SLIPSTREAM

„Seems like your balloons are about to fly soon.“

Slipstream ~ UK 1989
Directed By: Steven Lisberger

Die Zukunft. Infolge globaler Klimakatastrophen ziehen gigantische Stürme über die Erde, die „Slipstreams“, die keinen Stein auf dem anderen lassen. Die noch verbliebenen Menschen ziehen sich in unwegsame, gebirgige Regionen zurück, wo sie in kleinen Felsstädten und -dörfern leben. Inmitten der Ödnis sind zwei Polizisten, Trasker (Mark Hamill) und Belitski (Kitty Aldridge) auf der Suche nach dem Androiden Byron (Bob Peck), der einen Menschen getötet hat. Das auf Byron ausgesetzte Kopfgeld will sich jedoch auch der Glücksritter Matt (Bill Paxton) unter den Nagel reißen, der den Cops den mittlerweile bereits Gefangenen vor der Nase wegschnappt. Während ihrer folgenden Reise entwickeln Mensch und Android Verständnis füreinander und werden schließlich Freunde. Als sie nach einigen Abenteuern eine verborgene Zuflucht wohlhabender Bildungsbürger voller gehorteter Bibliotheken, Kulturartefakte und Luxusgüter erreichen, entschließen sie sich dort zu bleiben, doch Trasker und Belitski hängen ihnen noch immer an den Fersen…

„Slipstream“ als einen „merkwürdigen Film“ zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Er wirkt häufig zerfahren, unfertig und vor allem unter offensichtlichen monetären Einschränkungen leidend. Immer wieder scheint die Ambition eines wesentlich größer Angestrebten durch die nebulösen Bilder, von etwas, das sich eben erahnen lässt, „Slipstream“ aber nicht einzulösen vermag. Zumindest etwas einleuchtender wird die Angelegenheit, wenn man ihn zunächst kontextuell als Werk von Steven Lisberger und ferner als die bis dato letzte seiner vier Langfilmarbeiten betrachtet. Im Grunde lassen sich nämlich alle von Lisbergers Filmen auf die eine oder andere Weise als kleine bis große Exoten klassifizieren und die Verschrobenheit ihres Regisseurs jeder auf seine spezifische Weise durchschimmern. Ein Blick auf die Produktionsgeschichte des Werks verschafft dann endgültige Klarheit: Gary Kurtz, einst enger Verbündeter von George Lucas, hatte die ersten beiden „Star Wars“-Filme produziert und sich damit einen ordentlichen Stiefel zusammenverdient. Nach dem Bruch mit Lucas ging es für ihn nicht nur wirtschaftlich bergab („Return To Oz“), sondern auch privat. Mitten in der Scheidung von seiner zweiten Frau steckend, wurden die Budgetlimitierungen für „Slipstream“ zunehmend akuter und einschneidender, führten zu Kürzungen und kreativen Fehlerwägungen, die dafür sorgen, dass man die ursprüngliche Version dessen, was man da nunmehr ansichtig wird, bestenfalls noch rudimentär erahnen kann. Im Kino erlebte der Film nur in wenigen Ländern seine Aufführung und scheiterte dort jeweils katastrophal, so dass er binnen kürzester Zeit public domain wurde. Dabei hätte „Slipstream“ als erwachsenenes Sci-Fi-Märchen um die Freundschaft zwischen einem verträumten Halunken und einem sympathischen Androiden richtig schön werden können. Immerhin lässt sich heuer noch konstatieren, dass das Ding nach zwei sehr schwachen ersten Dritteln gegen Ende hin deutlich zulegt und sich damit doch noch ein – wenn auch mikroskopisch kleines – Gütesiegel erwirtschaften kann. Bradbury, Assimov und Dick schimmern da matt durch, nachdem zuvor, im Zuge der Szenen um die von Avatar (Ben Kingsley) angeführte Windsekte und den nachfolgenden Sturm sich bereits gewaltige Konfusion breitmachte. Die Begegnung mit den dekadenten Senioren in ihrerm prunkpräservierten, champagnergetränkten Refugium unter der Führung von Cornelius (F. Murray Abraham) nebst der „Personwerdung“ Byrons erinnert an ebenjene großen Literaten. Auch die sich den Bildern grandios überordnende, bombastische Musik von Elmer Bernstein lässt noch erahnen, was da eigentlich avisiert wurde. Am Ende bleibt eben dieser seltsame, fragmentarische Film, dem, unvollendet wie er nunmal ist, als nie veröffentlichter Leinwandmythos vielleicht eine dankbarere „Existenz“ zuteil geworden wäre.

5/10

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