PROVINCIA VIOLENTA

Zitat entfällt.

Provincia Violenta (Provinz ohne Gesetz) ~ I 1978
Directed By: Mario Bianchi

Nach seiner vorübergehenden Suspendierung wegen allzu gewalttätiger Dienstmethoden wird der Polizist Sereni (Lino Caruana) von einer alten Freundin (n.n.) um Hilfe gebeten, sich der Umtriebe der kriminellen Hotelmanagerin Flavia (Alicia Leoni) anzunehmen. Diese lädt bevorzugt alte Freundinnen in ihr Haus ein, um diese dann unter K.O.-Tropfen von zwei Handwerkern im Blaumann befummeln zu lassen und davon zu späteren Erpressungszwecken Fotos zu schießen. Kopf der Organisation ist der rücksichtslose Augusto (Richard Harrison), der die Schmutzarbeit von seinem sadistisch veranlagten Killer Roberto (Al Cliver) erledigen lässt. Bei seinen nun folgenden Ermittlungen stellt sich Sereni nicht eben clever an, so dass einige unschuldige Damen und noch weitere Zeitgenossen dran glauben müssen, bis er schließlich dafür sorgen kann, dass die Häupter der Medusa hinter schwedischen Gardinen landen und er selbst seine Marke zurückerhält.

Mario Bianchi ist der jüngere Bruder des legendären Regie-Akrobaten Andrea Bianchi, der unter anderem mit in einschlägigen Kreisen beliebtem Kunsthandwerk wie „Nude Per L’Assassino“ oder „Le Notti Del Terrore“ zu punkten pflegte. Die Herangehensweise an das Inszenieren komplexer Sachzusammenhänge für die Kinoleinwand beherrscht Mario in etwa so gut wie Andrea und insofern lässt sich die familiäre Ähnlichkeit zumindest in „professioneller“ Hinsicht auch alles andere als leugnen. „Provincia Violenza“ nun ist ein Vertreter dessen, was man landläufig als „Poliziottesco“ kennt, des italienischen Polizeithrillers also. Auf diesem Sektor gibt es massig tolle Filme und Entdeckungen zu machen und irgendwie gehört auch Bianchis famoses „pièce de merde“ dazu. Tatsächlich mutet der Film in Machart und Atmosphäre weniger an wie etwas, dass man mit oderflächlich Affizierendem wie Spannung, Suspense oder Ähnlichem assoziieren würde denn wie ein zeitgenössischer Bahnhofsporno. Nur eben ohne Pornographie. Nehmen wir zunächst Hauptdarsteller Calogero „Lino“ Caruana: Der kleine Mann hat trotz seines Namens eher slawische denn italienische Züge. Hätte ich eine Pizzeria und würde ihn bei mir beschäftigen, dürfte er allerhöchstens den Steinofen im separierten Küchenbereich bedienen, um die Kunden nicht zu verängstigen. So einer ist er. Wie insofern jemals jemand darauf kommen konnte, ihn als Schauspieler zu missbrauchen, und dann auch noch für die Rolle des Protagonisten, das dürfte eines der großen, ungelösten Mysterien der Kinogeschichte sein. Glücklicherweise jedoch trägt Caruana die Last der rückhaltlosen Inkompetenz nicht allein auf seinen Schultern, denn Bianchis Film ist von oben bis unten voll von sagenhaften Nullakteuren, mit Al Cliver als einziger Ausnahme. Wie die Geschichte sich vortastet, ist spätestens nach fünfzehn Minuten egal, weil man da längst aufgegeben hat, sich mit so etwas Beiläufigem wie Kausalität zu befassen. Man schwebt sozusagen geistesgleich über den Dingen, unfähig, das zermürbende Geschehen unter sich zu beeinflussen. Was ja aber auch gut ist, denn sonst könnte man Bianchis manifestierter Verwechslung des Holzfällerberufs mit dem des Filmemachers nämlich nicht bis zum bitteren Ende beiwohnen. Erstaunlicherweise ist „Provincia Violenta“ nicht nur unfassbar schlicht, sondern dazu noch weithin unblutig, hat also auch auf diesem Sektor nichts zu holen. Dass Bösewicht Richard Harrison am Ende nicht wie unter Garantie von jedem Zuschauer antizipiert, erschossen, sondern verhaftet wird, adelt dieses Werk endgültig zum Enigma geistigen Zerfalls. Bunter Kernblödsinn vom Feinsten.

5/10

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