3 WOMEN

„There’s gotta be somethin‘ wrong with you.“

3 Women (3 Frauen) ~ USA 1977
Directed By: Robert Altman

Palm Springs. Die junge Pinky Rose (Sissy Spacek) lässt sich als Betreuerin in Heilbad für Senioren anstellen. Sie ist fasziniert von ihrer exzentrischen Kollegin Millie Lammoreux (Shelley Duvall), die ein völlig verqueres Selbstbild hat, sich von aller Welt geliebt fühlt, wegen ihres schmerzfrei-anstrengenden bis aufdringlichen Auftretens tatsächlich von den meisten ihrer Mitmenschen geringgeschätzt und sogar ignoriert wird. Dennoch frisst Pinky mehr und mehr einen Narren an ihr und ist umso glücklicher, als Millie sie einlädt, bei ihr als Mitbewohnerin einzuziehen. Rasch beginnt Millie, Pinky wie ein dummes, kleines Anhängsel zu behandeln. Es kommt zur Katastrophe, als Millie eines Abends den betrunkenen, seine schwangere Frau Willie (Janice Rule) betrügenden Cowboy Edgar (Robert Fortier) mit nach Haus bringt und Pinky aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausquartiert. Pinky verübt einen Suizidversuch und erwacht erst nach Tagen, stark verändert und teilamnesisch, aus dem Koma. Ihre Eltern (Ruth Nelson, John Cromwell) mag sie nicht mehr erkennen, siw will nicht mehr bei ihrem Spitznamen gerufen werden und bendelt nun ihrerseits mit Edgar an. Als die einsame, stille Willie eine Fehlgeburt erleidet, konstituiert sich die seltsame Konstellation der drei Frauen ein letztes Mal neu.

Neben seinen von überlappenden Dialogen überbordernden Komödien, neben seinen doppeldeutigen Western, Sozialsatiren und Ensemblestücken, pflegte Robert Altman auch immer wieder seine dunkle, bizarre Seite als Filmemacher. Zwar sind diese Arbeiten ganz offensichtlich seine engagiertesten und persönlichsten, bezeichnenderweise aber zugleich jene, die in Kanonisierungsversuchen gern übersehen oder zumindest stiefmütterlich behandel werden. „3 Women“ demonstriert recht eindrucksvoll, woran das liegen könnte, denn leicht macht es dieser ebenso faszinierende wie hermetische Film eigentlich niemandem. Ironischerweise habe ich ihn etwa eine Woche vor dem bereits besprochenen „The Neon Demon“ geschaut, ohne von den offensichtlichen Parallelen zwischen beiden Werken auch nur Leisestes zu ahnen. Tatsächlich verdankt Winding Refns Jüngster „3 Women“ thematisch eine ganze Menge. Da wäre zunächst die Symbolik des Triangulären, die in „The Neon Demon“ ja ganz konkret und sogar bildlich ausgearbeitet wird: Auch die titelgebenden drei Frauen Pinky, Millie und Willie geben sich ein immer wieder aufs Neue variiertes Stelldichein, bei dem sie sich jeweils an anderen Enden eines nicht leicht zu dekodierenden Beziehungsdreiecks konstituieren, bis jenes über die Stationen Irrsinn, Tod und Gewaltakt seine endgültige Form angenommen hat. Auch Pinky kommt aus dem ländlichen Osten Hals über Kopf und unerfahren ins gelobte Kalifornien, um hier einen unbestimmten Neuanfang zu wagen. Und auch sie übertrumpft irgendwann ihren persönlichen Stabilisierungshaken Millie und tauscht mit ihr die Plätze. Höchst mysteriös nimmt sich derweil die zunächst stumm erscheinende Willie aus, die älteste und verschlossenste der drei. Von ihrem Mann, einem biertrinkenden, promisken Idioten, der sich gern in Schießübungen ergeht, völlig allein gelassen, entwickelt sie eine Obsession, die sich in der Gestaltung von Swimmingpoolkacheln mit seltsamen, mythologisch bis außerweltlich anmutenden Kreaturen entlädt. Während Pinky zunächst davon fasziniert ist, vergisst sie Willie und ihre Einsamkeit nach ihrer eigenen, komatösen Episode völlig, um Millies Idendität anzunehmen, die derweil einen starken Schuldkomplex entwickelt. Soweit die inhaltlichen Grundzüge von Altmans Frauenporträt, die mit der gewohnt erlesenen, breiten Bildsprache des Filmemachers einhergeht und ein weiteres Beispiel seiner widerspenstigen, höchst unikalen Arbeitsweise als Künstler und auteur liefert. Unumstößliche Tatsache scheint mir: Wer „3 Women“ nicht kennt, kennt auch Altman nicht zur Gänze. Und nach Letzterem sollten wir alle streben.

9/10

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