LA ISLA MINIMA

Zitat entfällt.

La Isla Mínima (Mörderland) ~ E 2014
Directed By: Alberto Rodríguez

Andalusien, 1980: Während Spanien insgeheim noch immer unter der erst vor Kurzem beendeten Ära des Franquismus ächzt, geht ein Mädchenmörder im Marschland des Guadalquivir seinem blutigen Serienwerk nach. Die beiden höchst ungleichen Polizisten Juan (Javier Gutiérrez) und Pedro (Raúl Arévalo) aus der Hauptstadt Madrid werden abgestellt, um dem Täter das Handwerk zu legen. Dabei werden sie nicht allein mit den schwierigen Ermittlungen sowie der nach wie vor streng hierarchisch gegliederten Provinzgemeinschaft nebst einem anhängenden Arbeitskamp konfrontiert, sondern auch mit sich selbst: Der höchst liberal eingestellte, junge Pedro muss von einem schmierigen Journalisten (Manolo Solo) erfahren, dass Juan einst als tatkräftiges Mitglied der Guardia Civil etliche Regimegegner verhört und gefoltert hat…

Der oftmals bemühte Vergleich zwischen Alberto Rodríguez‘ sechster Regiearbeit mit insbesondere der ersten Staffel der HBO-Serie „True Detective“ hinkt keineswegs, denn konzeptionell ähneln sich beide Storys doch sehr: Zwei moralisch stark gegensätzlich geprägte Ermittler müssen über ihre Differenzen hinwegsehen, um einen pervers veranlagten Gewaltverbrecher dingfest zu machen, der seine Untaten in ruralen Gefilden mit heimlich-autokratischen Zügen begeht. So weit, so passabel. Auch der recht ordentlich geratene „Texas Killing Fields“ hat bei Rodríguez seine Spuren hinterlassen, dem ganz offensichtlich daran gelegen ist, das spanische Genrekino nicht nur auf nationaler Ebene zu stärken, sondern es auch im globalen Vergleich zu neuer Salonfähigkeit zu erheben. Man mag konstatieren, dass ihm dies weitgehend gelingt, wenngleich die nicht immer wirklich tragfähig vor sich her mäandernde Kriminalgeschichte ihre liebe Not hat, sich bis zur etwas überraschungsfreien Auflösung bei aufrechtem Zug zu bewegen. Der wirklich interessante Subplot um das politisch bedingte Spannungsfeld zwischen Juan und Pedro verharrt etwas im Behauptungsmodus, anstatt zu einer bedriedigenden conclusio zu gelangen  und auch die Nebengeschichte um den Quasi-Landvogt Don Alfonso (Alberto González) und seine streikende Arbeiterschaft wird leider bloß angerissen. So erscheint mir die eine oder andere doch klar offerierte Chance zu mehr Tiefe verpasst. Immerhin bleibt ein am Ende zufriedenstellender Krimi, der zumindest auf formaler Ebene die meisten „Tatort“-Folgen überbietet.

7/10

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