblichene Vera nicht in ihrem irdischen Grab, sondern beginnt flugs, böse unter Rockern und Klerikern zu holzen. Es kommt, wie es kommen muss und bald hat der arme Lionel einen ganze, erstaunlich funktionale Zombie-Familie (nebst Baby) am Hals, die er im Keller seines Hauses beherbergt. Dann ist da noch Veras gieriger Bruder, der schmierige Onkel Les (Ian Watkin), der für die endgültige Entfesselung des Chaos sorgt…

Wie kann man den exemplarisch gemeinen „Where’s Poppa?“ thematisch adäquat betrachtungsfortsetzen, wenn nicht mit Peter Jacksons vortrefflichem „Braindead“, der sich betreffs seines Sujets nicht nur an Reiners großes Vorbild eng anlehnt, sondern, soviel möchte ich wetten, einen Großteil seiner Inspiration aus diesem bezog. Herrische Mütter und unterwürfige Söhne in ödipalen Beziehungsstrukturen, das ist ja ohnehin stets ein dankbarer Kino-Topos gewesen, der besonders im komödiantischen Fach immer wieder Wunderbares ans Tageslicht förderte. „Braindead“ zieht unter das Thema einen letzten, den im Prinzip denkbar konsequentesten Schlussstrich, indem er es einfach durchgehen lässt wie eine Herde panischer Gäule. Natürlich kommt man nicht umhin, die diversen Sauereien und Geschmacklosigkeiten, die „Braindead“ sich einst als „splatter movie to end all splatter movies“ empfehlen ließen, zur Kenntnis zu nehmen, der zweite Blick ist jedoch ein noch wesentlich lohnenswerterer: Schält man die grelle Oberfläche des Films, insbesondere seine letzten zwanzig Minuten, und betrachtet ihn ein wenig subkutaner, geht es nämlich um reinstes ‚coming of age‘, um nichts Anderes, als um eine zarte Liebesgeschichte, der die monströse Mutter des leider hoffnungslos eingeschüchterten, unemanzipierten, jungen Mannes vorsteht. Selbst ihr Tod ermöglicht ihm noch keinen Zugang zur Freiheit, im Gegenteil wird dadurch alles nur noch schlimmer. Vor dem periodischen Hintergrund des fünfziger Neuseeland wirkt all das nur noch authentischer und liebevoller eingebettet. Freilich wäre es umgekehrt ebenso albern, „Braindead“ auf seine Metaebene zu reduzieren, dafür investiert Jackson dann doch allzu viel seiner Aufmerksamkeit in jene unvergleichliche Supp-Orgie, nach der kein Rezipient sich des Gefühls wird erwehren können, dass jetzt nicht prompt eine ausgiebige Dusche fällig sei. Nach fast einem Vierteljahrhundert (ich hatte seinerzeit das große Glück, den Film bereits kurz nach seiner Premiere auf dem Münchner Filmfest ungekürzt auf VHS besitzen und somit dauerstudieren zu können) wirken nun einige von Jacksons Gore-Ideen angesichts dessen, was die Zeit unterdessen so zur Tür hgineingeweht hat, rührend dated und nicht immer dem Zeittest gewachsen. Das Zombiebaby etwa scheint mir mittlerweile eine ziemlich alberne, eher redundante Nebenblüte, vor allem im Vergleich zu immer noch marvellösen Sequenzen wie dem Mittagessen mit der bereits schwer angeschlagenen Vera und dem Honoratioren-Paar der „W.L.W.L.“ (Wellington Ladies‘ Welfare League). Doch sei’s drum, man liebt den Film ja so wie er ist und möchte ihn irgendwie auch gar nicht mehr anders haben.

8/10

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